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Gerhard Berger: Sebastian Vettel "nervelt, wenn er Druck hat"

Gerhard Berger weiß aus Erfahrung, wie schwierig es für einen Fahrer bei Ferrari sein kann, und befürchtet, dass Sebastian Vettels Traum vom "roten" Titel platzen wird

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Gerhard Berger: Sebastian Vettel "nervelt, wenn er Druck hat"

Gerhard Berger glaubt, dass Sebastian Vettel bei Ferrari nicht die nötige Rückendeckung genießt, die er braucht, um an frühere Red-Bull-Erfolge anknüpfen zu können. Und der ehemalige Formel-1-Fahrer unterstellt dem viermaligen Weltmeister außerdem, im Konkurrenzvergleich vielleicht nicht das robusteste Nervengerüst im Feld zu haben.

Vettel habe schon 2014 gezeigt, "dass er nervelt, wenn er Druck hat", erklärt Berger im Interview mit 'motorsport.com'. Der Österreicher spielt auf Vettels letzte Red-Bull-Saison an, in der er gegen Newcomer Daniel Ricciardo überraschend mit 0:3 Siegen und 167:238 Punkten unterging und anschließend vorzeitig seinen Red-Bull-Vertrag beendete, um zu Ferrari wechseln zu können.

Vettel habe "Fehler gemacht", sagt Berger: "Das war bei Ricciardo so und jetzt auch bei Leclerc." Aber: "Am Ende des Tages war er viermal Weltmeister. Er ist einer der erfolgreichsten Rennfahrer, die es je gegeben hat. Er ist ein supercleverer Kerl. Er ist auch nett, das muss ich wirklich sagen! Und er hat immer seinen Weg gefunden, ob Ricciardo oder nicht."

"Letztendlich", bemerkt der heutige DTM-Chef, "ist Ricciardo der, der den falschen Weg eingeschlagen hat. Sebastian ist immer noch da. Darum schätze ich Vettel sehr stark ein. Ich könnte nicht sagen, dass er irgendwo den falschen Weg eingeschlagen hat."

"Ja, er hat sich an Ricciardo irgendwann ein bisschen die Zähne ausgebissen, eine Saison lang. Er hatte eine Saison lang mit Leclerc keinen Selbstläufer. Aber schauen wir uns die nächste Saison an."

Dass Vettel bei Ferrari jene "Nestwärme" vermisst, die er als klare Nummer 1 bei Red Bull, mit seinem Förderer Helmut Marko als Motorsportchef, stets hatte, gilt im Formel-1-Paddock als offenes Geheimnis. Mattia Binotto erklärte ihn daher Anfang 2019 vorsichtig zur Nummer 1. Aber Supertalent Charles Leclerc hat an dieser Hierarchie schnell gerüttelt.

Berger findet, dass sich Ferrari besonders in den Räikkönen-Jahren klar hinter Vettel stellen hätte sollen. Stattdessen habe es "keine klare Linie gegeben", wer Weltmeister werden soll. "Dann sagt man halt: 'Wir handhaben das sportlich.' In Ordnung. Und ein Rennen später machen sie's wieder umgekehrt", kritisiert der Österreicher.

"Diese konsequente Linie, die Red Bull mit Helmut Marko hat, die ist nicht immer richtig - aber sie ist immer konsequent und geradeheraus", findet Berger und ergänzt: "Wer das auch hervorragend macht, ist Toto Wolff. Toto schmeißt seinen Laden überhaupt hervorragend."

"Sebastian ist einer, der braucht ein warmes Umfeld. Das hatte er bei uns bei Toro Rosso, danach auch bei Red Bull mit Helmut. Auch bei Ferrari." Aber Ferrari sei als Team "schwierig", weiß Berger: "Ich kann ein Lied davon singen. Mich erinnert das alles an meine Zeit. Ich wurde dort auch nie Weltmeister."

"Die Chancen stehen gut, dass Sebastian auf Ferrari auch nie Weltmeister wird. Obwohl er viermaliger Weltmeister ist! Das zeigt nur, wie schwierig die Ferrari-Konstellation wirklich ist", so der 60-Jährige. "Es gibt Leute wie Lauda, wie Schumacher, die schaffen das. Ich hab's nicht geschafft. Und Sebastian scheint's auch nicht ganz hinzukriegen."

Mit Bildmaterial von Philip Platzer (Red Bull).

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Rennserie Formel 1
Autor Christian Nimmervoll