Kwjat holt sich Punkt gegen Gasly: "Habe gekämpft wie ein Tier"

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Kwjat holt sich Punkt gegen Gasly: "Habe gekämpft wie ein Tier"
Autor:
Co-Autor: Erwin Jaeggi
18.03.2019, 10:47

Daniil Kwjat feiert ein gelungenes Comeback bei Toro Rosso mit einem WM-Punkt - Red-Bull-Fahrer Pierre Gasly 20 Runden abgewehrt - Alex Albon beim Debüt auf P14

Daniil Kwjat hat sein Comeback in der Formel 1 mit einem Punkt im Australien-Grand-Prix belohnt. Der Russe präsentierte sich bis auf einen kleinen Ausritt durchs Kiesbett fehlerfrei und hielt Red-Bull-Neuling Pierre Gasly in der Schlussphase des Rennens hinter sich. Teamkollege Alexander Albon hatte im Giovinazzi-Zug wenig Chancen und rechnete bei seinem Debüt nicht mit Punkten, dennoch ist auch er zufrieden mit seiner ersten Vorstellung, die er auf Rang 14 beendete.

"Es ist sehr befriedigend, ein deutlich schnelleres Auto fast das ganze Rennen lang hinter sich zu halten", strahlt Kwjat. Der Russe, der durch eine sehr turbulente Vergangenheit mit Red Bull geprägt wurde und in Melbourne sein Comeback feierte, konnte ausgerechnet den Bullen-Junior Gasly hinter sich halten. "Das war nicht leicht. Wir hatten eine gute Pace und haben auf die Autos vor uns aufgeholt. Aber am Ende musste ich mich gleichzeitig nach vorne und hinten konzentrieren."

Denn der Toro-Rosso-Pilot war von Startplatz 15 ins Rennen gegangen und hat sich in Runde 11 an Gasly vorbeigeschoben. Beide waren zu jenem Zeitpunkt auf gleich alten Medium-Reifen unterwegs. Gemeinsam mit Racing-Point-Pilot Lance Stroll und Gasly setzte er auf einen langen ersten Stint und kam erst in Runde 26 an die Box. Er wurde von Rang sieben auf Platz elf durchgereicht. Gasly stoppte hingegen erst zehn Runden später und ging im zweiten Stint auf Soft-Reifen auf die Strecke, Kwjat war auf Hard unterwegs.

Kwjat strahlt: "Ein wirklich schönes Manöver" gegen Gasly

"Als er aus der Box kam, habe ich ihn überholt, da sah ich, dass er rote Pneus drauf hat. Ich dachte, er würde mich bald wieder schnappen, aber ich musste einfach die Tür für ein paar Runden zuhalten und dann war er in meiner verwirbelten Luft und ich konnte mir ein wenig Abstand verschaffen." Der Red-Bull-Fahrer konnte sich kurz nach dem Boxenstopp nicht verteidigen und den Vorteil der frischeren, weichen Reifen nicht ausnutzen.

"Es war sehr wichtig, keinen Fehler zu machen, da er einen großen Pace-Vorteil hatte. Und ich habe es tatsächlich geschafft, ihn hinter mir zu halten. Das war sehr schön. Das verleiht einem Selbstvertrauen für das ganze Team, dass wir so ein Auto hinter uns halten können. Seit Runde 1 war er mir auf den Fersen und in Runde 58 immer noch, daher war das sehr gut", freut sich Kwjat.

Der Toro-Rosso-Rückkehrer wird daraufhin gefragt, ob er besondere Vorsicht beim Überholen walten ließ - mit dem Wissen, dass er gegen einen Red Bull fährt. "Natürlich habe ich ihm Platz gelassen. Aber das würde ich auch bei allen anderen machen", stellt er klar. "Man kann nicht einfach die Tür zustoßen. Ich habe spät gebremst und konnte ihn in meinem Rückspiegel sehen. Da war er schon hinter mir. Ein wirklich schönes Manöver."

Sechs Sekunden in acht Runden aufgeholt

Zuvor ging ein Überholversuch gegen Racing-Point-Pilot Stroll schief. Kwjat verschätzte sich in Kurve drei und musste über das Kiesbett ausweichen. "Ich habe es probiert, aber das war ein spätes Manöver. Ich bin sehr schnell angeflogen gekommen und hatte DRS offen. Ein spätes Bremsmanöver habe ich versucht, aber das innere Rad blockierte. Das war sehr frustrierend. Ich dachte: 'Oh, vielleicht ist das Rennen jetzt gelaufen'."

Aber Kwjat konnte sich wieder erfangen. Er verlor zwar sechs Sekunden durch den Fehler, konnte den Rückstand auf den Racing Point in acht Runden aber wieder wettmachen. "Ich habe wie ein Tier gepusht und war acht, neun Runden später wieder in seinem Nacken. Das war sehr beeindruckend, um ehrlich zu sein." In den letzten zehn Rennrunden hing er im Heck des rosa Renners und musste sich gleichzeitig gegen den Red Bull wehren.

