Mercedes-Teamtaktik: Wird Lewis Hamilton jetzt zu Valtteri Bottas' Helfer?

Lewis Hamilton ist der WM-Titel fast nicht mehr zu nehmen. Wird er Teamkollege Valtteri Bottas im Kampf um Platz zwei helfen, sobald er als Champion feststeht?

Über viele Monate stellte man sich die Frage, ob Bottas bei Mercedes im Laufe der Saison irgendwann zum Edelhelfer von Hamilton degradiert werden wird. Vier Rennen vor Saisonende hat es nun aber den Anschein, dass der Brite die Hilfe seines Teamkollegen gar nicht mehr nötig hat. Der dreimalige Weltmeister führt die Weltmeisterschaft mit 59 Punkten Vorsprung vor Sebastian Vettel an und kann sich bereits an diesem Wochenende in Austin vorzeitig zum vierten Mal die WM-Krone aufsetzen.

Kurios: In den letzten Rennen des Jahres könnte Hamilton damit zum Helfer von Bottas werden. Denn der Finne liegt in der WM nur noch 13 Zähler hinter Vettel. Und bei Mercedes würde man die Saison sicher lieber auf den Plätzen eins und zwei als eins und drei abschließen. Toto Wolff bestätigt, dass eine solche Rollenverteilung in den letzten Rennen möglich ist, sobald Hamilton den Titel einmal im Sack hat - und das ganz freiwillig.

"Wir sehen an den Diskussionen zwischen Lewis und Valtteri, dass sie versuchen, sich gegenseitig zu helfen", verrät er gegenüber 'Sky Sports F1' und erklärt: "Natürlich sind sie immer noch Gegner - an einem guten Tag kann Valtteri schneller sein als Lewis." Und außerdem hat der Finne aktuell ja auch selbst noch Chancen auf den Titel - zumindest rechnerisch. 72 Punkte liegt er hinter Hamilton.

Bei noch 100 zu vergebenen Zählern ist es aber mehr als unwahrscheinlich, dass Bottas wirklich noch einmal aktiv in den Titelkampf eingreifen kann. Laut Wolff sei es daher ein "denkbares Szenario", dass Hamilton Bottas in den letzten Rennen des Jahres unter die Arme greifen wird. Zur Erinnerung: In Ungarn hat der dreimalige Weltmeister in diesem Jahr bereits gezeigt, dass er kein Problem damit hat, für Bottas Platz zu machen.

Damals ließ er den Finnen in der letzten Kurve wieder vorbei, nachdem dieser ihm zuvor den dritten Platz überlassen hatte. Aber würde er das auch machen, wenn ein Sieg auf dem Spiel stünde? Schließlich knackt Hamilton aktuell eine Bestmarke nach der anderen. Den Rekord für die meisten Pole-Positions hat er sich in diesem Jahr beispielsweise schon geschnappt - und in Austin nochmals ausgebaut.

"Die einzigen Rekorde, die er noch brechen muss, sind Siege und Weltmeisterschaften", weiß auch Toto Wolff. 61 Siege hat Hamilton aktuell auf dem Konto. Den Rekord von Michael Schumacher (91) wird er frühestens 2019 knacken können. Doch Wolff erinnert daran, dass Hamilton in seiner Karriere noch "ungefähr fünf Jahre" vor sich habe. Für ihn steht daher fest: "Alles ist möglich."

"Er ist auf dem Weg dazu, zu den Besten (aller Zeiten; Anm. d. Red.) zu zählen", adelt der Österreicher seinen Star-Piloten. Immerhin habe er bereits drei WM-Titel gewonnen - genau wie Niki Lauda. Und sein Landsmann zähle schließlich auch zu den Größten des Sports. Ob er seinem Teamkollegen im Zweifelsfall einen Sieg schenken würde, wie es andere große Fahrer in der Vergangenheit schon getan haben, bleibt aber zunächst noch abzuwarten.

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Rennserien Formel 1
Fahrer Lewis Hamilton , Valtteri Bottas
Teams Mercedes
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Tags saisonfinale, stallregie, teamorder, teamtaktik