McLaren hofft auf Q3-Einzug in Imola: Ferrari & AlphaTauri die großen Gegner

McLaren-Teamchef Andreas Seidl analysiert, warum sein Team am Trainingsfreitag in Imola noch nicht zufrieden ist mit der Performance des MCL35M

McLaren hofft auf Q3-Einzug in Imola: Ferrari & AlphaTauri die großen Gegner

Das McLaren-Team landet am Trainingsfreitag in Imola auf den Rängen acht (Lando Norris) und 18. (Daniel Ricciardo). Beide Piloten sind mit der Performance ihres MCL35M in den ersten beiden Trainings noch nicht zufrieden, berichtet Teamchef Andreas Seidl. Er verrät, welches Ziel seine Truppe dennoch am Samstag im Qualifying ins Visier nimmt.

"Auf eine Runde sind wir nicht ganz zufrieden, ganz klar. AlphaTauri verdammt stark, Ferrari verdammt stark. Von daher haben wir da heute Abend noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen", fällt das Resümee des McLaren-Teamchefs im 'ORF'-Interview nach insgesamt 86 Runden durchwachsen aus.

"Beide Fahrer sind nach wie vor nicht ganz zufrieden mit der Balance des Autos über die ganze Runde. Da müssen wir einfach schauen, grad für die mittelschnellen Passagen Performance finden mit der ein oder anderen Veränderung am Auto", erklärt Seidl.

Schnelle Runde von Ricciardo gestrichen

Er erinnert sich, dass McLaren schon im Vorjahr auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari Mühe hatte, überhaupt in das finale Qualifying-Segment einzuziehen. Norris und Ex-Pilot Carlos Sainz landeten 2020 auf den Rängen neun und zehn.

"Im Moment sieht's so aus, als hätten wir morgen die gleichen Herausforderungen. Aber wie gesagt, es ist Freitag. Heute haben wir eine ganze Nacht, um Änderungen zu machen", bleibt Seidl optimistisch. "Es ist nicht einfach, das Auto ist noch nicht wirklich großartig", stimmt Norris zu.

Der McLaren sei in Imola generell schwieriger anzupassen als in Bahrain. "Es ist ein wenig schwieriger, aber das haben wir schon vom Vorjahr erwartet, wir hatten da auch mehr Probleme als in Bahrain. Auf manchen Strecken läuft das Auto einfach besser - und auf dieser hier scheint es für uns härter zu sein."

Das ist auch Neuling Daniel Ricciardo aufgefallen. Nach seinem zweiten Trainingsfreitag muss er feststellen: "Wir müssen ein paar Änderungen vornehmen, um es morgen komfortabel ins Q3 zu schaffen - weil noch sind wir nicht dort." Er wolle noch konkurrenzfähiger sein am Samstag.

Während Norris mit seiner Verbesserung vom ersten hin zum zweiten Training (1,450 Sekunden aufgeholt) zufrieden ist, grübelt Ricciardo. Ihm wurde seine beste Rundenzeit aufgrund der Tracklimits in Kurve 9 gestrichen, deshalb landete er nur auf dem 18. Gesamtrang.

Die gestrichene Rundenzeit (1:16.782 Minuten) hätte für Platz zwölf gereicht, er war nur drei Zehntelsekunden langsamer als Teamkollege Norris. "Das war eine herausfordernde Session, und eine Runde wurde mir gestrichen. Das war so knapp in Kurve 9, aber gut zu wissen, damit ich es morgen nicht noch einmal mache."

Kein Boxenfunk, mehrere Unterbrechungen

Die Umstände am Trainingsfreitag in Italien waren alles andere als einfach. Zu Beginn des ersten Trainings wirkten sich technische Probleme in der TV-Übertragung und am Boxenfunk negativ auf die Arbeit der Teams aus. "Das war eine zusätzliche Herausforderung, weil wir eben nicht an allen Stellen auf der Strecke mit [den Fahrern] sprechen konnten", verrät Seidl.