‘¿’"Das war wirklich nicht einfach. Das war der schwierigste WM-Punkt, den ich je geholt habe", gibt der 24-Jährige ehrlich zu und gesteht sogar, dass er selbst nicht damit gerechnet hat, Gasly das gesamte Rennen über hinter sich halten zu können. "Aber dennoch sehr zufriedenstellend. Ich konnte das gesamte Rennen über ein schnelleres Auto hinter mir halten." Dennoch hat er sich sogar noch etwas mehr erhofft. Mit einem besseren Qualifying wären womöglich noch mehr Punkte drin gewesen, spekuliert der Russe. "Daran müssen wir also arbeiten, aber im Rennen haben wir sehr stark ausgesehen."

Der neue Kwjat: "Fühle mich einfach frisch"

Während er von dem Duell gegen seinen Ex-Rennstall spricht, streut er auch folgenden Satz ein: "Nichts kann mich noch einschüchtern." Der neue Daniil Kwjat präsentiert sich in Australien reifer, souveräner und besonnener. "Ich fühle mich einfach frisch - im Sinne, dass ich ein besserer Fahrer und ein besserer Mensch geworden bin." Schließlich hat er so auch Helmut Marko davon überzeugen können, noch eine Chance bei Toro Rosso zu erhalten.

Bislang laufe der Neustart in der Formel 1 nach Wunsch. Auch wenn er sich erst wieder an die Gegebenheiten anpassen musste. "Wir haben in Barcelona natürlich Rennsimulationen geübt. Aber das ist dennoch nicht das Gleiche. Die Herangehensweise an ein Wochenende ist anders, der Start kommt dazu. Ich habe schon ganz vergessen, wie das eigentlich ist."

Im Gegensatz zu Kwjat konnte sich Rookie Alexander Albon nicht auf seine Erfahrung verlassen. Bei seinem ersten Formel-1-Rennen ging es gleich ordentlich zur Sache. Der Brite mit thailändischen Wurzeln ist dennoch zufrieden mit Platz 14. Ihm wurde sein früher Boxenstopp zum Verhängnis, da er schon in Runde 14 stoppte. Danach hing er hinter dem langsamen Alfa Romeo von Antonio Giovinazzi im Verkehr.

Albon steckte im Giovinazzi-Zug: P14 am Ende

"Wir haben hinter Antonio Zeit verloren - Lando, Grosjean, ich und dann Perez." In vier Runden habe er pro Runde rund drei bis vier Sekunden verloren, schätzt der Neuling. Hinzukommt ein Fahrfehler seinerseits. "Ich hatte leichte Probleme mit überhitzenden Reifen, das Pedal wurde weit und daher bin ich in einer Kurve von der Ideallinie abgekommen. Das war schade. Aber eine gute Erfahrung."

Schließlich ging Sergio Perez an ihm vorbei. Punkte seien für Albon aber auch mit einer anderen Strategie kaum möglich gewesen, glaubt er. "Die Strategie war zwar nicht schlecht, aber wir hatten Pech mit Giovinazzi." Das Problem habe er sich aber schon im Qualifying eingebrockt, wo er Q3 um rund eine Zehntelsekunde verpasste. "Ich musste das gesamte Rennen über kämpfen. Ich befand mich nicht in einer Runde in freier Fahrt."

Alexander Albon

Alex Albon fährt beim Formel-1-Debüt auf P14

Teamchef Franz Tost ist dennoch zufrieden mit dem Auftakt. "Wir haben uns für unterschiedliche Strategien für die Fahrer entschieden: Alex ist auf dem Soft losgefahren, während Daniil auf dem Medium gestartet ist", erklärt er. "Das war die richtige Entscheidung, so konnten wir flexibel bleiben." Das Rennen von Kwjat lobt er außerordentlich: "Daniil ist ein fantastisches Rennen gefahren. Wir dürfen nicht vergessen: Er saß eineinhalb Jahre nicht im Cockpit."

"Auch Alex hat tolle Arbeit geleistet, da dass sein erstes Rennen in der Formel 1 war auf keiner einfachen Strecke." Tost ist zuversichtlich, dass man mit "diesem starken Paket" auch in Bahrain überzeugen kann. Technikchef Jody Egginton stimmt zu: "Was die Pace angeht, war das Rennen für Dani wirklich sehr positiv. Er konnte seinen ersten Stint dank unserer Medium-Hard-Strategie etwas verlängern. Dann hat er im zweiten Stint sehr starke Runden abgespult, um am Ende einen hart erkämpften Punkt mitzunehmen."

Mit Bildmaterial von LAT.

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Rennserie Formel 1
Autor Maria Reyer
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