Prestige und Geld: Ferrari und McLaren kämpfen um P3 in der WM

Im Schatten des WM-Duells tragen McLaren und Ferrari in der Formel 1 ihren eigenen Wettstreit um die Rolle als dritte Kraft aus - McLaren muss, Ferrari kann?

Prestige und Geld: Ferrari und McLaren kämpfen um P3 in der WM

Während Red Bull und Mercedes die WM-Titel in der Formel-1-Saison 2021 unter sich ausmachen, ist der Kampf um den Titel als "best of the rest" unmittelbar dahinter nicht weniger spannend. McLaren und Ferrari liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Duell, das noch bis Saisonende andauern dürfte. Auch beim Steiermark-Grand-Prix in Spielberg lagen beide Teams eng beieinander.

Das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Traditionsteams wechselt dabei nicht nur teilweise von Strecke zu Strecke, sondern auch von Tag zu Tag. Denn während McLaren bislang im Schnitt eher schwächer im Qualifying war, dafür aber im Rennen aufdrehte, war es bei Ferrari in dieser Saison meist genau andersherum.

In Spielberg aber kehrten sich diese Vorzeichen um. Lando Norris fuhr seinen McLaren im Qualifying auf Rang vier und stellte damit die beiden Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz in den Schatten.

Ferrari noch zwölf Punkte hinter McLaren

Dafür war die Scuderia im Rennen plötzlich besser. Leclerc arbeitete sich trotz eines Frontflügelwechsels nach der ersten Runde noch bis auf Rang sieben nach vorne, Sainz wurde trotz Startplatz Zwölf am Ende Sechster.

Obwohl Norris Fünfter wurde, knabberte Ferrari vier Punkte vom Rückstand in der Konstrukteurs-WM ab. Zwölf Punkte trennen beide Teams noch. "Bei ihnen geht es ziemlich auf und ab", sagt Norris über Konkurrent Ferrari. Doch der Brite rechnet fest damit, dass die Scuderia ihre Probleme in den Griff bekommt.

"Sie haben immer noch große Probleme auf den Geraden, aber auf den GPS-Daten sehen wir, dass sie in den Kurven zu den Besten gehören", schildert der 21-Jährige. Auf dem Red-Bull-Ring kam das Leistungsdefizit bei den roten Rennern eher zur Geltung, auf anderen Strecken jedoch - etwa in Ungarn - dürften die Stärken voll zum Tragen kommen. Das weiß auch Norris.

Norris: Ferrari wird fliegen

"Sie sind eine große Bedrohung", stellt der WM-Vierte klar. Sein Team müsse weiter hart arbeiten, um diese Gefahr abzuwehren. Denn es sei nur eine Frage der Zeit, bis Ferrari noch besser werde. "Sobald sie alles zusammenkriegen, werden sie mühelos vor uns sein", ist Norris überzeugt: "Wenn sie ihre Probleme in den Rennen aussortiert kriegen, werden sie fliegen."

Doch ob Dritter oder Vierter am Saisonende, für Ferrari-Teamchef Mattia Binotto ist das laut eigener Aussage nur zweitrangig. "Vielleicht überrasche ich alle, aber wie ich es schon am Anfang der Saison gesagt habe, ist es unser Hauptziel, als Team Fortschritte zu machen mit Blick auf nächstes Jahr und die kommenden Jahre. Wir wollen in jedem Bereich besser werden und aus Fehlern wie in Frankreich lernen", erklärt Binotto.

In Le Castellet erlebte Ferrari sein Waterloo und fiel nach einem Horrorrennen mit extremem Reifenverschleiß trotz eines guten Qualifyings aus den Punkten heraus. Die Woche bis zum Rennen in Spielberg nutzte das Team zur intensiven Analyse, wenngleich gewisse Charakteristiken des Autos wohl nicht mehr verändert werden können.

Binotto: P3 nett, aber nicht das Hauptziel

Wichtig sei es für Binotto zudem, dass Leclerc und Sainz für sich einen guten Job machen. "Ich bewerte nicht die anderen, das habe ich nie und damit werde ich jetzt auch nicht anfangen. Ich bewerte uns selbst und da kann ich nur sagen, dass ich sehr stolz bin, wie die Fahrer sich ins Team einbringen, mit ihrem Verhalten und ihrer Leistung", lobt Binotto. Wenn dann Platz drei herausspringt, gerne, "aber das sollte nicht unser Hauptziel sein".

Apropos Fahrer: für McLaren könnte es im Kampf mit Ferrari zum großen Problem werden, dass Daniel Ricciardo seiner Form hinterherfährt. Der Australier steuerte bislang 34 der 120 Punkte bei, was gerade einmal 28,3 Prozent entspricht. In Spielberg blieb er zum zweiten Mal in dieser Saison ohne Zähler. Norris gibt mit 71,7 Prozent der Punkte also nahezu den Alleinunterhalter. Nur bei AlphaTauri ist die Verteilung ungleichmäßiger.

Bei Ferrari ist es hingegen deutlich ausgeglichener. Die Punkte teilen sich im Verhältnis 53,7 Prozent (Leclerc) zu 46,3 Prozent (Sainz) auf. Hier hat die Scuderia möglicherweise den Trumpf, im Zweifel mit beiden Fahrern rechnen zu können.

P3 in der WM: McLaren muss, Ferrari kann?

Insgesamt ist klar erkennbar, dass McLaren den dritten Platz - zumindest in der offiziellen Kommunikation - deutlich mehr will oder braucht als Ferrari. Neben Prestige geht es auch um bares Geld, der Preisgeldunterschied zwischen Platz drei und vier dürfte bei etwa acht Millionen Dollar liegen. Die genauen Werte sind abhängig vom Gesamtumsatz der Formel 1.

In Spielberg war die strategische Entscheidung bei Norris jedenfalls klar darauf ausgerichtet, möglichst keinen Punkt gegen Ferrari zu verschenken. Getreu dem Motto "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" entschied sich McLaren dagegen, mit Norris auf Gedeih und Verderb Rang drei gegen Valtteri Bottas und Sergio Perez zu verteidigen, sondern stattdessen den sicheren fünften Platz zu nehmen.

"Wir haben es probiert, die beiden hinter uns zu halten. Da hätten wir aber einfach die Reifen sehr schnell ruiniert und den fünften Platz gefährdet. Der war möglich, und den hätten wir eventuell dann nicht einfahren können", erklärt Teamchef Andreas Seidl: "Deshalb haben wir den Switch gemacht und die beiden gehen lassen und haben unser Rennen gefahren."

Was damit erreicht wurde, ist für Seidl sonnenklar: "Wichtige Punkte für die Konstrukteursmeisterschaft."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Helmut Marko erstmals seit 2016 auf dem Podium: "War sehr emotional"
Vorheriger Artikel

Helmut Marko erstmals seit 2016 auf dem Podium: "War sehr emotional"

Nächster Artikel

TV-Quoten Spielberg 2021: Weniger Sky-Zuschauer als mit RTL-Konkurrenz 2020

TV-Quoten Spielberg 2021: Weniger Sky-Zuschauer als mit RTL-Konkurrenz 2020
Kommentare laden