Kolumne: Wer ersetzt Bernie Ecclestone, wenn er geht?

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Kolumne: Wer ersetzt Bernie Ecclestone, wenn er geht?
Charles Bradley
Autor: Charles Bradley
Übersetzung: Petra Wiesmayer
09.05.2016, 12:20

Wir werden ihn vermissen, wenn er geht. Trotz aller Gegner zeigt der Chef der Formel 1 bisher keine Anzeichen, es langsamer angehen zu lassen. Charles Bradley fragt, was passiert in einem Leben nach Bernie...

Donald Mackenzie, CVC Capital Partners, mit Bernie Ecclestone
Scheich Mohammed bin Essa Al Khalifa, Geschäftsführer des Bahrain Economic Development Board, und Mc
Sir Martin Sorrell, WPP-Geschäftsführer, mit Bernie Ecclestone und Jean Todt, FIA-Präsident
Takahiro Hachigo, Honda-Geschäftsführer, mit Bernie Ecclestone in der Startaufstellung
Matteo Renzi, italienischer Ministerpräsident, mit Bernie Ecclestone
Sergio Marchionne, Ferrari-Präsident und Geschäftsführer von Fiat Chrysler Automobiles, mit Bernie E
Dmitry Kozak, stellvertretender Ministerpräsident von Russland, mit Bernie Ecclestone und Pasquale L
Vladimir Putin, russischer Präsident, mit Bernie Ecclestone
Enrique Pena Nieto, Präsident von Mexiko, mit Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone mit dem früheren spanischen König Juan Carlos
Nigel Mansell fährt Carlos Slim Domit, Vorsitzender von America Movil, und Bernie Ecclestone bei der
Christian Horner, Teamchef Red Bull Racing, mit Bernie Ecclestone
Sebastian Vettel, Ferrari, mit Bernie Ecclestone in der Startaufstellung
Donald Mackenzie, CVC Capital Partners, mit Bernie Ecclestone
Donald Mackenzie, CVC Capital Partners, mit Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone
Alejandro Agag, Geschäftsführer der Formel E
Alejandro Agag, Chef Formel E und Jean Todt, FIA Präsident
Bernie Ecclestone und Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone mit Marco Tronchetti Provera, Pirelli
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone mit seiner Ehefrau Fabiana Flosi
Bernie Ecclestone und Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene
Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, FIA-Präsident Jean Todt und Red-Bull-Teamchef Christian Horner
Bernie Ecclestone mit Jean Alesi
Bernie Ecclestone und Derek Warwick
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone
Bernie Ecclestone, im Gespräch mit der Presse
Bernie Ecclestone und Fahrer bei der Hymne
Bernie Ecclestone, mit britischen Journalisten

Er sagt, er „könnte vielleicht“ aufhören, wenn er 100 ist; jetzt ist Bernie Ecclestone 85. Er hat eine Position in unserem Sport inne, wie niemals jemand zuvor – und wahrscheinlich auch niemals nach ihm.

Als Geschäftsführer der Formula 1 Group besitzt er die kommerziellen Rechte der Formel-1-Weltmeisterschaft – einfach gesagt hält er Schlüssel dazu, das Recht zu bekommen, die Rennen auszutragen und zu promoten, TV-Übertragungen zu verkaufen und Sponsoren- und Hospitality-Pakete anzubieten.

Das ist ein Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft. Und er ist das Herzstück.

BiIdergalerie: Bernie Ecclestone

Trotzdem ist aber niemand unersetzlich. Wir haben gehört, wie Ferrari-Chef Sergio Marchione gesagt hat, dass Ecclestone der Formel 1 den Weg für eine Zukunft ohne ihn bereiten sollte. In der vergangenen Woche wurde auch bekannt, dass FIA-Präsident Jean Todt sich heimlich mit CVC-Chef Donald MacKenzie getroffen hat…

Die große Frage ist also: Auch, wenn er arbeitet, bis er 100 ist oder vorher stirbt (was wir sicher nicht hoffen), oder er das Opfer einer Palastrevolution wird – wer ersetzt Bernie?

Im Moment lautet die Antwort Niemand. Im Zuge des riesigen Umstrukturierungsprozesses, der folgen würde, wäre es viel wahrscheinlicher, dass eine Gruppe von Spezialisten all die Rollen übernehmen würde, die Ecclestone zur Zeit alleine innehat.

