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Günther Steiner über Jaguar: "Politischer Tumult" ruinierte Formel-1-Team

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Günther Steiner über Jaguar: "Politischer Tumult" ruinierte Formel-1-Team
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05.04.2019, 10:00

Günther Steiner erinnerte sich an seine (kurze) Zeit bei Jaguar zurück und erklärt, warum das Formel-1-Projekt damals nie in die erhofften Sphären vorgestoßen ist

Als Jaguar im Jahr 2000 in die Formel 1 einstieg, tat man das mit großen Ambitionen. Die britische Traditionsmarke sollte bis ganz an die Spitze kommen, auf einer Stufe mit Ferrari stehen. Die Realität sah anders aus. Zwei magere Podestplätze sprangen in fünf Jahren in der Königsklasse heraus, ehe man das Team an Red Bull verkaufte. Der heutige Haas-Teamchef Günther Steiner war damals mit an Bord - zumindest für ein Jahr.

"Es ist eine der verrücktesten Geschichten meines Lebens", erinnert sich Steiner im Podcast 'Beyond The Grid' zurück und erzählt: "Ich arbeitete für Ford in der WRC. Ich war Technikchef des Ford Focus, den Colin McRae gefahren ist." Nachdem das Formel-1-Team die Erwartungen in den ersten eineinhalb Jahren nicht erfüllen konnte, installierte JaguarNiki Lauda Mitte der Saison 2001 als Teamchef.

Das öffnete Steiner die Tür in die Königsklasse. "Als Niki Lauda als Teamchef zu Jaguar kam, suchte er nach guten Leuten. Er fragte jemanden bei Ford, denn damals gehört Jaguar zu Ford [...]. Er fragte: 'Kennst Du Leute, mit denen ich sprechen könnte?'" So wurde Lauda auf Steiner aufmerksam. Der erinnert sich: "Eines Tages bekam ich den Anruf von Nikis Sekretärin, und sie sagte: 'Herr Lauda würde gerne mit ihnen sprechen.'"

Steiner wusste, dass der Wechsel in die Formel 1 eine "gute Möglichkeit" für ihn wäre. "Es war schwierig, [die WRC zu verlassen,] aber man möchte sich immer verbessern", erklärt er. Ein weiterer wichtiger Faktor sei Lauda selbst gewesen. "In meiner Kindheit habe ich immer zu Niki Lauda aufgeblickt. Ich sah, wie er in der Formel 1 für McLaren, Ferrari und so weiter fuhr. [...] Für mich ist Niki eine Legende", verrät Steiner.

"Großartige Zeit" trotz sportlicher Pleiten

Also habe er Lauda zurückgerufen und ein Treffen ausgemacht. "Zwei Wochen später war ich in Wien, und wir trafen uns zum Abendessen. Am nächsten Tag rief er an und sagte: 'Ich werde dich einstellen!' [...] So hat es in der Formel 1 angefangen", berichtet Steiner und verrät: "Mit Niki hatte ich professionell eines meiner besten Jahre. Ich komme einfach gut mit ihm klar. Ich spreche noch immer regelmäßig mit ihm."

Eddie Irvine

Eddie Irvine ist der erfolgreichste Fahrer der kurzen Jaguar-Geschichte

"Ich hatte eine großartige Zeit. Ich versuche immer, so viel wie möglich von anderen Leuten zu lernen. Ich denke, er ist nicht nur ein guter Rennfahrer. Seine Entschlossenheit, mit der er die Dinge angeht, beeindruckt mich am meisten. Das versteht man, wenn man mit ihm arbeitet", so Steiner. Doch während es auf der persönlichen Ebene eine gute Zeit für ihn war, lief es sportlich überhaupt nicht.

Steiner begann im Winter 2001 als Geschäftsführer bei Jaguar. Da hatte das Team die Weltmeisterschaft gerade auf dem achten Platz beendet. Highlight der Saison 2001 war der dritte Platz von Eddie Irvine in Monaco. Davon abgesehen schaffte man es mit dem R2 nur drei weitere Male in die Punkte. Die Saison 2002 verlief sogar noch schlechter. Zwar stand Irvine in Monza erneut einmal auf dem Podium.

Steiner: "Haben nicht genug Zeit bekommen"

Davon abgesehen punktete er aber nur zwei weitere Male. Teamkollege Pedro de la Rosa ging ging komplett leer aus. "Es gab eine Menge Probleme mit der Ford Motor Company. Es ging um Profit, die Kosten der Formel 1, und es gab viele Veränderungen", erinnert sich Steiner zurück. Das wohl größte Problem: Ford-Chef Jacques Nasser trat im Oktober 2001 von seinem Posten zurück.

Eddie Irvine

Zweimal stand Irvine auf dem Podium, hier lässt er sich in Monza von Steiner feiern

"Der Kerl, dessen Idee [das Formel-1-Projekt] war, war weg", erklärt Steiner und erinnert, dass auch Wolfgang Reitzle, als Vorstandsvorsitzender der Premier Automotive Group unter anderem für Jaguar verantwortlich, das Unternehmen Anfang 2002 verließ. "Ich denke, ab da lief alles schief", erklärt Steiner. Im Unternehmen habe ein "politischer Tumult" geherrscht, dem das Formel-1-Team machtlos ausgeliefert gewesen sei.

"Es hieß dann: 'Wie können wir es am günstigsten machen?'", erinnert er sich an die Zeit nach dem Abschied von Nasser zurück. "Das hat damals nicht funktioniert. [...] Niki hat nicht genug Zeit bekommen, und ich auch nicht. Ich habe im Dezember [2001] angefangen, und ich ging im Dezember [2002]. Das Auto im Jahr danach war bereits viel besser. Aber in der Formel 1 kann man keine Magie erwarten", erklärt er.

Lieber ein Ende mit Schrecken ...

2003 und 2004 stagnierten die Ergebnisse, ein weiterer Podestplatz sprang nicht mehr heraus. Überraschend kam das nicht, denn laut Steiner stand Ford zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr hinter dem Formel-1-Programm. "Sie wollten es nicht mehr. Jacques Nasser war weg, Professor Reitzle war weg, und das war's", erklärt er. Ende 2004 verkaufte man das Team schließlich an Red Bull.

Niki Lauda

Nach kurzer Zeit waren Lauda und Steiner auch schon wieder weg ...

Eddie Irvine, der erfolgreichste Pilot der kurzen Jaguar-Geschichte, fasste seine Zeit dort im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' einst so zusammen: "Jaguar hat mich im Motorsport an kopflose Hühner, die wirr durch die Gegend laufen, erinnert. [...] Es gab niemanden, der die Kontrolle an sich riss und das Team nach vorne brachte. [...] Die Ford-Leute mischten sich ständig ein. [...] Das war wirklich ein Sauhaufen!"

"Zehn Chefs, aber nicht einer wusste wirklich, was zu tun war, weil keiner von ihnen je auf diesem Level gearbeitet hatte", so Irvine. Für Steiner hat er hingegen eine Menge Lob übrig. "Ich war der Meinung, dass Günther fantastisch sein würde, aber dann hat ihn Ford rausgeschmissen. Das war bizarr! Aber es ist toll, dass er eine zweite Chance in der Formel 1 bekommt", so Irvine.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

 
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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Autor Ruben Zimmermann