Von Liberty nicht erwünscht: Ecclestone übersiedelt in die Schweiz

Der entmachtete Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist auch aus der Rente heraus immer für einen flotten Spruch gut.

"Sie haben mir eine so hohe Position innerhalb der Firma gegeben, dass ich gar nicht mehr sehen kann, was da unten alles passiert", meint er voller Sarkasmus in einem Interview mit der 'Daily Mail', bezugnehmend auf seinen Titel als Ehrenpräsident.

Titel hin oder her: De facto wurde der 86-Jährige vom neuen Eigentümer Liberty Media entmachtet und komplett aus dem Tagesgeschäft entfernt. Dass er nur noch vereinzelt bei Grands Prix auftaucht, ist so gewünscht. Man möchte nicht mehr mit Ecclestone und seinen früheren Machenschaften assoziiert werden.

Das geht so weit, dass man ihm an den Rennwochenenden nicht einmal mehr ein Büro anbietet: "Chase (Carey; Anm. d. Red.) hat den Mädels im Büro eine Nachricht geschickt, sie sollen mir bitte ausrichten, dass sie an den Rennstrecken nicht genug Büros haben. Nur die, die sie vom jeweiligen Veranstalter bekommen." Und die seien reserviert für Carey sowie seine Kollegen Ross Brawn und Sean Bratches.

Diese Ausgrenzung führt dazu, dass Ecclestone nach acht Jahrzehnten sein Büro in London räumt und mit Ehefrau Fabiana in die Schweiz übersiedelt. Dort möchte er in Gstaad sesshaft werden. "Der Plan war vor Jahren, dass ich dort ein Haus baue und mit den Formel-1-Büros hinziehe. Ich konnte aber die ganzen Leute nicht überreden, aus England wegzugehen." Daher wurde der Plan auf Eis gelegt.

Ecclestone, der ohnehin schon einen Schweizer Wohnsitz hat, wird ein paar seiner engsten Mitarbeiter mitnehmen. London kehrt er weitgehend den Rücken; stattdessen möchte er mehr Zeit in der Heimat seiner Ehefrau, Brasilien, verbringen. Dort betreiben die Ecclestones unter anderem ihre eigene Kaffeefarm. "Aber die Schweiz wird mein Hauptwohnsitz sein", sagt er.

 

Bernie Ecclestone mit Ehefrau Fabiana
Bernie Ecclestone mit Ehefrau Fabiana

Foto Charles Coates / LAT Images

Ecclestone hat sein Londoner Büro einst von einem saudi-arabischen Waffenhändler gekauft, berichtet die 'Daily Mail'. Dass er es jetzt räumen muss, löst sogar bei dem hartgesottenen Geschäftsmann ein Gefühl von Wehmut aus: "Ich tut schon ein bisschen weh, nicht mehr in die Formel 1 involviert zu sein. Aber man gewöhnt sich dran."

"Ich habe ja nicht gekündigt, sondern ich wurde gefeuert", betont er - und erinnert sich, wie er an einem Sonntag von Carey angerufen und gebeten wurde, ins Büro zu kommen. Dort habe Carey dann tags darauf zu ihm gesagt: "Du musst als Geschäftsführer zurücktreten. Den Job will ich!"

Was Ecclestone akzeptierte: "Ich sagte zu ihm: 'Wenn du ein Auto kaufst, sollst du es selbst fahren!' Also trat ich zurück. Sie hatten schon alle Unterlagen vorbereitet. Ich war überrascht, denn davor hatten sie mir gesagt, dass ich noch im Rahmen eines Dreijahresvertrags bleiben sollte. Ich hätte da einen Aufstand machen können. Aber das wollte ich nicht."

Ecclestones Macht in der Formel 1 entstand in den 1970er-Jahren, als er die FOCA (Formula One Contructors Association) gründete und innerhalb dieser Vereinigung das Ruder an sich riss. Mit der Vermarktung von TV-Rechten scheffelte er für sich selbst und die Teams ein Vermögen.

Seine Regentschaft endete am 23. Januar 2017, kurz nach der Übernahme der Formel 1 durch Liberty Media.

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