Kolumne: Wie könnte eine Formel-1-Rückkehr von Alfa Romeo aussehen?

Unser Kolumnist David Addison ist ein großer Fan von Alfa Romeo. Aber was würde er von einem möglichen Formel-1-Comeback der italienischen Traditionsmarke halten?

Oh, wie schön müssen die 1950er-Jahre für einen Alfa-Fan gewesen sein! Als die Formel 1 in Silverstone 1950 ihr Debüt gab, stand die Rennserie ganz im Zeichen von Alfa Romeo. Fahrzeuge des Typs 158 belegten die vorderen drei Plätze, Giuseppe Farina siegte vor Luigi Fagioli und Reg Parnell.

Lassen wir Indianapolis mal außen vor, dann hat Alfa Romeo im ersten Jahr der Formel 1 alle Rennen gewonnen.

Und jetzt spricht Sergio Marchionne darüber, dass Alfa Romeo in die Formel 1 zurückkehren könnte. Wir Alfa-Fans wären total begeistert, haben aber nur eine Bitte: wenn, dann bitte in ganz großem Stil!

Alfa Romeo im Motorsport

Aber schauen wir uns erst einmal an, was Alfa Romeo seit den großen Tagen in der Formel 1 gemacht hat.

In den 1970er-Jahren war die Marke etwa auch im Sportwagenbereich sehr erfolgreich unterwegs, anschließend auch im Tourenwagensport. Modelle wie der GTAm oder der GTV6 sind den Fans bis heute in bester Erinnerung geblieben. Auch mit den Fahrzeugen des Typs 155 und 156 fuhr Alfa Romeo zahlreiche Erfolge ein.

Und gerade das macht doch den Rennsport aus, nicht wahr? Motorsport mit Autos, die jeder von uns auch kaufen und fahren kann. Ja, stimmt! Aber nur so halb…

Das Problem ist nämlich: Egal, wie sehr du dich bemühst, deinen Sport zu vermarkten (NASCAR ist da vielleicht eine Ausnahme), kommt nichts auch nur annähernd an die globale Reichweite und die umfangreiche Berichterstattung der Formel 1 heran.

Wenn du also zum Beispiel der dominante Hersteller in der Tourenwagen-WM (WTCC) bist, wie viele Leute bekommen wirklich Wind davon?

Oder du engagierst dich als Hersteller in der Formel 1. Doch gerade dann muss ein solches Projekt auf sehr solide Beine gestellt werden. Das ist man als Marke mit einer über hundertjährigen Geschichte seinen vielen Fans schuldig.

In der Straßenwagensparte wird einem hingegen immer wieder versprochen, dass genau dieses neue Modell dafür sorgen wird, Alfa Romeo wieder zu alter Größe zurückzuführen. Aber so einfach ist es nicht. Und mit einem halbherzigen Formel-1-Engagement schon gar nicht. Deine Marke muss gewinnen. Dann kommt deine Botschaft auch an.

Wie es klappen könnte

Aber wie stellt man das an? Wer setzt die Autos ein? Zieht man Personal vom aktuellen Ferrari-Formel-1-Projekt ab (und schwächt so vielleicht beide Teams) oder kauft man sich in ein bestehendes Team ein, zum Beispiel aus der Nachwuchsklasse GP2?

Letzteres klingt nach der besseren Variante. Doch dann läuft man freilich Gefahr, in aller Öffentlichkeit die ersten Schritte zu machen und dabei auch Fehler zu begehen. Das könnte die Mission, Alfa Romeo wieder zu einer Siegermarke in der Formel 1 zu formen, durchaus negativ beeinflussen.

Noch eine Variante: ein aktuelles Formel-1-Team übernehmen und es in Alfa Romeo umbenennen. BMW hat das vor einigen Jahren mit Sauber gemacht. Und vielleicht wäre der Rennstall aus der Schweiz ja für eine erneute Übernahme zu haben?

Aber würde man wirklich wollen, dass mit Alfa Romeo und Ferrari zwei Marken eines Konzerns gegeneinander antreten? Okay, in der Langstrecken-WM (WEC) machen Audi und Porsche nichts anderes. Aber die Formel 1 ist eine ganz andere Spielwiese.

Fotostrecke: Legendäre Formel-1-Designs auf modernen Autos

Formel-1-Auto im Retrodesign: Brabham 1979
Formel-1-Auto im Retrodesign: Brabham 1979
 

Photo by: Camille De Bastiani - CdeB DESIGN

 

 

 

 

 

 

Man müsste wahrscheinlich hergehen und Alfa Romeo als Juniorteam von Ferrari installieren. Die Scuderia hat ja bereits ein Nachwuchsprogramm. Die Fahrer aus diesem Projekt könnten dann – wie es bei Red Bull Racing und Toro Rosso bereits geschieht – im B-Team für die Aufgaben im A-Team vorbereitet werden.

Auf der Strecke wären Alfa Romeo und Ferrari Gegner, zwei unterschiedliche Teams. Doch unterm Strich würde man zusammenarbeiten.

Jetzt kommt das Aber: Sowohl Toro Rosso als auch Red Bull Racing sind dazu da, den Energydrink Red Bull zu bewerben. Nichts weiter. Unsere italienischen Autohersteller wiederum stehen vor der Aufgabe, Motorsport zu betreiben, um ihre Verkaufszahlen anzukurbeln.

Für Alfa Romeo bringt es keinen Mehrwert, wenn die Marke von Ferrari geschlagen wird (oder umgekehrt). Alfa Romeo müsste daher in einer Position sein, um auf Augenhöhe gegen Ferrari antreten zu können.

Noch ein Haken: Man steigt nicht einfach so in die Formel 1 ein und fährt ganz vorn mit. Klappt nicht. Siehe BAR, siehe Toyota, siehe Jaguar.

Eine gute Nachricht für die Formel 1

Tatsache ist aber: Der Formel 1 würden mehr Autos in der Startaufstellung sicherlich zugutekommen. Zumal eine mögliche Rückkehr von Alfa Romeo auch jede Menge positiver Schlagzeilen nach sich ziehen würde: ein neuer Hersteller in der Meisterschaft!

Es spricht allerdings nicht sehr viel dafür, dass es tatsächlich so weit kommt.

Aber blicken wir nochmals zurück in die Vergangenheit: 1979 war Alfa Romeo in der Formel 1 vertreten, zwar nicht mit einem eigenen Team, aber als Motorenlieferant von Brabham.

Damals war ein gewisser Bernie Ecclestone der Teamchef bei Brabham. Und ihm würde es bestimmt gefallen, Alfa Romeo wieder im Starterfeld zu haben. Mehr noch: Sicher würde Ecclestone selbst mithelfen, ein solches Projekt Realität werden zu lassen.

Andererseits klingt es ein bisschen zu schön, um wahr zu sein: Alfa Romeo zurück in der Formel 1? Nun, mit Ecclestone und Marchionne als Strippenzieher im Hintergrund – vielleicht gelingt es ja doch!

Viele von uns wären wahrscheinlich restlos begeistert. Und man stelle sich nur vor, was das für den Espresso im Fahrerlager bedeuten würde…

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