McLaren erkennt "kleine Fortschritte" im Training in Melbourne

Warum McLaren nach dem Freitagstraining der Formel 1 2022 in Australien von "kleinen Fortschritten" mit dem MCL36 spricht und was das Wochenend-Ziel ist

McLaren-Rennleiter Andrea Stella spricht von einem "sehr produktiven" Formel-1-Freitag in Melbourne. Sein Team habe "kleine Fortschritte" erzielt und peile nun an, die Leistung vom Trainingsauftakt zu konsolidieren und auch am Samstag und am Sonntag in die Top 10 zu fahren und um Punkte zu kämpfen, so formuliert er es selbst. Doch warum herrscht auf einmal so großer Optimismus bei McLaren?

Eine Teilantwort gibt der Blick auf die Ergebnisse im ersten Freien Training und im zweiten Freien Training zum Grand Prix von Australien 2022 in Melbourne (alle Einheiten hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!), denn Lando Norris und Daniel Ricciardo fuhren jeweils beide unter die Top 10. Rückstand: 1,0 bis 1,1 Sekunden für das besser klassierte Auto.

Damit und mit dem Auftreten insgesamt zeigt sich Teamchef Andreas Seidl im Gespräch mit dem 'ORF' "wirklich zufrieden" und meint: "Wir haben ab dem ersten Versuch gesehen, dass wir im Vergleich zu Saudi-Arabien wieder einen Schritt gemacht haben. Das haben wir in der zweiten Einheit bestätigt."

Wie sich McLaren den Aufschwung erklärt

Einerseits komme der Albert Park Circuit dem MCL36-Mercedes mehr entgegen als zum Beispiel der Bahrain International Circuit. Andererseits wisse das Team das Auto immer besser einzusetzen, meint Seidl. O-Ton: "Ich glaube einfach, je mehr Runden wir fahren, umso mehr verstehen wir das Fahrzeug."

Außerdem habe man das Handicap der verpatzten Testfahrten vor Saisonbeginn allmählich wettgemacht. Bei den Wintertests in Bahrain hatte McLaren aufgrund von Bremsproblemen "viel Laufzeit verpasst", sagt Seidl. "Jetzt profitieren wir davon, dass wir zwei Wochenenden absolvieren konnten."

Und Ricciardo zeigt sich erstmals "zufrieden" mit dem Gefühl, das ihm das Fahrzeug auf der Strecke vermittelt. Er spricht ebenfalls von einem "ordentlichen Tag" in Melbourne und sagt: "Immerhin sind wir dabei. Und mit den Medium-Reifen fühlte es sich [sogar] gut an. Ich denke, das kriegen wir auch mit dem Soft hin. Also ja: Ich bin zufrieden, wo wir stehen. Hoffentlich gelingt es uns, in den Top 10 zu bleiben."

Norris: Es ist besser, ja, aber ...

Doch sein McLaren-Teamkollege Norris will nicht zu viel Euphorie versprühen. Das Resultat am Freitag in Australien sehe "ordentlich" aus, sei aber "nicht herausragend", so formuliert er es. Dann aber fügt er hinzu: "Wahrscheinlich war es unser bisher bester Freitag [in diesem Jahr], also hoffe ich, dieser Trend setzt sich am Samstag fort, denn wir haben ein gutes Gefühl."

Norris macht den McLaren-Aufschwung, wie Seidl, an den Erkenntnissen der vergangenen Wochen fest: "Wir haben einiges gelernt und das umgesetzt. Das funktioniert ziemlich gut. Es ist ein kleiner Fortschritt, ein guter Start. Hoffentlich können wir weitere Steigerungen folgen lassen."

Die Strecke im Albert Park helfe ebenfalls. "Hoffentlich kommen jetzt mehr Kurse, die eher so sind wie Saudi-Arabien und Australien", meint Norris. Er hoffe, Bahrain erweise sich im Nachhinein "einfach nur [als] ein schlechtes Wochenende für uns". Denn: "Wir bewegen uns in die richtige Richtung, aber liegen halt immer noch weit zurück."

Weshalb McLaren keine großen Sprünge macht

Daran ändere auch das solide Trainingsergebnis in Australien nichts. Bei McLaren gehe es nämlich nur mit "kleinen Details" voran, so Norris weiter. Die Steigerung falle "im Bereich von einem Zehntel" aus. "Es gibt nichts, was uns eine halbe oder eine ganze Sekunde [schneller] machen würde. Wir holen [schon] alles aus dem Auto heraus."

Hier pflichtet Ricciardo seinem McLaren-Teamkollegen bei und versichert, er sei "beim Fahren am Limit" gewesen. O-Ton: "Ich habe keine Sekunde mehr in der Tasche. Ein bisschen was aber geht noch im weiteren Verlauf der Veranstaltung."

Als positiv vermerkt Ricciardo, wie er sich speziell im zweiten Training auf Medium-Reifen bewegt habe. Er nennt es einen "guten Fortschritt", mit dem er "zufrieden" gewesen sei.

"Manchmal hörte ich P2 oder P3", sagt Ricciardo. "Wir waren mal eine Weile vorne dabei. Es war schön, in dieser Region der Zeitentabelle notiert zu werden. Keine Ahnung, was die anderen da gemacht haben mit ihren Reifen, aber wir waren in dieser Phase konkurrenzfähig."

Einzig die Leistung auf weichen Reifen lasse noch zu wünschen übrig: "Mit Soft", meint Ricciardo, "haben wir nicht so viel gefunden, da kommt also noch was."

McLaren hat jetzt einen "klaren Plan"

Gleiches gelte mittelfristig für die Weiterentwicklung des McLaren MCL36, versichert Teamchef Seidl: "Wir geben alles und haben einen klaren Plan, wie wir das Auto schneller machen wollen."

"Wichtig war vor allem, dass wir erkannt haben, wie wir das hinkriegen können. Diesen Plan müssen wir nun umsetzen. Das wird Zeit kosten. Während man also geduldig ist, muss man auch den Ehrgeiz haben, die Updates so schnell wie möglich einzusetzen. Nebenbei versuchen wir, möglichst viele Punkte mit dem aktuellen Paket zu holen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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