Formel 1 2017

Kann F1-Teenager Lance Stroll die Kritiker 2017 verstummen lassen?

Im Oktober wurde er 18 Jahre alt, im März gibt er sein Formel-1-Debüt: Williams-Neuzugang Lance Stroll steht angesichts seiner bisherigen Laufbahn wie kaum ein anderer Rookie vor ihm im Kreuzfeuer der Kritiker.

Warum setzt man ihn so rasch in ein Renncockpit bei Williams? Und wie gut ist der 18-jährige Kanadier überhaupt? Derartige Fragen sind die unvermeidbare Folge davon, wie zügig Lance Stroll von seinem Vater, dem Milliardär Lawrence Stroll, in Richtung Formel 1 getrieben wurde. Die Tatsache, dass der ältere Stroll auf diesem Weg eine "Nichts ist zu teuer"-Philosophie an den Tag legte, kam nicht bei allen gut an.

Grundsätzlich kommen viele Rennfahrer aus komfortablen Verhältnissen. Schließlich ist es keine Seltenheit, dass Karrieren im Anfangsstadium von Familiengeldern finanziert werden. Dieses Konzept ist alles andere als neu. Vielmehr ist es der Grund dafür, dass gerade in den Anfangsjahren des Motorsports so viele Aristokraten auf der Rennstrecke unterwegs waren.

In der heutigen Zeit sind die Kosten für den Rennsport derart hoch, dass schon die Jahre im Kartsport eine nicht unwesentliche Geldsumme veranschlagen. So endet der Traum einer Karriere für viele schon an dieser Stelle, sofern nicht jemand wie Red Bull oder McLaren einspringt und den Weg in Richtung Formelsport ebnet.

Nur ganz wenige hatten das Glück, es mit den Familiengeldern bis in die Formel 1 zu schaffen. Max Chilton ist ein solches Beispiel, doch er fuhr für Marussia und damit am Ende des Feldes. Zudem legte der Brite eine GP2-Saison (ebenfalls bei Marussia) ein, bevor er in die Königsklasse aufstieg. Im Gegensatz dazu steigt Lance Stroll direkt aus der Formel 3 kommend bei einem deutlich höher angesehen Team ein – und das noch dazu in einem jüngeren Alter.

Es ist unmöglich zu sagen, wie viel Geld Lawrence Stroll in die Hand genommen hat, um Sohnemann Lance in die Formel 1 zu hieven. Und bei Williams hat man überhaupt keine Eile zu bestätigen, wie hoch der Anteil von Stroll sen. am Teambudget für 2017 ist. Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes verfügt Lawrence Stroll über ein Vermögen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar. Damit lässt sich zweifellos sagen, dass die Finanzierung der Karriere von Lance seit den ersten Runden im Kart nie ein Problem war.

Der junge Stroll hatte stets das Beste vom Besten. Er hatte das beste Material, er genoss die beste Vorbereitung in Form der maximal möglichen Testkilometer und er fuhr für die besten Teams. Seit er mit Williams in Verbindung steht, hat er von diesem Team schon in seiner Formel-3-Zeit technische Unterstützung erhalten. Der eine oder andere Kniff eines Ingenieurs aus Grove war hinsichtlich der Chancen in einer Rennklasse, in der Kleinigkeiten den Unterschied machen, sicherlich alles andere als abträglich.

Fotos: Lance Stroll in der Formel 3

Was sich nicht in Abrede stellen lässt, ist, dass Lance Stroll auf der Strecke die entsprechenden Ergebnisse eingefahren hat. 2014 gewann er den Titel in der Italienischen Formel 4. 2015 wurde er Champion der Toyota Winter Series. Nach einer holprigen Formel-3-Rookiesaison im selben Jahr, schlug er 2016 zurück und fuhr überlegen zum EM-Titel. Damit hat der Kanadier genügend Superlizenzpunkte angesammelt, um ohne GP3 oder GP2 in die Formel 1 einsteigen zu dürfen.

