Toto Wolff: Konstrukteurs-WM gerechter Lohn für harte Arbeit

Zum vierten Mal in Folge jubelt Mercedes über den Gewinn der Konstrukteurswertung in der Formel 1 und die Teamleitung schwärmt von ihren Angestellten.

Mercedes behält seine weiße Weste: Seit der Einführung der aktuellen 1,6-Liter-V6-Turbomotoren zur Formel-1-Saison 2014 hat das deutsch-britische Werksteam stets den Titel in der Konstrukteurswertung erzielt – 2017 bereits zum vierten Mal binnen vier Jahren. Doch weil dem erneuten Triumph in der für die Hersteller wichtigsten Wertung nach umfangreichen Regeländerungen zustande kam, schätzen die Beteiligten den Erfolg noch viel höher ein als die bisherigen Gesamtsiege.

"Wir wollten unbedingt das erste Team sein, das auch nach einer so großen Regeländerung triumphiert", erklärt Mercedes-Sportchef Toto Wolff. "Das ist uns gelungen – in Austin, drei Rennen vor Schluss. Das ist unglaublich." Auch Teamboss Niki Lauda zeigt sich begeistert: "Für uns war dieser Titelgewinn der schwierigste bisher, denn Ferrari war konkurrenzfähig. Einfach war es also nicht, aber wir haben es trotzdem geschafft. Ich kann nur allen Beteiligten dazu gratulieren."

Mercedes mehr unter Druck als bisher

In der Tat fiel die Gegenwehr der Konkurrenz in der Formel-1-Saison 2017 größer aus als in der Vergangenheit. Im ersten Jahr unter dem neuen Reglement, das eine optische Aufwertung der Formel-1-Autos mit breiteren Heckflügeln und breiteren Reifen vorsah, blieb Mercedes teilweise deutlich hinter der Dominanz früherer Jahre zurück. 2016 etwa hatten die Silberpfeile 19 von 21 Rennen für sich entschieden, in diesem Jahr steht das Team bei elf Siegen in bisher 17 Grands Prix. Das Ergebnis aber ist das gleiche: Mercedes ist und bleibt die Nummer eins der Rennserie.

"Das ist die Belohnung für so viele Leute, die stets mit viel Engagement nach den Silberkugeln gesucht haben, die unterm Strich den Unterschied ausgemacht haben", meint Wolff und stellt den Teamgedanken in den Vordergrund. Auch Lauda schreibt den WM-Titelgewinn vor allem der "Teamleistung" zu. James Allison als Technischer Direktor kann dies nur unterstreichen: "Mercedes hat eine sehr beeindruckende Arbeitskultur. Du kannst auf jeder Ebene deinen Beitrag leisten, wenn du willst. Und wenn du mutig bist, kommst du voran. Das macht die Arbeitsumgebung in diesem Team so spannend."

Allison, der früher unter anderem für Ferrari tätig war, zeigt sich regelrecht erstaunt von der Arbeitsweise der Silberpfeile. "Es gibt kein Nachlassen. Die Leute in der Qualitätskontrolle etwa leisten ihre Arbeit abseits des Rampenlichts, aber sie arbeiten unaufhörlich. Das wirkt ansteckend auf die weiteren Bereiche des Teams", erklärt der Brite. Und die Bilanz spricht Bände: Bei insgesamt 34 Starts der beiden Mercedes-Piloten in diesem Jahr gab es nur einen Ausfall. Wann auch immer Lewis Hamilton und Valtteri Bottas das Ziel sahen, sie waren nur in zwei Fällen schlechter klassiert als in den Top 5. Von dieser Zuverlässigkeit und Konstanz kann die Konkurrenz nur träumen.

Das Erfolgsrezept der Silberpfeile

"Wir haben einen guten Spirit und Spaß an dem, was wir tun. Wir bleiben unseren Werten treu, sind leidenschaftlich bei der Sache und verfolgen klare Ziele", sagt Sportchef Wolff über die Philosophie seines Teams, das auch nach schwierigen Rennwochenenden nie den Fokus verloren hat. In Monaco etwa holte Mercedes "nur" 18 Punkte, so wenig wie niemals sonst in der Formel-1-Saison 2017. Doch nach Tagen der eingehenden Analyse schlugen die Silberpfeile schon beim nächsten Rennen in Kanada mit einem Doppelsieg zurück.

"Wir haben ein Motto, das lautet: Wenn wir schwierige Zeiten durchmachen, wird das die Konkurrenz noch bedauern", sagt Wolff. "Denn die schmerzhaften Erfahrungen, die du machst, machen dich noch viel stärker. Wenn du dich damit auseinandersetzt und gründlich analysierst, dann trägt das nur dazu bei, dass du dein Wissen erweiterst. Wir haben das über die Jahre immer wieder gesehen. Es gab einige solcher schmerzhafter Momente. Aber das gehört zur Entwicklung des Teams dazu."

Und dir Lorbeeren werden gleichermaßen auf die Beteiligten verteilt, wie Allison als technischer Leiter betont. Er meint: "Unser Auto wird nie ein James-Allison-Auto sein. Denn Mercedes als Team besteht aus Hunderten von Mitgliedern. Jeder spielt seine Rolle. Ich bin nur ein kleines Zahnrädchen, aber hoffentlich ein nützliches. Doch in der Box können viele von sich behaupten, einen großen Beitrag zu diesem Auto, zum nächstjährigen oder zu jedem noch weiteren geleistet zu haben. Es gibt kaum ein Unternehmen, das mehr eine Teamarbeit ist als die Formel 1. Und es gibt kein Auto, das nur einer Person zuzuschreiben ist."

Folgt 2018 der fünfte Titelgewinn in Serie?

Wohl aber gibt es schon jetzt eine Favoritenrolle für die Formel-1-Saison 2018. Mercedes als Klassenprimus des aktuellen Jahres befindet sich auch dann in der Rolle des Gejagten. Doch davon will Allison noch nichts wissen: "Ferrari hatte eine starke Saison. Und in der Fahrerwertung haben wir sie noch nicht geschlagen." Stimmt. Aber bei 66 Punkten Vorsprung vor den finalen drei Rennen, in denen maximal noch 75 Punkte vergeben werden, dürfen sich Hamilton und Mercedes ihrer Sache fast sicher sein. Nur eine Defektserie kann Hamilton noch von seinem vierten WM-Titelgewinn abhalten, sofern Sebastian Vettel dann alle verbleibenden Grands Prix gewinnt.

Und so richtet Mercedes seinen Blick doch schon auf das nächste Jahr – und rechnet erneut mit Ferrari und Red Bull als Hauptkonkurrenten. "Kein Zweifel: Beide Teams werden uns das Leben schwer machen", sagt Allison. "Aber schön an Mercedes ist auch: Es gibt keinerlei Anspruchsdenken. Als ich im März dazugestoßen bin, kam ich zu einem Team, das bereits drei WM-Titel gewonnen hatte. Doch für diese Mannschaft ging es nur darum, es erneut zu schaffen, es erneut auf der Strecke zu beweisen. Und die Formel-1-Saison 2018 gehen wir genau so an, mit natürlichem Respekt für unsere starke Konkurrenz." Und mit dem Ziel, den dann fünften WM-Titel in Folge einzufahren.

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