Lewis Hamilton sicher: Sieg nur über Strategie möglich, nicht durch Speed

Lewis Hamilton glaubt, dass er unter normalen Umständen keine Chance gegen Max Verstappen hat, obwohl sein Mercedes auf den Geraden viel schneller ist

Lewis Hamilton sicher: Sieg nur über Strategie möglich, nicht durch Speed

Groß war die Euphorie nach Lewis Hamiltons erstem Platz im Freitagsqualifying in Silverstone. Umso größer dann aber auch die Enttäuschung nach dem Sprint am Samstag, bei dem er am Start von Max Verstappen überholt wurde und anschließend nicht mehr erfolgreich kontern konnte. Für den Grand Prix von Großbritannien (ab 15:45 Uhr live im Ticker) ist der Optimismus beim Mercedes-Fahrer daher überschaubar.

"Ich glaube nicht, dass Max besonders pushen musste", sagt Hamilton. "Wir hingegen waren auf Vollgas. Wird ein schwieriges Rennen. Wenn ich es irgendwie schaffe, im ersten Stint nicht den Anschluss zu verlieren, dann können wir vielleicht durch die Strategie Druck ausüben. Aber wir werden sie auf der Strecke nicht überholen. Dafür sind sie einfach zu schnell."

Eine überraschende Wende, denn im Qualifying am Freitag hatte Hamilton noch Bestzeit erzielt und wäre ohne einen Fahrfehler in seiner letzten Runde sogar noch um einige Zehntelsekunden schneller gewesen. Im Sprint war nach dem verlorenen Start aber nichts mehr zu retten - zu langsam war der Mercedes F1 W12 E Performance im Vergleich zum Red Bull RB16.

Hamiltons Einschätzung, Verstappen sei im Grunde genommen nur gebummelt, lässt der Sprintsieger aber so nicht stehen: "Ich habe schon gepusht, sonst hätte ich Lewis nicht hinter mir halten können. Das konnte ja jeder sehen. Und meine Reifen haben auch schon Blasen gezogen", sagt Verstappen, von 'Motorsport-Total.com' mit Hamiltons Aussage konfrontiert.

Wie sehr war Red Bull wirklich am Limit?

Allerdings war aus der Zuschauerperspektive sehr wohl zu beobachten, dass Red Bull zumindest nicht am absoluten Limit gewesen sein dürfte. Als man gegen Rennende ein paar Sekunden Vorsprung hatte, wurde Verstappen angewiesen, sich von den Randsteinen fernzuhalten, um die Reifen keinem Risiko auszusetzen. Das kann sich nicht leisten, wer gezwungen ist, auf letzter Rille zu attackieren.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht im Hinblick auf das Rennen dennoch nicht ganz so schwarz wie sein Fahrer. Dass Red Bull drückend überlegen war, "war heute meiner Meinung nach nicht der Fall. Denn Lewis konnte sich die ersten paar Runden im DRS-Abstand halten, und dann blieb der Abstand lange bei eineinhalb Sekunden."

Mercedes' größter Joker könnte das Set-up sein. Für den Jäger ist ein guter Topspeed wichtig, um den Gejagten eventuell auf den Geraden attackieren zu können. Und da ist Hamilton gut aufgestellt. In der Messung am Freitag schaffte er 330,7 km/h Spitze und lag damit auf Platz eins. Verstappen wurde nur mit 320,9 km/h geblitzt. Langsamer als alle anderen 19 Fahrer.

Horner: "Völlig unterschiedliche Zugänge"

"Wir sind schnell in den Kurven, sie sind schnell auf den Geraden", erklärt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Es sind völlig unterschiedliche Zugänge, auf die Rundenzeit zu kommen. Aber auf den Geraden sind sie mit der Flügeleinstellung, die sie fahren, extrem schnell. Man kann die Unterschiede und die Stärken und Schwächen sehr gut sehen."

Was Verstappen Sorge bereitet: "Wir dürfen am Auto ja nichts mehr machen. In den Kurven sind wir schnell. Das müssen wir im Rennen auch sein. Aber mit dem Topspeed ist es so, dass du nach dem ersten Training nichts mehr ändern darfst, und da sind wir jetzt in einer schwierigen Position. Damit müssen wir leben. Ich glaube trotzdem, dass wir ein starkes Rennen haben können."

 

Immerhin: Das Untersteuern, das am Freitag einer der Gründe für den Speednachteil im Vergleich zu Hamilton war, scheint auskuriert zu sein. "Das war weg", nickt Verstappen. "Dazu muss man aber sagen, dass du im Rennen in den Kurven halt nicht so schnell bist wie im Qualifying. Das hat uns möglicherweise ein bisschen geholfen."

Verstappen schlägt Änderungen am Format vor

"Vielleicht müssen wir den Zeitplan nochmal überdenken", fordert er. "Dass wir zwar ein FT2 fahren, da aber nichts mehr ändern dürfen, halte ich für falsch. Das ist jetzt ein bisschen Glückssache, weil du nur noch ein Training hast, um dein Set-up zu treffen. Manchmal wirst du es gut hinkriegen, manchmal nicht."

"Bisher hat uns das an diesem Wochenende jedenfalls nicht geholfen", sagt der 23-Jährige und ergänzt: "Wenn ich es nochmal neu machen könnte, dann würde ich mich für ein bisschen mehr Topspeed entscheiden."

Genauso entscheidend wie der Topspeed könnte im Rennen über 52 Runden die Reifenstrategie werden. Anders als bei anderen Grands Prix, wo am Start von den Top 10 jener Reifensatz gefahren werden muss, mit dem ein Fahrer in Q2 seine persönliche Bestzeit erzielt hat, herrscht unter dem neuen Modus freie Reifenwahl.

In Sachen Verschleiß, hat Horner beobachtet, liege nur "sehr wenig" zwischen dem Red Bull und dem Mercedes, aber: "Ich glaube, dass wir ein kleines bisschen besser ausgesehen haben als Lewis." Das könnte gerade bei vollen Tanks zu Beginn des Rennens, wenn die Energie in den Reifen am höchsten ist, auf lange Sicht ein Vorteil für Verstappen sein.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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