Mit seinem direkten Aufstieg aus der Formel 3 folgt Stroll den Beispielen Alain Prost, Nelson Piquet, Ayrton Senna, Jenson Button und zuletzt natürlich Max Verstappen. Diese Liste liest sich beeindruckend, doch es gab noch ein paar mehr, die einen derartigen Karrieresprung hingelegt haben, wenngleich nicht ganz so erfolgreich. Dazu gehören Jarno Trulli, Takuma Sato, Christian Klien und Adrian Sutil.

Trotzdem kommt es unterm Strich selten vor, dass jemand in die Formel 1 einsteigt, ohne vorher entweder leistungsstarke Formelautos oder aber DTM-Autos oder Sportwagen pilotiert zu haben. In letztgenannte Schiene fallen Fahrer wie Michael Schumacher, Paul di Resta und zuletzt Pascal Wehrlein.

Williams steht zum Risiko Lance Stroll

Als Formel-3-Europameister und Inhaber einer Superlizenz ist Lance Stroll ganz klar qualifiziert, in der Formel 1 zu fahren. Was er aus seiner Rookie-Saison bei Williams macht, liegt an ihm. Wird er schwimmen oder wird er untergehen?

"Wenn es um Lance geht, sollten wir uns aus Höflichkeit mit einer voreiligen Beurteilung zurückhalten", meint die stellvertretende Williams-Teamchefin Claire Williams und präzisiert: "Wenn man bedenkt, wie jung er ist, hat er schon eine Menge erreicht. Er hat in jeder Meisterschaft, in der er angetreten ist, den Titel gewonnen, vor allem auch in der Formel 3. Jeder weiß, dass Williams nicht einfach irgend einen Fahrer verpflichten würde, an den das Team nicht glaubt."

"Wir sind ein seriöses Team mit ernsthaften Ambitionen. Ich würde keinen Fahrer ins Auto setzen, von dem ich nicht glaube, dass er Leistung bringen kann", unterstreicht Williams und stellt heraus: "Ich glaube fest daran, dass Lance Leistung bringen kann. Ja, er wird nächstes Jahr ein Rookie sein. Ja, er wird Fehler machen. Doch anhand dessen, was wir bei seinem Testprogramm beobachtet haben, ist er jemand, der schnell lernt."

Es überrascht nicht, dass sich Williams bedeckt hält, wenn es um die Frage geht, inwiefern Stroll sich sein Cockpit mit den familieneigenen Geldern erkauft hat. "Für jede Fahrerverpflichtung gilt, dass es für das jeweilige Team wirtschaftliche Überlegungen gibt", sagt Claire Williams und führt an: "Alonso bringt Geld mit, vielleicht kein eigenes, aber er zieht Sponsoren an. Santander ist wegen ihm in der Formel 1. Ich verstehe nicht, warum es in diesem Sport, der ein so großes Business ist, solche negativen Assoziationen zu Fahrern gibt, die Geld mitbringen."

"Das gilt nicht nur die Formel 1", setzt die Tochter von Frank Williams fort. "Der Motorsport als Ganzes ist ein so teures Geschäft, dass man es ohne signifikante Budgets nicht bis in die oberen Klassen schaffen kann. Ich weiß nicht, warum Leute Fahrer kritisieren, wenn sie finanzielle Unterstützung genießen. Wenn es nicht so wäre, würden so viele Teams in diesem Sport zu Grunde gehen und damit würde letztlich auch dieser Sport nicht überleben."

"Geld kann keine Siege kaufen"

Stroll weicht Fragen zum finanziellen Hintergrund seiner Rennfahrerkarriere aus. "Es gibt 2 Wege, über die es funktioniert", sagte der 18-Jährige im November in Abu Dhabi, um auszuholen: "Der eine Weg besteht darin, einen Sponsor oder ein Familienmitglied zu haben – einfach jemanden, der einem ab dem Alter von 8 Jahren hilft, bis man in der Formel 1 angelangt ist. Hätte ich das nicht gehabt, hätte ich nicht von Kanada nach Europa umziehen können, um meinen Traum zu verfolgen."

