Mattia Binotto: WM-Titel für Ferrari noch "weit weg"

Warum Ferrari-Teamchef Mattia Binotto nichts von der Favoritenrolle für die Formel-1-Saison 2022 wissen will und warum der F1-75 gut mit dem Porpoising klarkommt

Ferrari führt beim Europa-Auftakt der Formel-1-Saison in beiden WM-Gesamtwertungen. Das hat es schon einige Jahre nicht mehr gegeben. Trotzdem weist Teamchef Mattia Binotto die Favoritenrolle von sich: Die Ausgangslage in den Formel-1-Tabellen fühle sich "sicherlich gut" an, so der Italiener. "Uns ist aber bewusst: Es ist noch ein langer Weg, auch wenn wir einen guten Saisonauftakt hatten."

Denn die wahre Leistungsfähigkeit der einzelnen Fahrzeuge sei noch nicht vollends klar, betont Binotto: "Ich selbst habe bei der Vorstellung des Autos gesagt, es wird mindestens fünf Rennen dauern, bis wir wissen, wie viel Potenzial die einzelnen Fahrzeuge haben. Daher sage ich jetzt: Es ist noch zu früh für ein finales Urteil zum Kräfteverhältnis."

Es dauere womöglich bis zum sechsten Saisonlauf in Barcelona, bis "klarer" sei, wer wo stehe. Denn dann, so Binotto weiter, dürften die meisten Teams auch größere Updates eingesetzt haben. "Und dann werden wir sehen, wie gut unser Paket wirklich ist."

Binotto glaubt: Entwicklung wird Kräfteverhältnis verzerren

Bisher sei Ferrari "zufrieden" mit dem Saisonverlauf und der Führung in beiden Wertungen. "Doch wie gesagt: Es ist nur ein guter Start, der Weg ist noch lang. Das Kräfteverhältnis könnte sehr schnell kippen", sagt Binotto.

Ein entscheidender Faktor dabei könnte das sogenannte Porpoising oder Bouncing sein, das Hüpfen der Fahrzeuge auf den Geraden. Der Ferrari F1-75 leidet genauso darunter wie die meisten anderen Autos im Formel-1-Feld, aber der Ferrari scheint das Phänomen wesentlich besser wegzustecken als zum Beispiel der Mercedes W13.

Ob Binotto eine Erklärung dafür hat? Er verneint in der Pressekonferenz von Imola und meint: "Ich weiß nicht, wie das möglich ist. Keine Ahnung, weshalb die anderen [Teams] mit dem Porpoising nicht so schnell sind wie wir."

Ferrari: Porpoising "einfach akzeptieren" oder ...

Ferrari befasse sich sei den Wintertestfahrten intensiv damit, das Bouncing abzustellen. "Wir haben etwas am Auto verändert, um die Auswirkungen abzumildern, aber es noch nicht gelöst", sagt Binotto. "Und es ist immer ein Kompromiss zwischen einer Problemlösung und der Preisgabe von Leistung. Oder: Du akzeptierst das Porpoising und holst das Beste aus dem Auto heraus."

Letzteres sei zwar "alles andere als ideal, vor allem nicht für die Fahrer im Auto", meint Binotto, denn gerade bei der Vorbereitung auf die Kurvenfahrt komme ein hüpfendes Fahrzeug sehr ungelegen. "Das ist uns klar", so der Ferrari-Teamchef. "Wir sind aber dran, das Auto so weiterzuentwickeln, damit wir es endgültig wegkriegen."

Gerade im Spitzenduell mit Red Bull komme es auf solche Nuancen an. Doch Binotto befürchtet nicht, gegen das Team um Max Verstappen ins Hintertreffen zu geraten, obwohl der RB18 phasenweise einen klar überlegenen Topspeed bewiesen hat. Zumal Red Bull zuletzt in Australien auf einen Heckflügel für mehr Abtrieb gesetzt habe.

"Wir fahren weiter mit ähnlichen Flügeln [wie bisher] und sind ähnlich gut dabei", sagt Binotto. "Ich sehe da also keinen großen Unterschied. Wir wissen, wir können unsere Flügel noch effizienter machen. Und ich rechne nicht mit Problemen auf bestimmten Strecken. Wir werden die notwendigen Flügel für mittelschnelle und langsame Kurse bereithaben. Dann geht es nur noch um den Kompromiss [bei der Abstimmung] für die Rennpace und den Reifenverschleiß."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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