Horner nach Red-Bull-Doppelschlag: Ricciardo hat besseren Job gemacht

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Horner nach Red-Bull-Doppelschlag: Ricciardo hat besseren Job gemacht
Autor: Heiko Stritzke
27.10.2018, 22:00

Während Christian Horner Daniel Ricciardo die Pole-Position von Herzen gönnt, schiebt Max Verstappen das verlorene Duell auf Probleme beim Runterschalten

Die Favoriten haben sich im Qualifying zum Großen Preis von Mexiko 2018 durchgesetzt, aber nicht in der erwarteten Reihenfolge: Daniel Ricciardo hat Max Verstappen die Pole-Position im Autodromo Hermanos Rodriguez entrissen und wird das vierte Formel-1-Rennen in Mexiko-Stadt nach dem Comeback von der Pole aus in Angriff nehmen. Er durchkreuzte Max Verstappen den Rekord, jüngster Polesetter aller Zeiten zu werden. Der sieht den Grund in der Technik.

Ricciardo musste sich erst einmal die Erleichterung aus der Seele brüllen. "HAHAAA! WHOOOOOOO! YAAAAAAAAAAAAHHHHHHH!" Mehr brachte der Australier, der zuletzt eine bittere Pechsträhne durchmachen musste, am Boxenfunk nicht zustande. Auch als er aus dem Auto stieg, war die Entspannung noch nicht verflogen: "Oh man, ich muss ein bisschen entspannen. Ich zittere gerade am ganzen Körper."

 

Die Frohnatur aus Australien hat genau das gebraucht. Seit seinem Sieg in Monaco hatte er nicht mehr auf dem Podium gestanden, während Teamkollege Verstappen siebenmal Champagner verspritzen durfte. Seit dem Großen Preis von Österreich ist er bei der Hälfte aller Rennen ausgefallen.

Und an dieser Pole gibt es nichts zu rütteln. Teamchef Christian Horner feiert mit seinem scheidenden Piloten: "Das war eine mordsmäßige letzte Runde! Er hat den zweiten und den dritten Sektor einfach auf den Punkt getroffen! Ich freue mich sehr für ihn und bin sehr zufrieden, dass wir beide Autos in der ersten Startreihe haben."

Verstappen genervt: Verwunderlich, Q3 erreicht zu haben

Tröstende Worte für Max Verstappen? Erstaunlicherweise Fehlanzeige: "Er hatte dasselbe Auto und dieselben Möglichkeiten. Daniel hat in Q3 den besseren Job gemacht. Er verdient die Pole. Das ist sein Verdienst." Ricciardo und Verstappen sorgten zum ersten Mal seit Austin 2013 (Sebastian Vettel vor Mark Webber) für eine sogenannte "Doppelpole" für Red Bull Racing. Und das auch ganz ohne den neuen Unterboden, den Red Bull schon nach dem ersten Freien Training wieder abgebaut hatte.

Für Verstappen ist es bitter, weil das Mexiko-Qualifying die beste Chance war, Sebastian Vettel den Titel als jüngster Polesetter aller Zeiten noch abzuluchsen. Theoretisch hat er auch in Brasilien und Abu Dhabi noch die Chance dazu, doch dann werden die Vorzeichen deutlich schwieriger sein. Der Niederländer tat sich sichtlich schwer damit, die überraschende Niederlage zu akzeptieren. "Das ganze Qualifying war Scheiße", sagte er unmittelbar nach dem aussteigen in die Mikrofone. Bislang hat die FIA keine Bedenken wegen seiner Ausdrucksweise angedroht (er benutzte das weniger starke englische Wort "crap" und nicht "shit").  