"Und dann ist es egal, wie viel Geld du hast oder woher du kommst: Wenn du das Lenkrad nicht nach links und rechts drehen kannst und nicht so schnell wie möglich die Strecke umrundest, wirst du keine Rennen gewinnen. Geld kann keine Siege kaufen. Geld kann die Möglichkeit dafür kaufen. Mit Geld ist es möglich, einen Platz im Kartsport, in der Formel 4 und in der Formel 3 zu bekommen. Man braucht aber die Superlizenzpunkte, die man erhält, wenn man Meisterschaften wie Formel 4, Formel 3 – oder vielleicht GP2, wenn es in der Formel 3 nicht geklappt hat – gewinnt. Man brauchst diese 40 Punkte, die ich erfahren habe. Anderenfalls kommt man nicht in die Formel 1", betont Stroll.

In diesem Zusammenhang stellt der 18-jährige zu Recht heraus, dass es nicht seine Schuld ist, dass andere Nachwuchsfahrer nicht die Möglichkeiten wie er selbst hatten: "Geld macht einen nicht zum Sieger. Es erlaubt einem, Rennen zu fahren. Das stimmt und lässt sich nicht abstreiten. Wir haben es mit einem sehr teuren Sport zu tun. Es gibt zahlreiche Fahrer, die sehr talentiert sind, aber nicht die Chance hatten. Das ist wirklich bedauerlich, aber das ist der Sport, in dem wir leben."

"Ich selbst habe hart gearbeitet und ohne die Titel, die ich gewonnen habe, wäre ich nicht hier", betont Stroll nachdrücklich und unterstreicht: "Ich könnte alles Geld der Welt haben. Wenn ich damit Letzter werden würde, wäre ich nicht da, wo ich heute bin."

Ohne GP2 in die Formel 1: Geht die Rechnung auf?

Viele Beobachter hinterfragen es, warum Stroll die GP2 ausgelassen hat. Erst Recht, da bei Prema, dem Team, das die Saison 2016 dominiert hat, ein Platz für ihn frei gewesen wäre. "Ich glaube, es waren mehrere Faktoren", versucht sich der nächstjährige Williams-Stammfahrer in einer Erklärung. "Mir war klar, dass wir die Sache Jahr für Jahr angehen. So haben wir es immer gemacht seit ich im Kartsport angefangen habe."

"Wir versuchen es zu vermeiden, zu weit in die Zukunft zu blicken. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die aktuellen Aufgaben. In diesem Jahr war der Titelgewinn in der Formel 3 natürlich das Ziel und das haben wir erreicht – und zwar nicht gerade so, sondern mit großem Vorsprung. Ich glaube, ohne diesen großen Vorsprung und ohne die Tests, die ich im 2014er-Auto von Williams absolviert habe, wäre ich heute nicht hier. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass wir heute hier sind und nicht den dazwischenliegenden Schritt in Angriff genommen haben. Wir haben die GP2 ausgelassen. So ist es nun mal", sagt Stroll und schließt das Thema damit für sich ab.

Die zynische Sichtweise auf das Ganze ist, dass Stroll mit Auslassen der GP2 das Risiko umgeht, bezwungen zu werden und damit an Schwung zu verlieren. Das Budget hätte er dann immer noch, doch für Williams wäre es 2018 viel schwieriger gewesen, eine Verpflichtung Strolls zu rechtfertigen, sollte er eine schwache GP2-Saison hingelegt haben. Das gegenteilige Argument ist, dass sich die Formel 1 am besten lernen lässt, wenn man sie direkt ausprobiert. Genau diesen Weg hat Helmut Marko mit Max Verstappen verfolgt und zwar mit Erfolg.