Zur Erinnerung: Er hat keinen Stellvertreter, keinen leitenden Geschäftsführer – er macht all die wichtigen Telefonate selbst. Das ist erstaunlich in dieser Zeit und diesem Alter.

 

Schauen wir uns mal an, wie seine Rolle in Schlüsselelemente aufgeteilt werden könnte...

Das Aushängeschild

Ecclestone ist die Galionsfigur der Formel 1. Seine Geringschätzung für politische Korrektheit hat zur Folge, das seine Aussagen oft sehr geradeheraus sind, bis hin zu unverschämt – er produziert Schlagzeilen, ein gefundenes Fressen für die Tageszeitungen und Websites.

Das kann aber auch seine Schattenseiten haben. Seine Kommentare über Cockpitschutz – zu sagen, das der Sport „nichts“ tun sollte – ist ein Schlag ins Gesicht der FIA, die sich sehr für Sicherheit einsetzt. Und seine Kommentare vor der Saison, dass die Formel 1 die „schlechteste aller Zeiten“ sei, haben den Anteilseignern sicher nicht gefallen

Trotzdem ist er immer noch unheimlich wichtig. Er hat persönliche Beziehungen zu königlichen Familien, Regierungen, Stadtoberhäuptern, Sportverbänden – seine Rollkartei ist unvergleichlich.

Um das zu ersetzen, bräuchte die Formel 1 etwas von der Art des ehemaligen Ferrari-Präsidenten Luca di Montezemolo oder des mehrfachen Formel-1-Champions Niki Lauda. Menschen, die sich in der Vorstandsetage auskennen, sich aber darauf konzentrieren würden, ein Sprecher für die Marke des Sports zu werden – ebenso wie ein „freundliches Gesicht“ für die Würdenträger in der Startaufstellung.

 

Di Montezemolo hat dabei einen Vorsprung, er ist im Aufsichtsrat der Formel 1. Er wäre mein Favorit für die Rolle.

Geld verdienen

Glauben Sie nicht, das Ecclestone nur vom Geld motiviert wird – ich denke eher, dass es einfach die Maßeinheit ist, mit der er seine Macht und seinen Erfolg misst. Also, wer kann hier seine Nachfolge antreten?

Donald MacKenzie ist der Mitbegründer von CVC Capital Partners, denen die Formel 1 gehört und würde sich um die geschäftliche Seite kümmern. Man könnte sagen, dass seine Firma mehr Geld mit der Formel 1 gemacht hat, als sogar Ecclestone geschafft hat – angeblich etwa 4,1 Milliarden Dollar, obwohl sie sich erst 2006 eingekauft haben. Vieles davon allerdings durch Ecclestone.

MacKenzie wurde kürzlich vom The Guardian wie folgt zitiert: „Wir sind gerne im Besitz der Formel 1. Es gibt immer einige Leute, die sie gerne kaufen würden, sie ist ein sehr gutes Geschäft.“

CVC hat die Pläne eines Börsengangs in Singapur aufgeschoben und es gab jede Menge Spekulationen, dass CVC die Formel 1 an neue Investoren verkaufen wolle. Ecclestone sagte schon letztes Jahr, dass ein Deal fast unter Dach und Fach wäre, wozu MacKenzie gegenüber Motorsport.com sagte: „Es ist unwahrscheinlich, dass wir für immer hier sein werden, aber wir sind definitiv nicht gezwungen zu verkaufen. Bernie sagt oft Dinge, die er nicht meint.“

 

MacKenzie hält sich gerne bedeckt, hat aber großes persönliches Interesse am Sport.

Kommerzielle und Fernsehrechte

Ein Name, der immer wieder mit der Nachfolge von Bernie Ecclestone in Verbindung gebracht wird, ist der Formel-E-Gründer und ehemalige GP2-Teambesitzer Alejandro Agag.

Er ist ein geschickter Politiker und Geschäftsmann mit einer großen Leidenschaft für den Sport.

Sein Engagement in der Formel 1 begann bei den spanischen TV-Rechten und seine enge Beziehung zu dem ehemaligen Benetton- und Renault-Teamchef Flavio Briatore hat ihm zu einem erstaunlichen Fundament verholfen, wenn es darum geht, Geschäfte und Beziehungen voranzutreiben. Er denkt sehr fortschrittlich und hat das digitale Zeitalter sehr schnell genutzt, seine Serie zu propagieren.