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Der Niederländer hat auch schnell einen Grund gefunden: "Es waren dieselben Probleme, die wir schon im zweiten Freien Training hatten. Ich hatte blockierende Hinterräder beim Runterschalten und wenn ich vom Gas gegangen bin. Irgendwas hat da mit der Motorbremse nicht gestimmt. Alles, was ich tun konnte, war, die Bremsbalance nach vorne zu stellen, um das Auto zu stabilisieren. Aber so will man nicht ins Qualifying gehen; da will man aggressive Einstellungen verwenden. Ich wundere mich, dass ich überhaupt ins Q3 gekommen bin."

Daniel Ricciardo, Red Bull Racing and Max Verstappen, Red Bull Racing celebrate in parc ferme

Daniel Ricciardo, Red Bull Racing and Max Verstappen, Red Bull Racing celebrate in parc ferme

Foto: Jerry Andre / Sutton Images

Das mag angesichts der Tatsache, dass er nach dem ersten Schlagabtausch in Q3 noch auf Pole-Kurs gelegen hatte, etwas polemisch anmuten, aber es unterstreicht: Verstappen ist angefressen. Horner kann das verstehen: "Realistisch betrachtet war das seine einzige Chance, diesen Rekord zu holen."

Ricciardo und der magische zweite Sektor

Ricciardo hingegen vermeldet keine Probleme: "Nein, jedenfalls nicht das, was er gespürt hat. Gestern im Briefing hatte er das angesprochen, aber ich weiß nicht wie stark es ihn wirklich beeinträchtigt hat." Er selbst habe nie damit Probleme gehabt.

Der 29-Jährige überraschte mit seiner Pole so einige, nicht jedoch sich selbst: "Ich würde es keine Überraschung nennen. Ich wusste, dass die Pace da war. Es ging nur darum, es richtig hinzubekommen." Er hatte eigentlich nicht mehr mit der Pole gerechnet, denn sein erster Sektor war nicht sauber genug, wie er sagt. Welche Kurve er genau meint, gibt er nicht preis. Die Aufzeichnung seiner Polerunde zeigt, dass er zwischen Kurve 2 und 3 einen leichten Quersteher hatte und nicht optimal auf die anschließende Gerade rausbeschleunigen konte. Jedenfalls hatte er am Ende des ersten Sektors 0,202 Sekunden Rückstand auf Verstappen.

Danach lief es umso besser: "Ich habe das Gefühl, dass ich in den schnellen Kurven, also Kurve 7 bis 11, es wirklich genau auf den Punkt gebracht habe. Da ist nicht mehr gegangen." Sauberer, wenn auch weniger befriedigend, waren die langsamen Kurven im dritten Sektor: "Gerade in dieser Spitzkehre, also Kurve 13, hat man immer das Gefühl, dass man zu langsam ist, wenn man sauber hineinfährt. Aber wenn man sie aggressiver nimmt und weiter hineinrutscht, verliert man Zeit am Kurvenausgang. Mir war klar, dass die Runde sauberer war als diejenige zuvor, aber ich war mir nicht sicher, ob es gut genug war."

 

Nun gilt es für Red Bull, die gute Ausgangslage am Sonntag umzusetzen. "Wir sind in einer guten Position", reibt sich Verstappen die Hände, der da scheinbar die Probleme schon wieder vergessen hat. Ricciardo ist, wie schon nach der dominanten Vorstellung der Bullen am Freitag, etwas vorsichtiger: "Es ist zu früh, um zu sagen, dass es nur zwischen uns beiden entschieden wird. Der Weg bis Kurve 1 ist lang und dann ist der Reifenverschleiß an diesem Wochenende sehr stark. Ein schnelleres Auto kann hier überholen. Ich würde sagen, dass wir in einer guten Position sind, aber wir sollten die Füße stillhalten und tun, was wir immer tun."

Was natürlich nicht bedeuten soll, dass man Baku dupliziert. "Niemand will so etwas, also werden wir ihm [Christian Horner] morgen keine Herzattacken bescheren. Höchstens vor Freude", versichert der Polesetter. Verstappen entgegnet: "Ich denke nicht einmal mehr an Baku." 

 

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