"Ich glaube, wenn du die Chance hast, in der Formel 1 zu fahren, dann gibt es nichts was dich besser darauf vorbereiten kann als die Formel 1 selbst", sinniert Stroll, um anzufügen: "Ich glaube, die GP2 ist ganz klar der Zwischenschritt, aber ich glaube nicht, dass sie einen genauso gut auf die Formel 1 vorbereitet wie der Wettbewerb in der Formel 1 selbst."

"Es gibt nichts, das dich besser auf die Formel 1 vorbereitet als die 21 Grands Prix am Steuer eines Formel-1-Autos zu absolvieren. Aus diesem Grund bin ich schon heute hier. Ich habe die Formel 3 gewonnen, ja sogar dominiert. Wenn ich das nicht geschafft hätte und Williams nicht an mich glauben würde, wäre ich nicht hier", ist Stroll überzeugt.

Der junge Kanadier glaubt fest daran, dass er im Verlauf der 2 zurückliegenden Jahre schon viel gelernt hat: "Ich finde, die Formel 3 ist schon eine sehr gute Kategorie, um zu lernen. Das Level in der Formel 3 ist sehr hoch und es ist ein Auto, das dir lehrt, wie du fahren musst. Das Auto hat viel Abtrieb. Die Motorleistung ist nicht allzu hoch, aber der Grip ist da. Das Auto vermittelt dir, wie du all diesen Grip nutzen musst. Genau darum geht es in der Formel 1. Du hast viel Abtrieb und viel Motorleistung und musst all das nutzen. Ich glaube, die 2 Jahre waren eine richtig gute Schule für mich."

Erste Formel-1-Runden im 2014er-Williams

Strolls Formel-1-Ausbildung begann, als Williams ein umfangreiches Testprogramm lostrat. In den vergangenen Jahren wäre so etwas normal gewesen. Sowohl Jacques Villeneuve als auch Lewis Hamilton fuhren in den Monaten vor ihrem jeweiligen Grand-Prix-Debüt in Melbourne 1996 beziehungsweise Melbourne 2007 unzählige Testkilometer. Unter den aktuellen Restriktionen der FIA sind derart intensive Vorbereitungen nicht mehr üblich. Williams war jedoch in der Lage, auf ein 2014er-Auto zurückzugreifen, das nicht unter das aktuelle Reglement fällt.

"Wenn die Ingenieure mit ihm die Pläne für einen Stint besprechen, wenn er im Auto sitzt und uns Rückmeldungen gibt und wenn sie gemeinsam die Daten durcharbeiten, nimmt er all das auf, was ihm gesagt wird", lobt Claire Williams und betont: "Er lernt. Er setzt sich ins Auto und macht denselben Fehler nicht zweimal. Oder aber er verbessert seine Rundenzeit. Das ist alles, war wir momentan von ihm erwarten können."

Die Möglichkeit, seine ersten Formel-1-Kilometer in einer kontrollierten Umgebung, abseits des öffentlichen Interesses, zu absolvieren, war für Stroll von unschätzbarem Wert: "Ich bin bislang noch nicht allzu viel gefahren. Wir waren ein paar Tage lang testen. Die größte Erkenntnis ist natürlich, dass das Auto sehr viel Leistung hat – viel mehr, als ich es aus der Formel 3 gewohnt bin. Doch man gewöhnt sich dran. Es ist ein weiterer Schritt, ein weiteres Auto. Der Abtrieb ist natürlich unglaublich, aber ich gewöhne mich von Mal zu Mal besser daran."

Strolls Gesamteinschätzung nach seiner Formel-1-Premierefahrt: "Unterm Strich ist es ein weiteres Auto mit 4 Rädern. Ich bin in meinem Leben schon alles Mögliche gefahren: Go-Karts, Autos, Formel 4, Formel 3 und jetzt Formel 1. Jede Kategorie hält Herausforderungen und neue Dinge, die es zu lernen gilt, bereit. So kommt dir jeder Schritt, den du tust, als der größte deines Lebens vor."

