Chance nicht genutzt: Darum flog Daniil Kwjat bei Red Bull raus

Red Bull hat Daniil Kwjat nach dem Rennen in Austin endgültig vor die Türe gesetzt. Christian Horner erklärt, warum der junge Russe keine Perspektive mehr hatte.

Obwohl der junge Russe für Toro Rosso in Austin ein gutes Rennen ablieferte und einen WM-Punkt holte, war sein Ende kurz darauf besiegelt. Bei Red Bull glaubten die verantwortlichen Personen nicht länger daran, dass er die Wende noch einmal schafft. Red-Bull-Teamchef Horner erklärt, dass man eine Menge Geduld mit Kwjat gehabt habe. Doch nun hat man endgültig kein Interesse mehr an dessen Diensten.

Laut Horner sei Kwjat in den vergangenen Jahren ein "großes Investment" von Red Bull gewesen. 2014 holte man ihn in die Formel 1 und brachte ihn zunächst bei Toro Rosso unter. Horner erinnert: "Er bekam die Möglichkeit, 2015 und Anfang 2016 für Red Bull zu fahren. Die Formel 1 ist ein hartes Geschäft. Leider hat Daniil unserer Meinung nach nicht genug geleistet, um es zu verdienen, seinen Platz zu behalten."

Obwohl Kwjat in der Saison 2015 mehr Punkte als Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo holte, wurde er 2016 nach nur vier Rennen zurück zu Toro Rosso versetzt und durch Max Verstappen ersetzt. Horner dazu: "Wir haben noch immer an ihn geglaubt, und er hat eine zweite Chance bei Toro Rosso bekommen - was in der Formel 1 sehr ungewöhnlich ist." Doch auch diese konnte Kwjat in den Augen der Teamführung nicht nutzen.

Beste Wünsche für die Zukunft

"Du musst die Gelegenheit ergreifen, wenn sie sich bietet", erklärt Horner bei 'Sky Sports F1' und erinnert: "Als Sebastian (Ende 2014; Anm. d. Red.) zu Ferrari ging, bekam Daniil den freien Platz und seine Chance. Ich denke, 2015 hat er einen akzeptablen Job gemacht. 2016 war dann leider ein schwieriges Jahr für ihn." 2017 setzte sich sein Abwärtstrend fort. Vor dem Rennen in Malaysia verlor er sein Toro-Rosso-Cockpit zum ersten Mal.

In Austin kehrte er noch einmal zurück - doch es bleibt bei einem einmaligen Gastspiel. "Ich hoffe, dass er genug geleistet hat, um woanders einen Platz zu finden. Bei Williams ist ja noch ein Platz frei, und ich denke, er wäre ein guter Kandidat für sie", erklärt Horner, und Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost ergänzt: "Er kann sich völlig frei entscheiden, was er jetzt machen möchte." Denn die Verbindung zu Red Bull ist komplett gelöst.

Harte Red-Bull-Schule fordert Opfer

Ex-Teamkollege Carlos Sainz zeigt übrigens Mitleid mit dem jungen Russen. "Daniil und ich standen uns seit unseren Karttagen sehr nah", verrät er und ergänzt: "2009 sind wir am exakt gleichen Tag ins Red-Bull-Programm gekommen." Er hoffe daher ebenfalls, dass Kwjat noch einen Platz für 2018 finden werde. Allerdings sind die Optionen sehr übersichtlich. Außer bei Williams wäre nur noch bei Sauber ein Cockpit frei.

Im Hinblick auf die harte Red-Bull-Schule erklärt Sainz: "Es ist die härteste Plattform, die es gibt. Sie gibt Dir sehr viel, aber sie kann Dir auch alles nehmen." Einerseits gibt Red Bull vielen jungen Piloten die Chance, in der Formel 1 zu fahren. Aber schnell kann der Traum auch wieder vorbei sein. Jean-Eric Vergne, Sebastien Buemi oder Jaime Alguersuari sind nur einige Fahrer, die den Durchbruch nicht schafften - und anschließend nie mehr eine Chance in der Formel 1 bekamen.

Sainz sieht aber auch die positiven Seiten und erklärt: "Es hat mich zu dem Fahrer gemacht, der ich heute bin. Ohne den Druck [...] hätte ich 2014 nicht diesen großen Schritt gemacht und die World Series gewonnen. Der Druck ist enorm. Aber auch 2015 hätte ich mich sonst als Fahrer nicht so entwickelt - und ich wäre jetzt kein Renault-Fahrer." Daniil Kwjat kennt nun auch die andere Seite des Spektrums.

Mit Informationen von Adam Cooper

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