Gerhard Berger: Früher war die Formel 1 ein Ritt auf der Kanonenkugel

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Gerhard Berger: Früher war die Formel 1 ein Ritt auf der Kanonenkugel
Petra Wiesmayer
Autor: Petra Wiesmayer
29.01.2016, 10:15

Gerhard Berger geht mit der modernen Formel 1 hart ins Gericht. Der ehemalige Ferrari-und McLaren-Pilot vermisst nicht nur die Spannung und Überraschungen bei den Rennen.

Gerhard Berger, Ferrari F1/87-88C, bei der Legendenparade
2. Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, auf dem Podium mit Gerhard Berger
Gerhard Berger, Ferrari F1/87-88C, bei der Legendenparade
1. Nico Rosberg, Mercedes AMG F1, auf dem Podium mit Gerhard Berger
Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender Mercedes AMG F1, und Gerhard Berger bei der Legenden-Parade
Gerhard Berger, Ferrari F1/87-88C, bei der Legendenparade
Fahrer bei der Legendenparade: Christian Danner, Riccardo Patrese, Gerhard Berger, Niki Lauda, Jean
Gerhard Berger, Ferrari F1/87-88C, bei der Legendenparade

„Wir haben eine echt schwierige Zeit. Mercedes hat seine Hausaufgaben natürlich gut gemacht und verdient jeden Respekt. Aber als Fans wünschen wir uns mehr Zweikämpfe, mehr Spannung“, sagte der zehnfache Grand-Prix-Sieger den Salzburger Nachrichten.

Alleine die Überlegenheit der Silberpfeile sei aber nicht Schuld, dass den Rennen die Spannung fehle. „Auch früher hat es Überlegenheiten gegeben. Aber auch eine Menge Ausfälle. Heute bleibt kein Auto mehr stehen, es gibt keine Überraschungseffekte. Kein Spritmangel, keine Motorschäden, keine Bremsdefekte. Früher war bis zur letzten Runde gar nichts sicher, heute ist die Spannung früh draußen“, erklärte Berger.

„Zu meiner Zeit war die Formel 1 noch ein Ritt auf der Kanonenkugel. Heute ist nach der ersten Kurve klar, wer das Rennen gewinnen wird.“ Außerdem seien Fahrfehler damals auch bestraft worden, sagte der 56-Jährige. „Heute sind Auslaufzonen betoniert. Mit Glück verlierst du bei einem Ausritt nicht einmal eine Position.“

Insbesondere mit den neuen Motoren kann sich der Tiroler gar nicht anfreunden. „In den 80er-Jahren fuhren wir Autos mit bis zu 1.400 PS, und das ohne automatisches Getriebe, Elektronikhilfen oder heutiger Aerodynamik. Heute haben sogar Straßensportwagen so viel PS wie ein Formel 1“, klagt er.

MotoGP als leuchtendes Beispiel

Als Beispiel für spannenden Rennsport nannte Berger die MotoGP. „Die haben 270 PS und 160 Kilo und kleine Auflageflächen. Das ist genau der Ritt auf der Kanonenkugel. Dort muss man wieder hin, nämlich dass der Pilot wieder der entscheidende Faktor ist, dass nur vier oder fünf Fahrer überhaupt in der Lage sind, das auch zu beherrschen.“

Wenn man die Fans auf Dauer bei der Stange halten wolle, müsse sich etwas ändern, betonte er, setzt aber kurzfristig erst mal auf sein ehemaliges Team, das für etwas mehr Spannung sorgen soll. „Ich hoffe sehr, dass Ferrari zu Mercedes aufschließt und Red Bull als vielleicht immer noch bestes Team puncto Motoren Fortschritte macht.“

Aber nicht nur die Motoren, Elektronik und Fahrhilfen und seien Schwachpunkte, das gesamte Reglement sei „irrwitzig“ und viel zu kompliziert, findet Berger. „Da bekommen McLaren und Alonso 100 Plätze Strafversetzung. Das versteht doch keine Sau, 'tschuldigung, kein Mensch mehr.“

Zustimmung bekommt der Österreicher von seinem Landsmann Helmut Marko. „Wir brauchen Motoren mit brachialer Gewalt und Sound und der Fahrer sollte mit dem Gas bestimmen, wie er reagiert und nicht die Ingenieure im Hintergrund“, sagte der er Red-Bull-Motorsportdirektor und bemängelte, dass die Hersteller viel zu viel Macht hätten.

Er meint, der Motorsport-Weltverband (FIA) und Bernie Ecclestone müssten ihr Mandat nutzen und Veränderungen durchsetzen. „Die Macht sollte aber nicht bei den Teams sein, sondern dort, wo sie von den Gesetzen her angesiedelt ist. Sportlich bei der FIA und bei der FOM für den kommerziellen Bereich.“

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