Je nachdem, wie seine eigenen Ambitionen in der Formel E aussehen, wenn er eine Scheibe von der Formel 1 abhaben wollte, stünden ihm die Türen sicher offen. Das wäre wohl schwer auszuschlagen, immerhin ist er erst 45 und sehr ehrgeizig. Stellen Sie sich vor, was für eine Position er für sich innerhalb der Organisation schaffen könnte?

Außerdem hat er es erst vor Kurzem geschafft, den Coup eines Straßenrennens in Paris an Land zu ziehen... Das ist sicher auch der Aufmerksamkeit von Jean, Bernie und Co. nicht entgangen.

 

Team- und Streckenliaison

Die Rolle wäre trotzdem schwierig. Ecclestone hat Jahre damit verbracht, den Respekt der Teams zu pflegen – und es sogar geschafft, frei denkende Giganten wie Ferrari im Zaum zu halten. Man bräuchte ein schlaues Management von Zuckerbrot und Peitsche, da die Teams es alle als Gelegenheit ansehen würden, ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen.

Ein Kandidat ist hier Bruno Michel, der ehemalige Steuerberater von Briatore und Geschäftsführer von Ligier. Er hat die GP2 (und später die GP3) seit dem Start geleitet. Er hat Verbindungen im Formel-1-Fahrerlager und hat schon Verträge mit den meisten Rennstrecken.

Das könnte aber auch unter Di Montezemolos Mandat fallen. Immerhin hat er die Teamvereinigung FOTA der Formel 1 gegründet und geleitet, bevor sie strauchelte und weiß, wie die Teams arbeiten. Und die Strecken würden ihm auch vertrauen, genauso, wie sie Ecclestone vertrauen.

Andere Namen für die Zukunft

Erfahrung in der Weltwirtschaft bleibt ein Schlüssel zum Erfolg der Formel 1 und während Ecclestone seine eigenen Wege geht, gibt es zwei weitere heiße Eisen, die man nicht außer Acht lassen darf.

 

Der ehemalige Nestle-Chef Peter Brabeck-Letmathe und Sir Martin Sorrell der Werbefirma WPP sind Vorstandsmitglieder von Delta Topco, dem Unternehmen, dem die Formel 1 letztlich gehört.

Der ehemalige Diagio-Chef Paul Walsh wurde als Kandidat für eine leitende Rolle in der Formel 1 gehandelt. Ebenso wie der der frühere Sainsbury-Chef Justin King scheint er aber in der Versenkung verschwunden zu sein.

Natürlich hat Ecclestone bereits einige ausgezeichnet Mitarbeiter, die für ihn tätig sind, inklusive seiner Rechtsexpertin Sacha Woodward-Hill – einer vertrauten Beraterin, genauso wie die ehemalige TWR-Anwältin Kate Beavan, die für Eclestone auf der kommerziellen Seite fleißig patrouilliert.

Apropos kommerziell – der Sportmarkting-Guru Zak Brown würde sicher für alles an Bord geholt, was mit Sponsoren zu tun hat. Schließlich hat er in letzter Zeit viele der größten Deals des Sports an Land gezogen.

Seit Langem heißt es schon, dass Christian Horner als Teil des Nachfolgeplans herangezogen werde, da er enge Verbindungen zu Bernie hat – das müsste aber zeitlich sicher sehr gut mit dem abgestimmt werden, was er bei Red Bull tut. Unter den Teamchefs könnte auch Toto Wolff infrage kommen.

 

Fazit

Nehmen Sie alle zusammen, dann erkennen Sie, was für ein einzigartiges Talent Ecclestone ist, das ersetzt werden muss.

Dieser kleine Mann, der in Rätseln spricht, den Bezug zur Zeit verloren zu haben scheint und sogar von einer Drehtür in einem Gerichtsgebäude in München verblüfft zu sein scheint (ah, ja, was war denn mit dem Grand Prix von Deutschland im vergangenen Jahr?) ist in der Tat das schärfte Messer im Block.

Und an diejenigen, die ständig seinen Kopf fordern: Ihr werdet ihn vermissen, wenn er weg ist.

Bernie hat diesem globalen Sport zu dem gemacht, was er heute ist. Wie es ihm ergeht, wenn er weg ist, hängt zum großen Teil von den Leuten ab, die ihm nachfolgen – aber es gibt sie.

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Rennserie Formel 1
Fahrer Bernie Ecclestone
Autor Charles Bradley
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