Bildergalerie: Lance Stroll wird Formel-1-Stammfahrer

Der Williams FW36 aus der Saison 2014 mag überholt sein, aber dieses Auto ist laut Stroll ein guter Anfang. "Das 2014er-Auto zu fahren, ist besser als vor 2017 überhaupt kein Formel-1-Auto zu fahren. Es ist natürlich nicht das aktuelle Auto und schon gar nicht das nächstjährige, das anhand der neuen Regeln aufgebaut wird. Doch es ist besser, ein paar Tage das 2014er-Auto zu fahren und dann von diesem den Schritt ins 2017er-Auto zu machen, anstatt direkt aus der Formel 3 in die Formel 1 zu springen."

Doch der junge Kanadier weiß nicht nur die Vorbereitung auf der Strecke zu schätzen: "Jeder kleine Schritt hilft. Das gilt genauso für die Vorbereitung abseits der Strecke. Die Arbeit mit Williams und die mentale und körperliche Vorbereitung, all das spielt eine Rolle. Es geht nicht nur um das Fahren. Ich glaube, ich werde in diesem Winter auch abseits der Strecke viel Arbeit haben, um mich auf das 1. Rennen vorzubereiten."

Lernen, Lernen, Lernen

Dass es nicht nur darum geht, Runden zu drehen, weiß der 18-Jährige ganz genau. Er weiß um die Herausforderungen, die vor ihm liegen: "Was eine schnelle Runde betrifft, ist es ein weiteres Auto. Es hat jede Menge Grip, viel Leistung und man kann attackieren. Genau das habe ich schon in der Formel 3 die ganze Zeit getan: 100 Prozent Einsatz gegeben. Ein Formel-3-Auto vermittelt dir sehr gut, wie du 100 Prozent aus einem Auto herausholst. Es ist einfach ein großartiges Auto, um zu lernen."

"Die Formel 3 ist eine großartige Meisterschaft mit intensivem Wettbewerb. Um Rennen und Pole-Positions zu gewinnen, musst du absolut dein Bestes geben", setzt der amtierende Champion fort und spannt den Bogen: "Die Formel 1 ist natürlich in vielerlei Hinsicht schwieriger. Ich glaube, das Reifenmanagement, das Spritsparen und all diese Dinge, die ich nicht kenne, sind für mich momentan die kompliziertesten. Da werde ich im Verlauf der Saison viel lernen müssen. Dabei sticht aber kein Bereich besonders heraus. Vielmehr geht es um all die kleinen Details. Ich arbeite also an allem."

So wiederholt Stroll: "Nichts wird mich so gut auf eine Rennsituation vorbereiten wie 2017 selbst in der Startaufstellung zu stehen. Ich kann so viel Vorbereitungszeit genießen wie ich mir nur wünschen kann, dann habe ich aber immer noch keine Erfahrung mit echten Rennsituationen und dem richtigen Auto. Die Wintertests in Barcelona werden eine weitere Möglichkeit darstellen, vor dem 1. Rennen ein bisschen mehr zu verstehen."

Stroll kommt gerade zu dem Zeitpunkt in die Formel 1, als diese ihre größten Regeländerungen seit Jahren erfährt. In diesem Zusammenhang gibt es 2 Theorien. Die eine besagt, dass es eine Zeit ist, in der Erfahrung alles ist. Die andere besagt, dass der Schritt derart groß ist, sodass Daten und Wissen aus der Vergangenheit viel weniger wert sind und somit Rookies deutlich weniger im Nachteil sind.

Strolls Meinung dazu: "Ich glaube, es ist weder einfacher noch schwieriger. Es ist einfach anders. Das Reglement ist im nächsten Jahr ein komplett neues. Natürlich hilft es, wenn du Erfahrung hast. Das hilft immer, keine Frage. Aber in gewisser Weise hilft es mir vielleicht tatsächlich, in einem Jahr dazuzustoßen, in dem alle, ich will nicht sagen, bei 0 beginnen müssen, aber doch weniger mitnehmen können als bisher."

