Lewis Hamilton schreibt Geschichte: Erster Fahrer mit 100 Siegen

Wie die Karriereleistung von Lewis Hamilton in der Formel 1 historisch einzuordnen ist und was Hamilton selbst über den Meilenstein von 100 Rennsiegen sagt

Lewis Hamilton schreibt Geschichte: Erster Fahrer mit 100 Siegen

100 Siege in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Diesen Meilenstein hat Lewis Hamilton beim Russland-Grand-Prix 2021 in Sotschi erreicht, als erster Rennfahrer überhaupt, nachdem er schon 2020 Michael Schumacher als Rekordhalter bei den meisten Siegen abgelöst hatte. Nun also gibt es wieder eine neue, eine sagenhafte Bestmarke.

In welche Dimension Hamilton mit seinen Erfolgen vorstößt, das zeigt ein Blick in die über 70-jährige Formel-1-Historie, in der seit 1950 bisher exakt 1.050 WM-Rennen gefahren wurden. Und Hamilton hat statistisch gesehen (und gerundet) jedes zehnte davon gewonnen.

Mehr noch: Mit inzwischen 100 Siegen führt er die ewige Siegrangliste vor Schumacher (91) an, hat aber fast schon doppelt so viele Siege wie der drittplatzierte Sebastian Vettel (53) oder der viertplatzierte Alain Prost (51) und alleine beinahe genauso viele wie Vettel und Prost zusammen. (Mehr dazu in der Formel-1-Datenbank!)

Verblüffende Hamilton-Zahlen seit 2014

Mit einer Siegquote von knapp 36 Prozent (100 Siege aus 281 Rennen) liegt Hamilton zudem auf P3 der ewigen Bestenliste der Formel-1-Fahrer, die mindestens eine komplette Saison bestritten haben. Vor ihm nur noch Juan Manuel Fangio mit 47 Prozent (24 aus 51) und Alberto Ascari mit 41 Prozent (13 aus 32); nach ihm Jim Clark mit 35 Prozent (25 aus 72) und Schumacher mit 30 Prozent (91 aus 306).

 

Nimmt man nur die Mercedes-Zeit seit Beginn des Turbo-Hybrid-Zeitalters 2014, dann kommt Hamilton sogar auf noch erstaunlichere Zahlen: 152 Rennen, 78 Siege. Ergibt eine Siegquote von 51 Prozent. Und das bedeutet: Hamilton war seit 2014 statistisch in jedem zweiten Rennen der Sieger, bei einer Podestquote von 80 Prozent (Karriere gesamt: 63 Prozent).

Wie Hamilton diesen Erfolg einordnet

Natürlich: In der modernen Formel 1 werden pro Saison mehr Rennen gefahren als jemals zuvor. Die Zuverlässigkeit ist besser denn je, Mercedes' Dominanz auf der Strecke schon im achten Jahr. All das hat Hamiltons Rekordkarriere begünstigt. Und daraus macht er selbst gar keinen Hehl.

Angesprochen auf seine neuerliche Bestleistung zeigt sich Hamilton vor allem dankbar und meint: "Ich bin so stolz auf alles, was wir gemeinsam mit Mercedes erreicht haben, auf und neben der Rennstrecke."

Er schätze vor allem die "Unterstützung der Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, manche seit 18 Jahren", so Hamilton weiter. Er nennt explizit seine Physiotherapeutin Angela, seinen Fahrer Omar und seinen Bodyguard Lloyd.

Dann kommt Hamilton auf seine Familie zu sprechen und ihm stockt kurz die Sprache. Dann sagt er weiter: "Mein Vater hat mich letzte Nacht angerufen, genau wie vor dem ersten Rennen oder vor meinem ersten Titelkampf im Alter von acht Jahren. Er hat mich immer unterstützt, auch in den Momenten, in denen man nicht wusste, ob es klappen würde."

Dafür sei er "unheimlich dankbar", genau wie für die "tolle Unterstützung", die er durch seine "Fans aus aller Welt" erfahre. "Das ist schon seit so langer Zeit absolut magisch", meint Hamilton. "Und ohne sie hätte ich es nicht geschafft."

Toto Wolff glaubt: Erfolg erst im Nachhinein greifbar

Aber wie "magisch" ist Hamiltons Leistung wirklich? Mercedes-Teamchef Toto Wolff glaubt, der einhundertste Formel-1-Sieg werde zunächst ein kurzfristiges Phänomen bleiben. O-Ton: "Der 100. Sieg ist heute und morgen in den Nachrichten, aber dann dreht sich die Welt weiter."

Wolff sagt aber auch: "Wenn wir in vielen Jahren einmal zurückschauen, dann wird es etwas Besonderes sein, ein Teil dieser Reise gewesen zu sein, diese Reise miterlebt zu haben. Denn er ist der Rekordhalter. Und ich glaube: Diese Rekorde sprechen für sich selbst. Er ist einfach der bis dato Beste. Das ist die Wahrheit."

 

Und selbst Hamilton schwärmt: "Ich konnte nur davon träumen, so spät in meiner Karriere immer noch hier zu sein und die Möglichkeit zu haben, Rennen zu gewinnen, und das gegen so phänomenale Talente [wie Lando Norris]."

Wie sehr hatte Hamilton auf den 100. hingefiebert?

Dabei war sein 100. Formel-1-Sieg absehbar gewesen: In Silverstone hatte Hamilton im Sommer den 99. Erfolg sichergestellt. Ob er danach auf die Nummer 100 fixiert gewesen sei?

Hamilton: "In der Sommerpause hatte ich gar nicht viel an den Motorsport gedacht. Da denke ich lieber an andere Dinge. Das Letzte, woran du da denken willst, ist das Racing."

"Aber natürlich: Seit dem Beginn [der zweiten Saisonphase] hatte ich Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis, aber [Red Bull] hat praktisch jedes Rennen gewonnen. Ich wusste nicht, wann es passieren würde. Ich wusste nur, es würde schwierig werden, rein von unserer Pace her."

Seinen jüngsten Sieg in Sotschi stufe er daher als "gut, aber nichts Außergewöhnliches" ein. "Wir müssen weiterarbeiten", sagt Hamilton. "Und ich bin guter Dinge, dass wir in den kommenden Rennen noch etwas mehr Leistung rausholen können. Das hoffe ich zumindest."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Nicholas Latifi nach Motorwechsel: "Q3 war realistisch"
Vorheriger Artikel

Nicholas Latifi nach Motorwechsel: "Q3 war realistisch"

Nächster Artikel

Fernando Alonso: "Podium war aus eigener Kraft möglich"

Fernando Alonso: "Podium war aus eigener Kraft möglich"
Kommentare laden