Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Mercedes und die Kontroverse um die Radaufhängung des F1 W07

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Mercedes und die Kontroverse um die Radaufhängung des F1 W07
Giorgio Piola
Autor: Giorgio Piola
Co-Autor: Matt Somerfield
14.09.2016, 18:10

Giorgio Piola und Matt Somerfield werfen einen genauen Blick auf die Radaufhängung des Mercedes F1 W07, die für allerlei Gesprächsstoff sorgt!

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Mercedes dominiert die Formel 1

Mercedes dominiert die Formel 1
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Foto: : XPB Images

Was ist es, das Mercedes in der laufenden Formel-1-Saison 2016 einen derart großen Vorsprung auf die Konkurrenz genießen lässt? Die aerodynamische Weiterentwicklung des F1 W07 allein scheint nicht die ganze Erklärung zu sein. Während der vergangenen Wochen gab es wiederholt Diskussionen um die Radaufhängung. Die angesehene deutsche Fachpublikation Auto Motor und Sport berichtete, wie die Gegner von Mercedes eine Änderung des Formel-1-Reglements erwirken wollen. Was genau steckt hinter der Kontroverse? Diese Fotostrecke geht dem nach.

Erkenntnisse aus der FRIC-Ära

Erkenntnisse aus der FRIC-Ära
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Foto: : Giorgio Piola

Alles begann, als Mercedes am Wochenende des Grand Prix von Brasilien 2015 am F1 W06 Radaufhängungskomponenten und einen S-Schacht im Hinblick auf die Saison 2016 testete. Offenbar machte man sich dabei die Erfahrung von FRIC, dem hydraulisch vernetzten Fahrwerk, das Mitte der Saison 2014 verboten worden war, zunutze.

Weiterentwicklung

Weiterentwicklung
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Foto: : XPB Images

Wenn technische Errungenschaften wie FRIC verboten werden, dann werden sie von den Teams nicht einfach zu den Akten gelegt. Stattdessen fließen die Erkenntnisse in neue Systeme ein. Mercedes – Vorreiter der FRIC-Entwicklung – arbeitete auch nach dem Verbot an der Hydraulik, um die aerodynamische Stabilität des Autos zu erhöhen. Dies lässt sich daran erkennen, dass die Mercedes-Fahrer aggressiver über die Randsteine fahren können, ohne dass dies auf Kosten der Lebensdauer der Reifen geht.

Mercedes F1 W07: Vorderradaufhängung

Mercedes F1 W07: Vorderradaufhängung
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Foto: : Giorgio Piola

Der aktuelle Mercedes F1 W07 hat eine komplett hydraulisch arbeitende Frontpartie. Dabei ist es das sogenannte dritte Radaufhängungselement (in der Grafik hervorgehoben), das sich vom Konzept der anderen Teams unterscheidet. Damit wird die vertikale Bewegung der Aufhängung kontrolliert – und zwar nicht nur vorn, sondern auch hinten. Zwar setzen alle Teams ein drittes Radaufhängungselement ein, doch nur wenige betreiben dieses hydraulisch. Renault und Sauber verfolgen einen ähnlichen Weg wie Mercedes, wenngleich längst nicht so komplex.

Der Trick dahinter

Der Trick dahinter
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Foto: : Giorgio Piola

Um die für die komplexe Vorderradaufhängung benötigten Teile in der Fahrzeugnase des F1 W07 unterbringen zu können, musste sich Mercedes auf eine Ausnahme im Reglement verlassen. Diese Ausnahme wurde von FIA-Rennleiter Charlie Whiting ursprünglich ...

Manor MR03B: Frontpartie

Manor MR03B: Frontpartie
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Foto: : Giorgio Piola

... für das Manor-Team genehmigt, als dieses in der Saison 2015 ein Zwischenstück am Chassis (gelb eingefärbt) anbringen durfte, um den MR03 aus der Saison 2014 auf die Vorgaben für 2015 anzupassen.

Red Bull RB12: Vorderradaufhängung

Red Bull RB12: Vorderradaufhängung
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Foto: : Giorgio Piola

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das dritte Radaufhängungselement auch bei Red Bull (Foto) und McLaren außergewöhnlich weit oben sitzt. Dies wäre ohne die dem Reglement hinzugefügte Ausnahme ebenfalls nicht möglich.

Positiver Nebeneffekt

Positiver Nebeneffekt
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Foto: : XPB Images

Der Vorteil der komplexen Radaufhängung am Mercedes F1 W07 liegt auf der Hand. Einer der wichtigsten Faktoren in der modernen Formel 1 ist der schonende Umgang mit den Reifen. Ein stabil liegendes Chassis ist gleich in mehrfacher Hinsicht von Vorteil. Es ermöglicht eine bessere Performance der Reifen, reduziert den Reifenverschleiß und hat zudem positive Nebeneffekte auf die Aerodynamik.

Wie geht es weiter?

Wie geht es weiter?
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Foto: : XPB Images

Dem Vernehmen nach wurde der von Mercedes angewandte Trick mit der Radaufhängung beim jüngsten Treffen der Formel-1-Technikchefs in Monza diskutiert. Eine kurzfristige Regeländerung für 2017 ist aber unwahrscheinlich, weil es dafür die uneingeschränkte Zustimmung aller Teams bräuchte. Damit ist im jetzigen Stadium der Entwicklungsarbeiten an den 2017er-Autos nicht mehr zu rechnen. Mercedes wird die Entwicklung jedenfalls weiter vorantreiben und die Gegner werden gezwungen sein, nachzuziehen – selbst für den Fall, dass die FIA einschreiten und den Trick schließlich für die Saison 2018 verbieten sollte.

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Autor Giorgio Piola
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