Mehr als nur Grafiken: Wie AWS die Zukunft der Formel 1 beeinflusst

Neue TV-Grafiken sollen erst der Anfang sein: Mit Amazon Web Services will die Formel 1 in eine neue Zukunft starten und gar neue Strecken entwerfen

Mehr als nur Grafiken: Wie AWS die Zukunft der Formel 1 beeinflusst

Im Jahr 2018 begann die Formel 1 eine groß angelegte Partnerschaft mit Amazon Web Services, kurz AWS. Vor allem die grundlegende Neugestaltung der bestehenden und die Einführung neuer TV-Grafiken sind Zeugnis dieser Zusammenarbeit. Die zahlreichen Daten, die AWS über Maschinelles Lernen sammelt und auswertet, halfen dabei, dem Zuschauer besser zu vermitteln, was auf der Strecke und in den Boxen passiert.

Doch die Zusammenarbeit zwischen Formel 1 und AWS soll über die Grafiken hinausgehen, wie der technische Berater Rob Smedley erklärt. "Wir schauen, wo wir es noch nutzen können, die Kraft des Maschinellen Lernens, die Analysen und das Know-how, das AWS hat, um den Sport noch aufregender zu machen", sagt Smedley der englischsprachigen Globalausgabe von 'Motorsport.com'.

So werde AWS auch bei den CFD-Anwendungen hinsichtlich der Entwicklung der 2022er-Autos genutzt. Doch das ist noch nicht alles. "Man muss immer auf das nächste Stück schauen, und dann wieder auf das nächste und wieder auf das nächste und in dieser Minute sind wir auch bereits im Streckendesign involviert", erklärt der frühere Ferrari- und Williams-Ingenieur.

Hilft AWS beim Design neuer Strecken?

AWS helfe dabei, Daten verschiedener Strecken - ob neu oder alt - zu sammeln, um die Show auf der Strecke selbst zu verbessern. Das sei schließlich das große Ziel. "Man kann sich ein Szenario vorstellen, in dem wir sämtliche Daten von allen Strecken sammeln können", blickt Smedley voraus.

So könnten etwa Überholmanöver noch detaillierter dargestellt werden, was wiederum im Optimalfall vorgibt, wie eine Strecke konstruiert werden muss. "Man ist dann in der Lage, ein Modell zu entwerfen, das beschreibt, wie eine Strecke aussehen muss", so Smedley. Eine Strecke nach solchen Parametern zu entwickeln, die genau eine Überholstelle beinhalten, sei weniger komplex.

Schwieriger jedoch werde eine solche Simulation, wenn auch andere Parameter wie Griplevel, Wetterbedingungen, Streckentemperaturen und die Fahrbarkeit der Autos einberechnet werden.

Ein Werkzeug, das alle diese Faktoren berücksichtigt, gäbe der Formel 1 das "absolut ultimative" Streckendesign, erklärt Smedley."Es werden gerade viele Ideen gesammelt. Was ich an dieser Partnerschaft mag, ist, dass es so viel gibt. Wir schauen immer nach der neuesten Innovation", erklärt er.

Simulationen des neuen Sprint-Qualifyings

Gleichzeitig verfügt AWS auch über Fähigkeiten, die der Formel 1 dabei helfen, neben den eigenen Simulationen zu ergründen, welche Auswirkungen etwa Formatänderungen auf ein Rennwochenende haben. So standen in der Vergangenheit immer wieder Rennen mit umgedrehter Startaufstellung im Raum, von diesem Vorhaben wurde nach den Simulationen aber Abstand genommen.

Stattdessen kommt es im nächsten Monat erstmals zu einem Sprint-Qualifying. Die möglichen Veränderungen, die das neue Format mit sich bringt, werden hinter den Kulissen bereits fleißig simuliert, unter anderem mit dem Technikchef der Formel 1, Pat Symonds.

"Wir arbeiten mit Pats Team schon lange daran", erklärt Smedley. "Wenn man es so will, haben wir das erste Mal dieselbe Basis wie die Teams, da wir genauso schnell lernen wie die Teams. Das ist ganz schön", sagt er weiter.

Streben nach Information schon vor 25 Jahren

Gerade dieses Thema sei ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es sei, alles bereits zu simulieren, um auch den Fans etwas zu liefern. "Das Sprint-Qualifying wird nur dann ein Erfolg, wenn wir die Fans auf dem Laufenden halten, was passiert. Wenn es Unklarheiten gibt oder es völlig anders wird und man bis zum Ende nicht weiß, was passiert, dann werden wir einige Vorteile des Sprint-Qualifyings verlieren", glaubt Smedley.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn habe klargestellt, dass man alle Möglichkeiten, die das Sprint-Qualifying bietet, nutzen soll. Entsprechend fänden mit AWS jetzt Überlegungen statt. "Was können wir tun und was brauchen wir wirklich? Welche sind die wichtigsten Teile des Sprint-Qualifyings selbst? Welche sind die wichtigsten Teile des eigentlichen Qualifyings? Welche Auswirkungen hat das auf den Sonntag?", skizziert Smedley.

Dieses Streben nach Informationen sei heute genauso wie vor über 20 Jahren. "Als ich vor 25 Jahren angefangen habe, dachte man, dass man mit ein paar Daten alles weiß, wenn man nur noch das kleine Extra hat. Und das führte dann zum nächsten, und zum nächsten, und zum nächsten und das hörte nie auf", erklärt Smedley.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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