Honda, McLaren und die Formel 1: 2016 wird alles besser

Die Rückkehr in die Formel 1 verlief für Honda mehr als enttäuschend. Aber was ist schief gelaufen und welche Wege wollen die Japaner gehen, damit es 2016 besser wird?

Nach dem desaströsen Jahr 2015 sorgt Honda auch in der Winterpause für Gesprächsstoff. Einmal hießt es, der erhoffte Schritt nach vorne sei mehr oder weniger ausgeblieben, dann wieder hat man angeblich 223 PS gefunden, dann gibt es auch weiterhin Zuverlässigkeitsprobleme.

Was dran ist an all den Spekulationen, weiß momentan keiner, das wird sich erst in Barcelona zeigen, wenn der neue McLaren-Honda auf der Strecke zeigen muss, was er kann.

Sicher ist nur, dass Honda aus der Saison 2015 gelernt hat und Änderungen an der Antriebseinheit assen ldie Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft blicken.

Die bisherige Entwicklung des Aggregats kann man in drei Phasen aufteilen: Fehler suchen, Fehler verstehen und Fehler beheben.

Honda-Chef Yasuhisa Arai gesteht, dass von den ersten Testfahrten in Abu Dhabi im vergangenen Jahr bis zum Grand Prix von Spanien ständig neue Probleme auftauchten.

„Es war ein neues Design und das Hybrid-System ist so kompliziert, dass wir zu Beginn einfach nicht genügend Erfahrung hatten“, sagte der Japaner gegenüber Motorsport.com.

Ständig hätte es neue Schwierigkeiten mit den Sensoren gegeben, wodurch Honda auch nie wirklich herausfinden konnte, wo man leistungsmäßig im Vergleich zur Konkurrenz stand.

„Ich dachte, dass wir Fortschritte machen würden, wenn wir die Elektrikprobleme gelöst hätten. Aber es gab so viele Probleme mit der Hardware – besonders mit MGU-K, MGU-H und ERS. Es schien eine echte Katastrophe zu sein, als ständig neue Probleme auftauchten. In Australien waren wir einfach nicht gut genug vorbereitet.“

Bis zum Grand Prix von Spanien waren die meisten Sensorprobleme gelöst und der interne Verbrennungsmotor machte langsame Fortschritte. Allerdings nur sehr langsam.

„Wir haben nicht komplett [auf Mercedes und Ferrari] aufgeholt, aber wir konnten sehen, wo wir waren und wir waren in Reichweite“, sagte Arai.

Durch die Fehlersuche und Fehlerbehebung bei den Sensoren blieben andere Gebiete aber auf der Strecke, die plötzlich ebenfalls zum Problem wurden und Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit hatten.

„Auf einigen Gebieten gab es Qualitätsprobleme und dem ICE mangelte es an Leistung“ Gab Arai zu. „Zu Saisonbeginn war die Leistung nicht so hoch, also gab es keine Zuverlässigkeitsprobleme. Als die Leistung aber erhöht wurde, gingen Teile kaputt, weil sie etwas zu schwach waren. Wir waren ständig am Aufholen.“

Kompressor zu klein

Die große Frage blieb aber, wieso der Honda-Motor so schwach war. Bis man dem auf den Grund gehen konnte, dauert es aber bis nach der Sommerpause.

Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Spa und Monza habe man erkannt, wieso die beiden McLaren auf der Geraden im Vergleich mit der Konkurrenz so langsam waren. Das Problem lag beim ERS und ICE.

„Das war zwar gut, aber gleichzeitig auch schlecht, denn wir konnten es nicht ändern, da wir aufgrund des Reglements an der Hardware keine Veränderungen vornehmen durften.“

Das MGU-H – das Energierückgewinnungssystem am Turbomotor, das die Abgase in elektrische Energie umwandelt – stellte sich als die größte Schwäche des Honda-Motors heraus. Und der Grund, dass Honda weniger Energie sammelte als die Gegner von Mercedes und Ferrari war, dass der Kompressor einfach zu klein war.

„Wir wollten ihn innerhalb des V-Winkels einbauen, aber er war etwas zu klein“, so Arai. „Also müssen wir den Kompressor und dir Turbine für 2016 ändern. Sie werden beide etwas größer sein – aber immer noch innerhalb des V-Winkels – beinahe das gleiche Paket.“

Motor „Größe Null“ soll bleiben.

„Wir haben ein winziges Paket, an das wir glauben und wir wollen es behalten. Es ist unsere Philosophie – wir wollen noch unter Größe Null gehen!“

Am Anfang der Entwicklung 2013/2014 habe man die konservative Lösung eines größeren Motors diskutiert, sich aber dagegen entschieden, erklärte Arai.

„Bei einer konservativen Lösung gäbe es kaum Raum für Verbesserungen, keinen großen Entwicklungsschritt, auch keine Gewinne für das Chassis. Also haben wir uns beide, McLaren und Honda, für die Herausforderung entschieden.“

Arai sieht die Größe des Motors aber nicht als das wahre Problem für Honda. Man sei so lange aus der Formel 1 weg gewesen, dass die Mitarbeiter nicht mitbekommen hätten, wie schnell sich der Sport seit 2008 weiterentwickelt habe.

„Wir haben nur von außen zugeschaut und wussten nicht, wie viel sich verändert hatte. Es war ein sehr steiler Weg für uns, jetzt wissen wir aber, wie es geht, wann wir was tun müssen und wie.“

Bevor nicht alle Autos auf der Strecke waren, weiß man bei Honda natürlich nicht, inwieweit man wirklich auf die Konkurrenz aufgeholt hat. Das wird sich nach dem 22. Februar herausstellen.

Das Gespräch führte Jonathan Noble

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