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Gerüchte um Formel-1-Chefposition: Wolff vermutet "eine Agenda"

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Gerüchte um Formel-1-Chefposition: Wolff vermutet "eine Agenda"
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble
08.07.2019, 10:01

Während sich Lewis Hamilton in widersprüchliche Aussagen verstrickt, spricht Toto Wolff offen über Gerüchte, wonach er 2021 Nachfolger von Chase Carey werden soll

Toto Wolff vermutet hinter Gerüchten, wonach er Nachfolger von Chase Carey als Vorsitzender der Formel 1 werden könnte, ein Ablenkungsmanöver: "Ich frage mich schon, wer meinen Namen in Umlauf gebracht hat", erklärt der Mercedes-Teamchef in einem Interview mit 'Motorsport.com'. "Vielleicht gibt es da eine Agenda. Mit der Absicht, Skepsis auszulösen."

Anfang Mai hatte das Fachportal 'RaceFans' erstmals darüber berichtet, dass Rechteinhaber Liberty Media Wolff die Rolle als Formel-1-Chef anbieten könnte. Carey soll seinen Job Ende 2020 an den Nagel hängen, und dann braucht die Königsklasse einen neuen Boss. Für viele gilt der "gelernte" Finanzinvestor Wolff, der erfolgreichste Teamchef der Gegenwart, als Idealbesetzung.

Doch der 47-Jährige ist nicht der einzige Kandidat auf Libertys Liste. In diesem Zusammenhang fallen auch immer wieder die Namen von Formel-E-Promoter Alejandro Agag, Lamborghini-Geschäftsführer Stefano Domenicali und Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Letzterer gilt aufgrund seiner Verbindung zu Bernie Ecclestone (Trauzeuge) nicht als Libertys erste Wahl.

Wenn es denn schon jemand mit Formel-1-Erfahrung sein soll, dann würde Wolffs Profil am besten passen. Zumindest eine Kontaktaufnahme hat laut Informationen von 'Motorsport.com' bereits stattgefunden. Wolff stellt im Interview aber klar: "Witzig ist doch, dass nichts von all dem passiert. Ich habe mich nicht um einen Job beworben."

Wolff: Der Kampf gegen die Stoppuhr reizt ihn

Bei einem Frühstück mit ausgewählten Journalisten am Freitagmorgen in Spielberg hat der Österreicher erklärt, warum er sich nicht unbedingt als neuen Formel-1-Chef sieht: "Mir taugt die Rolle, die ich heute hier habe, unheimlich. Wegen der Menschen, mit denen ich hier zu tun habe, und weil ich Sport machen kann."

"Der Wettbewerb auf der Strecke, die Stoppuhr, das taugt mir. Die Beteiligung am Team taugt mir. Und dass ich von Mercedes das Vertrauen habe, für so eine sensationelle Marke Motorsport zu betreiben. Wenn du auf die andere Seite wechselst, ist das Business. Aber die Stoppuhr gibt mir einfach unheimlich viel Kick."

Eine Aussage, die einen Sinneswandel dokumentiert. In seinen Anfangsjahren als Shareholder des Williams-Teams hat Wolff größten Wert darauf gelegt, sein Engagement als reines Investment zu betrachten. Doch schon 2012 räumte er in einem Interview mit unserem Schwesterportal 'Motorsport-Total.com' ein: "Es ist schön, dass man in einer Firma arbeiten kann, wo es auch um eine sportliche Leistung geht."

Diese emotionale Bindung an ein Projekt ist bei Mercedes noch stärker geworden. Zudem besitzt Wolff 30 Prozent des Teams. Sein Vertrag läuft bis Ende 2020. Ob Mercedes danach überhaupt in der Formel 1 bleibt, steht noch nicht fest. Dem Vernehmen nach deutet aber alles darauf hin, dass der neue Daimler-Konzernchef Ola Källenius bald grünes Licht bis Ende 2025 geben wird.

Einer ist jedenfalls kein Fan von der Idee, Wolff zum neuen Formel-1-Vorsitzenden zu machen: Lewis Hamilton. Am Rande des Grand Prix von Frankreich in Le Castellet betonte der Superstar zwar, dass es "innerhalb der Formel 1 keinen besseren Manager" gebe. Aber letztendlich könne diesen speziellen Job nur jemand machen, der nicht parteiisch ist.