Aufgrund der verkürzten Trainingszeit im neuen Jahr standen den Piloten insgesamt nur zwei Stunden zur Verfügung. "Das Letzte, was du natürlich willst, ist eine zusätzliche Unterbrechung mit einer roten Flagge", merkt der Bayer im 'Sky'-Gespräch an.

Sowohl im ersten als auch am Nachmittag im zweiten Freien Training kam die rote Flagge zum Einsatz: In FT1 kollidierten Sergio Perez und Esteban Ocon, außerdem krachte Nikita Masepin in die Mauer. In FT2 setzte Charles Leclerc in T18 seinen Ferrari in die Bande.

"Es trifft zum Glück alle Teams in der gleichen Art und Weise, aber es ist natürlich nicht ideal, wenn wir hier zusätzliche Minuten verlieren. Aber am Ende ist es die gleiche Herausforderung für alle." Am Vormittag wurde das Team durch die längere Unterbrechung aus der Arbeit an der Grundabstimmung gerissen.

McLaren habe in FT1 "Basis-Set-up-Arbeit gerade für diese spezielle Strecke hier mit den hohen Kerbs und so weiter" betrieben, plaudert Seidl im 'ORF' aus. Zumindest die Basisarbeit konnten Norris und Ricciardo aber schon im McLaren-Simulator in Woking durchführen.

"Die Daten aus dem letzten Jahr plus die Arbeit im Simulator, das ist die grundsätzliche Vorbereitung immer für jedes Event, auf das wir gehen. Beide Fahrer waren nach dem Rennen in Bahrain zurück in Woking im Simulator und haben sich zusammen mit ihren Ingenieuren intensiv auf dieses Wochenende vorbereitet."

Strecke in Imola "wie eine alte Piste in Großbritannien"

Trotz dieser akribischen Vorbereitung liegt es dann am Team an der Rennstrecke, Feinheiten zu justieren und den Boliden schließlich optimal auf die speziellen Gegebenheiten am Rennwochenende abzustimmen. Etwa spielen dabei die Umgebungstemperaturen eine große Rolle, am Freitag war es relativ frisch.

"Es war nicht einfach da draußen für die Jungs, es war sehr kalt", merkt Seidl an. Dennoch "liebe" er die Rennstrecke mit ihren Kiesbetten und dem schmalen Asphaltband. "Das bringt ein paar Herausforderungen mit sich."

Norris stimmt zu: "Es macht viel Spaß. Die Strecke ist ganz anders als Bahrain, viel enger, mit mehr schnellen und mittelschnellen Kurven - eine gute Challenge für uns Fahrer. Es ist schwierig, eine schnelle Runde zusammenzukriegen, weil es recht wellig, schmal und knifflig ist."

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo hofft, noch ein wenig mehr Pace im MCL35M zu finden

Foto: Motorsport Images

Ricciardo ergänzt: "Die Strecke hier ist wie eine alte britische Piste, das mag ich sehr." Dennoch weiß der Routinier, wie wichtig das Ergebnis im Qualifying in Imola ist, denn Überholmöglichkeiten sind auf dem schmalen Kurs rar. Die FIA hat im Vorfeld extra die DRS-Zone verlängert.

"Das ist definitiv eine gute Sache, dass sie die DRS-Zone in diesem Jahr um hundert Meter verlängert haben. Das wird uns helfen, dennoch wird es schwierig. Auch in Kurve 18 haben wir heute viele Fehler gesehen", merkt Ricciardo an. In der letzten Kurve flog etwa Rookie Nikita Masepin ab.

"Wenn man im Rennen also jemanden unter Druck setzt und der Vordermann dort einen Fehler macht, dann kommt man vielleicht vorbei. Anderswo wird es ziemlich schwierig." Umso entscheidender könnte ein gutes Ergebnis am Samstag werden.

Ferrari und AlphaTauri "sehen stark aus"

Das weiß auch der Australier: "Wir können es uns nicht leisten, zu weit zurückzufallen morgen Nachmittag. Ich werde mich auf die Performance auf eine Runde fokussieren und versuchen, mich möglichst weit vorne zu platzieren, ein wenig wie im Vorjahr. Da waren wir da, als es zählte. Das hat uns aufs Podium gebracht."

