Mercedes-Teamchef Wolff: Außergewöhnliche Rennergebnisse durch Funkverbot

2016 wird der Funkverkehr zwischen den Fahrern und ihren Teams bedeutend eingeschränkt und die Maßnahme könnte dazu führen, dass öfter auch Außenseiter gewinnen, glaubt Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Als eine Maßnahme, den Fahrer bei den Formel-1-Rennen wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen, hat die FIA für diese Saison den Boxenfunk drastisch eingeschränkt – gemäß Artikel 20.1. des Sportlichen Reglements, der aussagt, dass „der Fahrer das Auto alleine und ohne Hilfe“ fahren muss.

Künftig dürfen die Teams ihren Piloten nur noch sicherheitsrelevante Informationen mitteilen. 2015 war noch erlaubt, sie auch über Dinge wie Reifenverschleiß, Benzinverbrauch und Motoreinstellungen zu informieren.

Nachdem diese wichtigen Informationen nun wegfallen, glaubt Toto Wolff, dass die Fahrer viel häufiger Fehler machen werden und dadurch auch völlig überraschende Ergebnisse zustande kommen können.

„Das ist wichtig für den Sport“, sagte Wolff zu Motorsport.com. „Die Leute wollen sehen, dass ein Außenseiter gewinnt. Sie langweilen sich, wenn immer das überlegene Auto gewinnt.“

„Man muss da aber vorsichtig sein, denn Stolz kommt vor dem Fall. Ich will nicht sagen, dass wir wieder dominant sind, aber ich sage dass die Leute, Fans und Zuschauer den Gedanken mögen, dass ein Außenseiter gewinnen könnte und das Ergebnis anders sein könnte.“

Spannungen bei Mercedes

Bei Teams, in denen eine große Rivalität zwischen den Fahrern besteht – wie Mercedes – könnte es besonders kritisch werden, wenn die Fahrer von der Boxenmauer keine Informationen mehr bekommen.

So könnte es passieren, dass die eine Seite der Garage sich für eine etwas aggressivere Motoreinstellung entscheidet als die andere, was später im Rennen dazu führen könnte, dass Benzin gespart werden muss.

Bisher war die Politik bei Mercedes, dass Nico Rosberg und Lewis Hamilton die Motoreinstellungen immer vorgeschrieben wurden. Das wird von nun während der Rennen nicht mehr möglich sein.

„Die sogenannte „Strat“-Einstellung beim Motor macht einen großen Unterschied, denn mit je mehr Leistung man fährt, desto besser kann man sich verteidigen und auch attackieren.“

„Wenn der Fahrer selber entscheiden muss, wann er was einsetzt, wird es unterschiedliche Strategien geben und die Fahrer werden in unterschiedlichen Phasen des Rennens unterschiedliche Energiesparmodi einsetzen.“

Es könne allerdings auch vorkommen, dass ein Fahrer sich bei der Strategie verzockt und er den Angriffen eines Konkurrenten irgendwann nichts mehr entgegenzusetzen habe.

„Man muss vor dem Rennen viel mehr planen. Es liegt dann an der Intelligenz, dass man sich an alles erinnert. Es kommt auf die Intelligenz und den Instinkt an, bezüglich des Motors und der Leistung zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun.“

„Bezüglich der Reifenstrategien, Boxenstopps oder zu beurteilen, wo man sich im Rennen befindet, ist es, als ob man die Verbindung vom Auto zur Boxenmauer getrennt hat. Etwas ähnlich, wie in der MotoGP.“

Keine Fernsteuerung

Auch, wenn Fehler sicher viel häufiger passieren werden, glaubt Wolff, dass es eine gute Entscheidung war, die Ergebnisse wieder in die Hände der Fahrer zu legen.

„Wir dürfen während des Rennen viel weniger Informationen an die Fahrer weitergeben, sodass vieles bezüglich der Entscheidung über Strategie, Motoreinstellung, Reifenwahl und bis zum gewissen Punkt der Boxenstopps, beim Fahrer liegt.“

„Alles wird viel weniger durch Algorithmen oder clevere Ingenieure optimiert sein und viel mehr Spielraum für Irrtümer bieten.“

„Mir gefällt aber der Gedanke, dass es wieder der Fahrer ist, der die Entscheidungen trifft und keine Fernsteuerung von der Box.“

Andererseits würden die Fans wahrscheinlich die Funkeinspielungen während der Rennen vermissen, glaubt Wolff.

„Wir mögen den Funk und die damit verbundenen Emotionen. Darum wollten wir von 15 Jahren, dass wir an den Emotionen im Auto teilhaben können.“

„Vielleicht sind wir zu weit gegangen und müssen etwas zurückrudern. Ich weiß nicht, ob es besser für die Fans ist.“

„Sie werden weniger verstehen, was im Auto los ist, weil der Fahrer weniger am Funk sein wird.“

Das Gespräch führte Jonathan Noble

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