Hamilton & Co. gegen DRS: Wie ein Pflaster auf offener Wunde ...

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Hamilton & Co. gegen DRS: Wie ein Pflaster auf offener Wunde ...
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Co-Autor: Adam Cooper, Jonathan Noble, Oleg Karpow
28.03.2019, 21:06

Lewis Hamilton spricht sich gemeinsam mit ein paar seiner Kollegen gegen die dritte DRS-Zone in Bahrain aus - Die Piloten hoffen auf weniger künstliche Manöver

Die FIA hat vor dem Grand Prix von Bahrain bestätigt, dass in diesem Jahr eine dritte DRS-Zone zum Einsatz kommen wird. Auf der langen Geraden zwischen den Kurven 3 und 4 dürfen die Piloten ihren Heckflügel ebenso flach stellen, was allerdings nicht bei allen Fahrern Jubel auslöst. Denn die Überholhilfe empfinden viele als zu künstlich. Lewis Hamilton spricht gar davon, dass die wahren Probleme der Formel 1 damit kaschiert werden.

"Offensichtlich ist das DRS ein Pflaster auf den offenen Wunden und der schlechten Qualität des Racing, das wir mit diesen Autos bekommen haben. Aber so ist das eben. Man kann die fundamentale Struktur und den Luftsog, den diese Autos produzieren, nicht ändern. Also müssen sie einen Weg finden, um das Racing einfacher zu machen", kommentiert Hamilton die DRS-Thematik.

Der Brite hat sich bereits mehrfach kritisch über das Drag-Reduction-System geäußert und eine sehr ähnliche Formulierung bereits nach dem Brasilien-Grand-Prix 2017 verwendet. Grundsätzlich widerstrebt es seinem Verständnis von Rennfahren, unter DRS zu überholen. Andererseits sieht er in der dritten Zone in Bahrain nun ein weiteres taktisches Element, was das Racing sogar aufregender machen könnte.

Verstappen: "Werden sicher mehr Überholmanöver sehen"

"Hier gibt es immer eine so große Delta-Zeit, die du zum Vorderauto haben musst, um eine Chance beim Überholen zu haben. Wenn man die DRS-Zonen erhöht, reduziert man das auf einer Runde. Das ist positiv", kommentiert Hamilton. Grundsätzlich müsse sich aber die Philosophie der Autos ändern, was teilweise mit den Aero-Änderungen für 2019 bereits geschehen ist. Allerdings konnten nur wenige Piloten in Australien eine positive Auswirkung der neuen Flügel erkennen.

Auch Racing-Point-Pilot Sergio Perez verneint. Merkt jedoch an: "Melbourne ist eine Strecke, auf der es unmöglich ist zu überholen. Außer mir", fügt er zwinkernd hinzu. Vor allem die Reifen spielen beim Überholen eine große Rolle. Man benötige einen deutlichen Reifenvorteil, um an den anderen Mittelfeldautos vorbeigehen zu können, da alles so eng beisammen liegt.

Die verwirbelte Luft sieht er weiterhin als großes Problem an, doch der DRS-Effekt ist durch den breiteren Heckflügel nun größer geworden. "Daher sollten wir hier sehr viele Überholmanöver nur mit DRS sehen", prophezeit der Mexikaner für den Bahrain-Grand-Prix. Red-Bull-Pilot Max Verstappen stimmt Perez zu. Es sei nach wie vor schwierig, jemandem zu folgen.

"Die Hauptsache für mich war, dass ich im ersten Stint das Gefühl hatte, schneller als Sebastian [Vettel] zu sein - aber ich konnte nicht ranfahren, weil die Reifen sofort überhitzt haben", wirft er ein. Daher begrüßt er auch die DRS-Änderung, da die Überholhilfe in diesem Jahr größeren Einfluss hat. "Wir werden sicher mehr Überholmanöver sehen", ist auch der Niederländer überzeugt und meint: "Selbst wenn einer mit DRS überholt, kann der Überholte vielleicht kontern, weil der Heckflügel ein größeres Luftloch reißt."

In Bahrain könnte der Fall eintreten, dass ein Pilot seinen Gegner zwar auf der Start-Ziel-Geraden mit DRS nicht erwischen konnte, danach aber nach Kurve 3 erneut einen Angriff mit DRS startet. Generell sei es mittlerweile fast zu einfach geworden, unter DRS zu überholen - ein großer Kritikpunkt von vielen Piloten.

"Man kann die Zonen kürzer machen", schlägt Verstappen vor. "Über die Jahre haben wir sie immer länger gemacht. Vielleicht müssen wir sie jetzt eher verkürzen." Generell sei er kein Freund der Überholhilfe. "Am besten wäre, wenn wir das DRS nicht mehr brauchen. Ich bin ein Fan davon, ohne DRS zu fahren. Aber im Moment brauchen wir es, weil du auf manchen Strecken sonst nicht vorbeikommst."

Magnussen: Harte Reifen sollen helfen

Haas-Fahrer Romain Grosjean schließt sich dieser Meinung an. Auch er sei kein Freund des DRS. Seine Begründung: "Überholmanöver mit DRS sind einfach nicht die besten. Im Vorjahr war das Überholen von den Regeln her schwierig, und da haben wir ein paar richtig gute Manöver gesehen." Daher glaubt er auch nicht, dass eine dritte Zone unbedingt notwendig wäre.

Grosjean entpuppt sich als Purist und spricht sich für "wahre" Kämpfe aus. "Im Vorjahr war das Racing doch gut, auch ohne dritte DRS-Zone", versteht er die Einführung nicht. Auf Strecken wie Australien sei das noch eher nachvollziehbar, auf denen es überhaupt sehr schwierig ist, zu überholen. "Vielleicht habe ich am Sonntagabend eine andere Meinung", lässt er sich überraschen.

Sein Teamkollege Kevin Magnussen widerspricht seinen Kollegen etwas und glaubt, dass die Reifen das größere Thema seien. Denn er hat schon in Australien gemerkt, dass das Folgen des Vordermanns in diesem Jahr besser funktioniert. "Die Reifen sollten auch weniger anfällig sein. Auch das wird helfen." Er erwartet ähnlich wie Perez ebenso viele Überholmanöver, da schon im Vorjahr ohne dritte DRS-Zone viel überholt wurde.

Da in der Wüste noch dazu die drei härtesten Pirelli-Mischungen (C1, C2 und C3) verwendet werden, hat er keine Bedenken. "Wenn wir mit weichen Reifen fahren, ist es wirklich schwierig, nahe an einen Gegner ranzufahren. Weil sie komplett auseinanderfallen", bestätigt er Verstappens Eindruck. Auf den härteren Pneus hat er diese Sorgen nicht.

Mit Bildmaterial von LAT.

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Autor Maria Reyer
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