"Würde ich einsteigen und das Reglement wäre dasselbe wie in den 3 Jahren zuvor, dann wäre es wohl schwieriger für mich, aufzuholen. Wirklich sicher sagen kann ich das aber nicht. Ich werde mich einfach so gut es geht vorbereiten und werde die Herausforderung annehmen. Mit irgendwelchen Erwartungen fange ich gar nicht erst an", so der nächstjährige Formel-1-Rookie.

Die körperliche Herausforderung der Formel-1-Autos 2017

Was sich für den 18-Jährigen als größere Herausforderung herausstellen könnte, ist der körperliche Aspekt. Schließlich werden die Kurvengeschwindigkeiten und damit auch die Fliehkräfte dank der neuen Regeln größer sein. Auf Stroll wartet also jede Menge Kraftarbeit. Doch auch auf diesem Gebiet sieht er sich bis zu einem gewissen Grad vorbereitet.

"Ich würde nicht sagen, dass ich bei 0 beginne, denn schon in der Formel 3 habe ich körperliches Training betrieben. Tatsächlich fing das sogar schon früher, in sehr jungem Alter, an. Ich glaube aber schon, dass es nächstes Jahr schwierig wird. Wenn es stimmt, was alle sagen, dass die Autos 4 oder 5 Sekunden pro Runde schneller sein werden, weil es dank der breiteren Reifen und der veränderten Aerodynamik viel mehr Grip gibt, dann wird es sicherlich körperlich anstrengend. Ich bereite mich aber so gut ich kann darauf vor. Auf mich wartet nicht nur technisch, sondern auch körperlich eine neue Herausforderung, aber ich freue mich darauf."

Wie schon gesagt, liegt es jetzt an Lance Stroll selbst. Das schier unbegrenzte Budget hat ihm geholfen, in die Formel 1 zu kommen, aber das verschafft ihm keinen Vorteil gegenüber seinem neuen Teamkollegen. Er selbst muss seine Leistung auf der Strecke bringen. Und das wird er im Mittelpunkt des Weltinteresses tun müssen.

Angst hat der Teenager keine. "Ich bin immer noch ich selbst. Ich bin immer noch ein Rennfahrer, wie ich es mein ganzes Leben lang gewesen bin. Ob es die Formel 3 oder die Formel 1 ist, es ist ein neuer Schritt. Es mag vielleicht mehr Kameras geben und mehr Leute. Ich aber betrachte es einfach als eine weitere Rennserie mit anderen Fahrern, die einen Helm auf ihrem Kopf haben und mit anderen Teams, die antreten, um Rennen zu gewinnen", so Stroll.

"Egal ob es die Formel 1 oder die Formel 3 ist. Ich bin hier, um 100 Prozent zu geben. Das ist alles, was ich tun kann. Mehr kann ich nicht tun. Das war schon immer so. Ich habe auf dem Weg hierher Titel gewonnen und die haben mir geholfen. Ohne diese Titel wäre ich heute nicht hier. Das liegt jetzt aber alles hinter mir. Ich schaue nur noch in die Zukunft", sagt der neue Williams-Stammfahrer und spricht von einer "einmaligen Gelegenheit im Leben".

Es wird faszinierend sein zu sehen, ob Stroll die Skeptiker zum Schweigen bringen kann. Claire Williams ist jedenfalls zuversichtlich, dass er seine Aufgabe meistern wird: "Jeder weiß, dass unser Team im Verlauf seiner Geschichte eher risikoscheu war. Ich finde es aber großartig, wenn Teams neue Fahrer in die Formel 1 bringen. Das ist es, was wir brauchen: frisches Blut. Ich finde das aufregend. Ich finde, wir sollten diesem Kerl eine Chance geben, damit er beweisen kann, dass er es drauf hat und dass er das Cockpit verdient hat. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass er es schaffen kann, dann würde ich ihn nicht ins Auto setzen."

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