Ein weiteres Thema, das am Freitag diskutiert wurde: die Pirelli-Reifen. Mercedes-Pilot Valtteri Bottas überraschte die Konkurrenz mit seiner Tagesbestzeit - aufgestellt auf dem härteren Medium-Reifen. "Zumindest bei diesen Temperaturen heute, sieht es so aus, als wäre der Unterschied zwischen dem Soft- und dem Medium-Reifen nicht groß", meint Seidl.

Der Kurs in der Emilia-Romagna beansprucht die Gummis kaum, weshalb die Piloten auf dem weichen Reifen teilweise zwei schnelle Runden hintereinander fahren konnten. Das eröffnet neue taktische Möglichkeiten für das Zeittraining am Samstag.

"Wir haben heute viele Daten gesammelt, daher müssen wir uns heute Abend überlegen, was wir morgen im Qualifying bei ähnlichen Bedingungen machen." Für Mittelfeldteams wie McLaren könnte sich in Q2 ein Poker mit den härteren Medium-Reifen auszahlen, die einen Vorteil am Start des Rennens versprechen. "Das müssen wir uns anschauen."

Was erwartet der Teamchef vom Qualifying? "Wird interessant sein, wie wir uns schlagen können", ist auch Seidl gespannt. Mit den Rundenzeiten war er noch nicht ganz zufrieden, vor allem die italienische Konkurrenz von AlphaTauri und Ferrari scheint in Imola die Nase vorn zu haben.

"Pierre hat wieder sehr stark ausgeschaut", ist dem Deutschen nicht entgangen. Gasly stellte den AT02 auf den dritten Platz, der Franzose war um nur 0,078 Sekunden langsamer als die Bottas-Bestzeit. Yuki Tsunoda auf Platz sieben rundete ein starkes Gesamtergebnis der Truppe aus Faenza ab.

Norris: Ferrari ein "wenig schneller als erwartet"

"Ferrari war auch bei der Musik. Im Moment sind wir da noch nicht ganz dabei." Die Roten reihten sich trotz des Unfalls von Leclerc am Ende auf den Rängen vier und fünf ein. McLaren fehlte auf die beste AlphaTauri-Zeit acht Zehntelsekunden, auf die schnellste Ferrari-Zeit sechs Zehntel.

"Die sind noch ein wenig schneller, als wir erwartet hatten", gibt Norris mit Blick auf die Zeitentabelle zu, vor allem die Scuderia hat er nicht ganz so stark eingeschätzt. "Wir wussten schon, dass sie bei manchen Rennen vor uns liegen würden."

Denn: "Das ist Ferrari. Wenn ein Team im Moment große Fortschritte macht, dann sind sie es. Das ist keine Überraschung, kein Schock." Ralf Schumacher analysiert bei 'Sky' außerdem: "Ich glaube, dass AlphaTauri hier sehr stark ist."

"Die Performance ist da, die kennen sich hier aus und das Auto hat wieder eine kleine Veränderung mitgebracht. Ich denke, die werden euch ziemlich nah auf den Pelz rücken dieses Wochenende", richtet er Seidl aus.

In Bahrain konnte die Red-Bull-Juniormannschaft aufgrund eines Zwischenfalls zwischen Gasly und Ricciardo in der Startphase nicht ganz zeigen, wie stark sie sind. Das weiß auch der McLaren-Teamchef: "Von daher ist es einfach wichtig: Kopf runter, hart weiterarbeiten und auf uns selbst konzentrieren."

Seine Zielsetzung für das Qualifying lautet daher: "Unser Ziel ist immer, in das Q3 zu kommen. Und dann am Sonntag in einer guten Position zu sein und wieder um gute Punkte zu kämpfen. Aber wir haben starke Gegner. Wir werden heute Nacht alles geben, um morgen wieder bei der Musik zu sein."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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