Hamilton erklärte seinen Standpunkt am Beispiel des FIA-Präsidenten Jean Todt: "Er war solange beim roten Team. Wenn er aufwacht und vor ihm ein rotes und ein silbernes T-Shirt liegt, dann wird er sich wahrscheinlich immer für das rote entscheiden. So wie ich, wenn man mir eine Nummer 44 oder eine Nummer 6 hinlegt. Dann nehme ich auch die 44."

"Toto ist jetzt schon seit langer, langer Zeit Mercedes durch und durch", sagte Hamilton. Er glaubt daher, dass "jemand von außen, der komplett neutral ist", am besten geeignet wäre. Grundsätzlich findet er sowieso, dass die FIA alle Entscheidungen treffen sollte, "weil die Teams letztendlich immer für sich selbst arbeiten".

Bernie Ecclestone, Toto Wolff

Toto Wolff im Gespräch mit dem ehemaligen Formel-1-Boss Ecclestone

Foto: LAT

Hamilton in Spielberg: Meinung geändert

Eine Woche später, am Rande des Grand Prix von Österreich, relativierte und korrigierte Hamilton dann seine Aussagen, "weil ich das Gefühl habe, dass nicht richtig angekommen ist, was ich eigentlich sagen wollte". Und vermutlich auch, weil es beim FIA-Präsidenten nicht wahnsinnig gut angekommen ist, dass er ihm indirekt vorgeworfen hat, nicht neutral zu sein.

Hamiltons neue Version klingt so: "Ich hatte ein paar Tage Zeit zum Nachdenken. Vielleicht ist es doch nicht zwangsläufig die richtige Entscheidung, jemanden zu holen, der nicht viel über die Formel 1 weiß." Wolff lobt er ausdrücklich: "Er war in zwei verschiedenen Teams, hat davor anderes Business gemacht. Wenn ich sehe, wie er die Firma managt, dann frage ich mich immer, wie er das schafft."

"Ich bin fasziniert davon, wie solche Leute ihr Business leiten, wie sie Mitarbeiter finden, Menschen managen, sie in die richtigen Positionen bringen. Da kenne ich keinen anderen, der das so gut kann wie er. Und ich kenne auch außerhalb der Formel 1 viele Manager, aber keiner von denen macht meiner Meinung nach seinen Job so gut wie Toto."

"Vielleicht", räumt Hamilton ein, "liegt das daran, dass ich innerhalb dieser Organisation bin und das aus erster Hand sehen kann. Ich glaube, Toto könnte einen super Job machen. Wäre er besser? Ich glaube schon. Aber das basiert rein auf meiner Erfahrung innerhalb unserer Organisation und meiner Beobachtung davon, wie viel besser wir geworden sind, seit ich hier bin."

Selbst wenn sich alle einig sein sollten, dass Wolff der Richtige für den Job wäre: Der Österreicher muss erst einmal selbst wollen, den Vorsitz über die gesamte Formel 1 zu übernehmen. Im Paddock wird zwar getuschelt, dass ihn diese Rolle schon zu Bernie Ecclestones Zeiten gereizt hätte. Aber inzwischen bekleidet er auch bei Mercedes eine mit dem Erfolg immer attraktiver werdende Position.

Die Formel 1 sei "eine wahnsinnig aufregende Property", erklärt Wolff im Interview mit 'Motorsport.com', unterstreicht die globale Präsenz der Rennserie und ergänzt: "Ich glaube, wir haben eine echte Chance, sie zum größten Sport-Spektakel der Welt zu machen, wenn wir das weiterentwickeln, wofür die Formel 1 steht."

"Dafür müssen wir unser gegenwärtiges Publikum und unsere Fans hegen und pflegen, und neues Publikum erschließen, das wir bisher noch nicht für uns gewonnen haben. Ebenso wie neue Technologien", sagt er. "Ich hoffe sehr, als Mercedes-Teamchef und -Shareholder, dass wir und alle anderen Teams vom Wachstum der Formel 1 profitieren können."

Weitere Co-Autoren: Maria Reyer. Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Autor Christian Nimmervoll