Johnny Herbert: Kann Pierre Gasly 2022 Sergio Perez bei Red Bull ablösen?

Warum Formel-1-Experte Johnny Herbert dem aktuellen AlphaTauri-Fahrer Pierre Gasly ein Comeback bei Red Bull zutraut und was Herbert von Sergio Perez hält

Johnny Herbert: Kann Pierre Gasly 2022 Sergio Perez bei Red Bull ablösen?

Bekommt Pierre Gasly eine zweite Chance bei Red Bull? Diese Frage stellt sich Teamchef Christian Horner und Sportchef Helmut Marko derzeit eher nicht. Denn mit Sergio Perez hat Red Bull erst vor wenigen Wochen einen neuen Fahrer unter Vertrag genommen, der sich 2021 an der Seite von Max Verstappen beweisen kann. Was aber, wenn Perez die Erwartungen nicht erfüllt?

In diesem Fall, so meint der frühere Formel-1-Siegfahrer Johnny Herbert, könnte sich Gasly berechtigte Hoffnungen auf eine Zurückberufung zu Red Bull machen. Er glaubt nämlich: Gasly hat sich seit seiner "Strafversetzung" zu Toro Rosso/AlphaTauri gut entwickelt, die Rückkehr in das B-Team gut verkraftet und sein Schicksal in die eigene Hand genommen.

Und wenn Gasly besagte zweite Chance kriegen will, dann müsse er 2021 ein Zeichen setzen, und zwar: "Er muss [Yuki] Tsunoda jedes Mal schlagen", meint Herbert. "Wenn du das immer schaffst, dann fällt das bei Red Bull allen auf. Das ist seine Aufgabe."

Wer den Red-Bull-Druck aushält, der kann bleiben

Das setzt aber gleichermaßen voraus, dass Perez an der Seite von Verstappen klar abfällt und nicht die erforderliche Unterstützung darstellt, die sich Red Bull von ihm verspricht. Laut Herbert ist diese Ausgangslage nicht viel anders als damals bei Gasly: "Es geht einfach darum, wie man mit dem Druck umgeht."

"Ich glaube, wir wissen, wir Helmut Marko manchmal sein kann, auch wenn er vergangenes Jahr mit Alex [Albon] wirklich Geduld bewiesen hat. Marko kann aber auch anders, so in die Richtung: 'Du machst deinen Job nicht, du bist raus.' Er hat allerdings nicht mehr so viele Alternativen wie früher."

Vor Jahren, als Marko gleich mehrere Red-Bull-Junioren in der Warteschleife zur Formel 1 hatte, gab es praktisch immer einen potenziellen Nachfolger aus den eigenen Reihen. "Deshalb konnte er die Fahrer einfach rotieren lassen", sagt Herbert.

So kamen zum Beispiel Sebastian Vettel während der Saison zu seinem Formel-1-Debüt bei Toro Rosso oder Verstappen zum ersten Grand Prix bei Red Bull, den er prompt gewann. (ANZEIGE: Hol dir die komplette Formel 1 und den besten Live-Sport mit Sky Q oder streame flexibel mit Sky Ticket. Ganz ohne Receiver.)

Auch Perez bekommt jetzt seine zweite Chance

Nun sitzt mit Perez aber ein Fahrer im zweiten Red Bull, der von außen zum Team gestoßen ist - nachdem er schon einmal bei einem Topteam aussortiert wurde. "Genau das hat Sergio bei McLaren erlebt", sagt Herbert.

Perez kam damals als Nachfolger von Lewis Hamilton ins Team, unterlag dort nach Punkten klar gegen Teamkollege Jenson Button und verpasste, wie Button, den Sprung unter die Top 3 im Rennen. Das war offenbar zu wenig, um die eigentlich auf mehrere Jahre angesetzte Zusammenarbeit weiter zu verfolgen.

Sergio Perez

Sergio Perez bestreitet die Saison 2021 an der Seite von Max Verstappen für Red Bull

Foto: Motorsport Images

"Bei Racing Point ist er dann gereift und hat zurückgefunden zu der Entspanntheit, die er immer hatte", sagt Herbert. "Jetzt bekommt er seine zweite Chance."

"Wir müssen abwarten, ob er Max herausfordern kann, und zwar konstant über die Saison hinweg. Das dürfte interessant werden zu beobachten. Und wenn das nicht klappt, kommt man dann auf Pierre zurück? Er gehört zum [Red-Bull-] Kader. Vielleicht kriegt dann er seine zweite Chance."

Woran Gasly bei Red Bull gescheitert ist

Das erste Mal sei Gasly bei Red Bull an der hohen Erwartungshaltung gescheitert. "Die Situation hat ihn vielleicht ein bisschen überfordert", meint Herbert. "Er war leider nicht dazu in der Lage, mit dem Druck umzugehen. Man vergisst ja gerne, dass es in größeren Teams ganz anders zugeht. Die Erwartungen sind viel größer. Für ihn hat das nicht funktioniert."

Bei einem möglichen zweiten Anlauf wäre Gasly wesentlich besser gerüstet, sagt Herbert: "Pierre ist ein guter Racer, er fährt mit Köpfchen. Das ist sehr wichtig, wenn du für ein Topteam fährst. Du musst nämlich mit der großen Erwartungshaltung klarkommen. Ich denke, dazu ist er jetzt in der Lage."

"Unterm Strich aber", so sagt der Formel-1-Experte, "liegt es nun an Sergio. Ich glaube, er kann gute Arbeit leisten, weil sein Selbstvertrauen über die Jahre gewachsen ist. Und er ist jetzt ebenfalls ein Rennsieger. Das kann dich auf das nächste Level heben."

Im ersten echten Schlagabtausch der Formel-1-Saison 2021 aber verpasste Perez den Einzug in das Top-10-Finale des Qualifyings und schied bereits in Q2 aus, während Teamkollege Verstappen die Pole-Position eroberte. Und Gasly belegte für AlphaTauri die fünfte Position in der Startaufstellung.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Rennserie Formel 1
Autor Stefan Ehlen