Lando Norris: An einem Punkt wie der mögliche Sieger ausgesehen

War mehr drin für McLaren-Fahrer Lando Norris als "nur" Platz vier im Formel-1-Rennen in Silverstone? Was bei der Boxenpanne genau passiert ist

Lando Norris: An einem Punkt wie der mögliche Sieger ausgesehen

Runde 21 stellte das Formel-1-Rennen von Lando Norris in Silverstone auf den Kopf. Denn der McLaren-Fahrer fuhr auf P3 liegend an die Box, kehrte aber nur als Sechster zurück auf die Strecke - weil er beim Reifenwechsel rund 3,5 Sekunden länger stand als die direkte Konkurrenz. Doch was genau ist bei dieser Boxenpanne eigentlich passiert?

McLaren-Teamchef Andreas Seidl leistet nach dem Grand Prix Aufklärungsarbeit: Nach etlichen sehr guten Boxenstopps in der Formel-1-Saison 2021 sei nun "ein Problem" aufgetreten, so der Deutsche.

Seidl kommt direkt zum Punkt: "Eine Radmutter hat sich verkantet, als wir das Rad [hinten links] montieren wollten. Das hat den Boxenstopp blöderweise auf sechs Sekunden verlängert."

Norris landet hinter "Bremsklotz" Alonso

Die Folge: Norris rutschte nach hinten, nachdem sein direkter Gegner Valtteri Bottas nur eine Runde später den Reifenwechsel eingelegt hatte. Mehr noch: Während sich Bottas hinter Ferrari-Mann Carlos Sainz und auf P4 wieder ins Rennen einsortierte, landete Norris noch hinter Alpine-Vertreter Fernando Alonso auf Zwischenrang sechs.

"Das war das Schlimmste", meint Norris. Denn Alonso, noch auf alten Reifen, habe ihn in der Out-Lap aus der Box aufgehalten. "Ich konnte auf meiner ersten Runde [mit frischen Hard-Reifen] gar keinen Druck machen, zerstörte mir die Reifen und ruinierte mir den kompletten Stint", sagt Norris. "Das waren also zwei Nackenschläge auf einmal."

War da eine Chance auf mehr?

Erst in Runde 23 gelang Norris das Überholmanöver gegen Alonso, doch da war die Entscheidung im Rennen schon gefallen, nicht zu seinen Gunsten. Ob es mit einem normalen Stopp gereicht hätte, um vor Bottas zu bleiben?

Norris wirkt nicht überzeugt: "Die Mercedes waren im zweiten Stint deutlich schneller als alle anderen. Da ist ihnen irgendwie ein Schritt nach vorne gelungen. Ich weiß nicht, was wir hätten erreichen können, aber natürlich hätte ich hier in Silverstone vor den Fans gerne eine Chance gehabt, darum zu kämpfen. Und ich denke, es hätte eine Chance bestanden."

Für einen kurzen Moment schien Norris sogar ein Siegkandidat zu sein, noch vor dem Boxenstopp: Max Verstappen war aus dem Rennen, Lewis Hamilton hatte eine Zehn-Sekunden-Zeitstrafe erhalten, Charles Leclerc an der Spitze meldete Fehlzündungen und Bottas lag hinter ihm. Die Boxenpanne aber zerstörte sämtliche (vagen) Hoffnungen.

"Deshalb bin ich enttäuscht von P4 und zugleich zufrieden mit P4", sagt Norris. "Denn Platz vier ist mehr, als wir vor dem Wochenende erwartet hatten."

P3 möglich? Teamchef Seidl zweifelt

Auch Seidl kann sich mit dem Ergebnis arrangieren und meint: "Wenn wir das Problem nicht gehabt hätten, hätte Valtteri seinen Stint verlängert und so am Ende des Rennens einen Reifenvorteil gehabt. Daher ist es schwer zu sagen, ob wir ihn hätten halten können." Hamilton wäre "so oder so" vorbeigekommen, sagt Seidl. "Da muss man realistisch sein."

Vor allem gelte es laut Norris, die "vielen guten Dinge" zu sehen, die Silverstone für McLaren hervorgebracht habe. Er verweist zum Beispiel auf die Rennstarts, bei denen er jeweils Plätze habe gutmachen können. "Wir haben auch jede Gelegenheit genutzt, um uns in eine bessere Position zu bringen, aber wir hatten nicht die Pace, um mehr rauszuholen."

Außerdem habe McLaren nach dem Sprintrennen am Samstag hin zum Grand Prix am Sonntag eine Formsteigerung hingelegt. "Ich bin dann etwas anders gefahren und habe andere Fahrstile verwendet", sagt Norris.

Missverständnis am Funk zwischen Ingenieur und Norris

Eine weitere Panne aber gab es noch: In der Schlussphase des Rennens kam es zu einem Missverständnis zwischen Norris und Renningenieur Will Joseph: "Er sprach mich am Ende der Geraden an, aber dort ist die Drehzahl sehr hoch und ich habe ihn nur schwer verstanden."

Fernando Alonso im Alpine A521 vor Lando Norris im McLaren MCL35M beim Grand Prix von Großbritannien der Formel 1 2021 in Silverstone in England

Fernando Alonso im Alpine A521 vor Lando Norris im McLaren MCL35M

Foto: Motorsport Images

Während McLaren Norris eigentlich zum Verlangsamen auffordern wollte, verstand Norris, er solle zulegen. "Ich dachte mir, ich bin da nicht sicher, weil ich schon viel riskierte. Es ging aber eigentlich darum, lieber ein Zehntel liegenzulassen. Ich hatte ihn nicht klar verstanden. Es ging allerdings gut aus."

Anders der Boxenstopp, der McLaren noch beschäftigen wird, wie Teamchef Seidl erklärt: "Wir hatten jetzt länger keine verkantete Radmutter mehr. Das müssen wir also genau analysieren, auch die einzelnen Teile. Und dann müssen wir sicherstellen, dass sich das nicht wiederholt."

Kein Vorwurf an die Boxencrew

Er mache der Boxencrew aber ausdrücklich keinen Vorwurf, im Gegenteil: "Wir hatten ein Hardware-Problem. Das hat nichts mit der Leistung der Crew zu tun. Die leistet gute Arbeit, besonders seit zwei Monaten, nachdem wir gute Fortschritte erzielt hatten."

Seidl lobt das "viele Training" der vergangenen zwei Jahre und die "Hardware-Verbesserungen", die McLaren in diesem Zeitraum vorgenommen habe. "Denn so hatten wir zwar einen verzögerten Stopp, aber keine Katastrophe. Natürlich soll sowas nicht vorkommen, aber wenn es trotzdem passiert, dann ist es wenigstens sicher und hält uns im Rennen."

Außerdem habe McLaren erstmals 2021 einen Boxenstopp verpatzt. "Natürlich ist das frustrierend, wenn man um eine solche Position kämpft, aber ich bin trotzdem stolz auf das Team", sagt Seidl. "Wir hatten ein bisschen Pech. Und ich bin mir sicher, die Crew lernt daraus und macht diesen Fehler nicht noch einmal."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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