Kolumne: Wieso der Cockpitschutz das Design der Formel-1-Autos interessant machen kann

Durch die Einführung des Cockpitschutzes steht die Formel 1 vor einer grundlegenden Veränderung im Design – aber wie schafft man es, dass es cool aussieht wie der Lotus 72D? Charles Bradley glaubt es zu wissen...

Man sagt, Schönheit liege im Auge des Betrachters. Und wenn Millionen von Augen auf die Formel-1-Autos gerichtet sind, dann gibt es eine Menge Betrachter. Wenn also so etwas grundlegendes passiert wie der Cockpitschutz von Red Bull, der auf die Autos montiert wird, dann gibt es viele Meinungen.

Das ist meine...

Formel-1-Autos haben seit dem ersten Tag offene Cockpits. Trotzdem kann man argumentieren, dass der Mercedes W196 „Typ Monza“ Stromlinienkarosse schon in den frühen 1950er-Jahren bewiesen hat, dass man sich dem Trend widersetzen kann.

 

 

 

So, wie sich die Ansprüche ändern, ändern sich auch die Zeiten – es wäre engstirnig, den Schritt zu einem Auto mit Cockpitschutz einfach abzulehnen. Man muss aber auch zugeben, dass es ein riesiger Schritt wäre.

Es wird Gefühle verletzen. Ich bin sicher, dass mehr Menschen verärgert als begeistert sein werden. Eine Minderheit wird wahrscheinlich lautstark verkünden, dass sie nie wieder ein Formel-1-Rennen anschaut (nun, bis zum nächsten). Wenn es aber ein Leben rettet, ist es das wert. Und ich mag meine Formel-1-Stars lebendig.

Mein Problem mit dem Cockpitschutz ist folgendes: Er muss gut aussehen. Und wir müssen in der Lage sein, den Helm des Fahrers klar zu sehen und nicht versteckt hinter irgendeinem Schutzschirm.

Cockpits können cool sein

Heute sagte Jenson Button, dass ihm ein Formel-1-Auto mit einem Cockpitschutz von Red Bull besser gefalle. Er begründete seine Meinung auf den Powerboat-Rennen, die er als Kind gerne anschaute. Etwas, das ich als Kind förmlich aufsog, waren Science-Fiction-Sendungen und -Filme – man denke nur an Luke Skywalkers X-Wing Fighter oder Buck Rogers’ Starfighter. Daher stellen so episch-futuristische Maschinen mit durch Hauben geschützte Cockpits für mich kein Problem dar.

Bildergalerie: Erster Streckentest des neuen Formel-1-Cockpitschutzes von Red Bull Racing

 

Aber … heute früh betrachtete ich Daniel Ricciardos Red Bull in Sochi und sah: eine komische, abstehende Nasenspitze, eine steile, eckige Nasenpartie, die ein bisschen aussieht wie Alain Prosts Zinken, dann eine flache Partie und dann ein Cockpit (oder „ein Schild gegen Krawallmacher“ wenn man Lewis Hamilton ist) oben drauf gesetzt.

 

Anstatt eines fließenden, zusammenpassenden Aussehens – wie der Lotus 72, der eine ziemlich große Rundum-Front hatte – sehe ich Oberflächen, die von Regeln eingeengt werden. Die modernen Formel-1-Regeln haben eine Front kreiert, die aussieht als sei sie von mindestens drei Leuten entworfen worden, die nicht miteinander reden.

Wenn man dann noch die hunderte Millionen Dollar bedenkt, die von den Teams jedes Jahr ausgegeben werden und darin resultieren, dass Autos so pummelig aussehen, dann muss man sich die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellen.

 

 

 

Man kann die Schuld nicht auf die Aerodynamiker schieben, die diese Formen kreieren – da jedes Abhobeln der Oberfläche bessere Rundenzeiten bringt. Es ist aber an der Zeit, dass die Regeln geändert werden, um attraktiver aussehende Frontpartien der Autos in Auftrag zu geben, ebenso wie die MotoGP die Winglets verbieten sollte.

Zeit, Konzepte zu realisieren

Ein weiterer Gedanke aus meiner Vergangenheit: Als ist ein Kind war, ärgerte es mich wirklich, wenn ich diese herrlichen, unglaublich coolen Konzeptautos auf Automessen sah, die Serienfahrzeuge, die vom Band kamen, waren aber immer noch kastenförmig und langweilig.

Wieso konnten sie keine cool aussehenden Autos bauen?

Es ist wie bei den Konzeptautos von Red Bull, Ferrari und McLaren für die Formel 1 der Zukunft. Baut sie doch!

Bildergalerie: Formel-1-Konzeptautos

Man würde kein hässliches Supercar bauen, also wieso sollten wir von der Formel 1 weniger erwarten? Ganz besonders bei den Möglichkeiten, die die neuen Regeln für 2017 bieten...

Formel-1-Designstudie: Red Bull nimmt McLaren aufs Korn

Ich schließe mit einer Unterhaltung, die ich mit Peter Setevens, dem Designer des kultigen McLaren F1 hatte, der die aktuellen Nasen als „optische Abscheulichkeiten“ bezeichnete, als sie 2014 auftauchten.

Er meinte, die Aerodynamiker hätten die Kunst, schön aussehende Autos zu bauen, vergessen (oder hätten sie vielleicht nie gelernt) und dass, „es immer eine Möglichkeit gibt, eher eine gute Designlösung zu präsentieren als eine abstoßende“.

Ich stimme ihm zu 100 Prozent zu. Wer unternimmt also etwas?

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