Hinter den Kulissen: Wie Studenten zum F1-Erfolg von Mercedes beitragen

Was passiert im Race Support Room von Mercedes während eines Formel-1-Wochenendes? Das Team gibt Einblicke in die Prozesse zu Hause in Brackley

Hinter den Kulissen: Wie Studenten zum F1-Erfolg von Mercedes beitragen

Wann immer Lewis Hamilton oder Valtteri Bottas in der Formel 1 einen Erfolg feiern, werden beide Fahrer nicht müde, die kollektive Teamleistung aller Mercedes-Mitarbeiter zu würdigen. Ihre Lobeshymnen sind zwar immer wieder zu hören, das macht sie aber nicht weniger bedeutungsvoll oder von Herzen kommend.

Auch wenn die Zahl der Mitarbeiter, die an den Rennwochenenden vor Ort sind, begrenzt ist, spielen die Mitarbeiter in der Basis in Brackley eine ebenso elementare Rolle. So wird ein großer Teil der wichtigen Arbeit außerhalb der Rennstrecke im sogenannten Race Support Room (RSR) von Mercedes erledigt.

Von hier aus werden die Daten ausgewertet und die Analysen vervollständigt, um Strategieentscheidungen zu treffen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

Die Kollegen von 'Motorsport.com' hatten die seltene Gelegenheit, beim Grand Prix der USA vor einigen Wochen hinter die Kulissen des Mercedes-Werks zu blicken und die Männer und Frauen im RSR beim Abschlusstraining und Qualifying am Samstag zu begleiten.

Einen der größten und vielleicht überraschendsten Anteile im RSR machen Universitätsstudenten aus, die im Rahmen ihrer Praktika beim Formel-1-Team von Mercedes freiwillig an Rennwochenenden arbeiten. Sie befinden sich entweder im zweiten und dritten oder im dritten und vierten Studienjahr und kommen aus verschiedenen Fachbereichen wie Informatik, Physik, Aerodynamik und Mathematik.

Die Studenten haben die Möglichkeit, Live-Erfahrungen als Teil des Rennteams zu sammeln, indem sie zum Beispiel öffentlich zugängliche Funksprüche von anderen Teams transkribieren oder Videos aus dem World Feed analysieren und interessante Informationen oder Dinge, die ihnen aufgefallen sind, als Screenshot festhalten.

Mehr Manpower: "Man muss die Ohren überall haben"

Für Mercedes ist damit sichergestellt, dass alle Bereiche abgedeckt sind und die zusätzlichen Ressourcen genutzt werden, um alles zu hören und alles zu sehen.

"Wenn man buchstäblich 20 Autos zuhört, die sich unterhalten, muss man seine Ohren überall haben, um sämtliche Fernsehübertragungen zu verfolgen und nichts zu verpassen", weiß Dom Riefstahl, Leiter des Rennsupport-Teams und Testingenieur bei Mercedes.

"Es geht einfach darum, diese Manpower zu haben. Sie können den Meetings, Nachbesprechungen und allen Diskussionen rund um das Auto zuhören. Sie opfern dafür im Grunde nur ihre Freizeit. Freitags müssen sie das OK ihres Chefs haben, um zu kommen und zu helfen. An Samstagen und Sonntagen opfern sie ihre Freizeit."

Die offene Art, mit der Mercedes an die Sache herangeht, bedeutet auch, dass die Praktikanten selbst Punkte ansprechen oder Vorschläge machen können. "Wenn sie eine Meinung zu etwas haben, können sie diese auch gerne äußern", betont Riefstahl.

"Es ist sehr, sehr selten vorgekommen", verrät er, "aber gelegentlich hatten wir eine Frage oder eine bestimmte Zeile oder jemand hat gesagt: 'Hat das jemand gesehen?' und dann kann es sein, dass jemand sagt: 'Ja, ich habe das Video und ich schicke es herum.'"

Diese Arbeitsweise trägt auch dazu bei, die nächste Generation von Formel-1-Strategen und -Ingenieuren zu fördern. Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat nicht von ungefähr schon des Öfteren festgestellt, dass sich das Werk in Brackley mittlerweile mehr und mehr wie ein Universitätscampus anfühlt.

Win-Win-Situation: Mercedes und Studenten profitieren

Am Morgen vor dem Rennen hält Riefstahl mit den Studenten eine "Racing 101"-Session ab, bei der es keine dummen Fragen gibt und sie alle Fragen stellen können, die sie haben. "Dadurch wird ihre Leidenschaft für den Rennsport gefördert. Es ist sehr informell. Sie können all die Dinge fragen, die sie wirklich wissen wollen, und man kann wirklich sehen, dass das die Säfte zum Fließen bringt."

Der Leiter des Rennsupport-Teams weiß: "Die Arbeit im RSR ist hart, das kann ich nicht leugnen. Sie sind während der Session wirklich sehr beschäftigt. Aber ich denke, dass die Möglichkeit, bei allen Meetings dabei zu sein, wirklich der Dank für die Arbeit ist, die sie investiert haben, und sie fühlen sich wirklich beteiligt."

Ihre Beteiligung führt auch zu einem echten Gefühl der gemeinsamen Leistung an erfolgreichen Wochenenden für Mercedes, insbesondere wenn die Analyse einer großen Menge an Informationen zu entscheidenden Strategieentscheidungen beitragen kann.

"Wenn es ein Wochenende ist, an dem die Strategie entscheidend war, und wir wissen, dass die Strategie von dem dominiert wurde, was wir auch von den Plänen anderer Teams gehört haben, und wir haben darauf reagiert und richtig reagiert, dann weiß man, ja, was ich getan habe, war wirklich wichtig", sagt Riefstahl.

"Bei einem Rennen wie Sotschi, wo der Regen zu einem bestimmten Zeitpunkt einsetzt, ist es sehr wichtig, alle Informationen darüber zu bekommen, was die Leute in Bezug auf die Reifen denken. Das ist der Punkt, an dem sie erkennen: 'Ja, das macht einen Unterschied und ich habe einen Einfluss auf das Rennwochenende.'"

"Ich kann mir vorstellen, dass es für jemanden, der nur ein Praktikum in einem Unternehmen absolviert, ziemlich ungewöhnlich ist, zu sagen, 'ich habe tatsächlich eine Rolle beim Gewinn dieses Rennens gespielt'", betont Riefstahl abschließend.

Mit Bildmaterial von Mercedes.

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