Mick Schumacher und die Formel 1: Das steckt dahinter!

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Mick Schumacher und die Formel 1: Das steckt dahinter!
Autor: Christian Nimmervoll
Co-Autor: Gerald Dirnbeck
15.09.2018, 07:43

Fährt Mick Schumacher schon 2019 für Toro Rosso? DTM-Chef Gerhard Berger sagt: "Ich glaube, er wird den Weg in die Formel 1 schaffen"

So schön langsam klopft Mick Schumacher immer lauter an die Tür der Formel 1. Als erstem Fahrer seit Lance Stroll gelang ihm beim Formel-3-Event auf dem Nürburgring am vergangenen Wochenende ein echter Hattrick, also ein Sieg in allen drei Rennen. Und in der Europameisterschaft liegt er nur noch drei Punkte hinter Spitzenreiter Daniel Ticktum, einem Helmut-Marko-Schützling aus dem Red-Bull-Juniorteam.

"Er zeigt schön langsam die Schumacher-Gene", sagt DTM-Chef Gerhard Berger über den 19-Jährigen. Man kennt sich: Jene DTM-Demofahrt, die Schumacher auf dem Nürburgring absolviert hat, hat Bergers ITR eingefädelt. Und auch sonst hilft Berger, wo immer er kann: "Ich kenne Mick aus der Kartszene und war das eine oder andere Mal in die Gespräche involviert, als er in den Formelsport eingestiegen ist."

Und jetzt? Bergers alte Kumpels Dietrich Mateschitz und Franz Tost sind auf der Suche nach jungen Talenten für das Red-Bull-Juniorteam Toro Rosso. Man muss nur eins und eins zusammenzählen.

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Schumacher wäre nicht der erste Fahrer, der von Red Bull direkt aus der Formel 3 in die Formel 1 geholt wird. Max Verstappen wurde 2014 nicht einmal Champion, sondern nur Gesamtdritter, und saß 2015 trotzdem im Toro Rosso. Seine Gegner in der Formel 3 waren Kandidaten wie Esteban Ocon (Meister), Lucas Auer (4.) und Antonio Giovinazzi (6.).

Kein Wunder also, dass die Gerüchteküche sofort anspringt, wenn sich Schumacher dieser Tage mit Tost zusammensetzt. Aber dabei ging es laut Informationen von 'Motorsport.com' nicht um ein Formel-1-Cockpit für 2019. Auch wenn Berger überzeugt ist: "Ich glaube, er hat wirklich sehr gute Chancen, diese Meisterschaft zu gewinnen und dann den nächsten Schritt zu gehen."

DTM-Demo hin oder her: "Mick muss im Formelsport bleiben, muss seinen nächsten Schritt in Richtung Formel 2 machen", findet Berger. "Das hat er auch im Plan. Sollte er Meister werden, sehen wir ihn nächstes Jahr in der Formel 2. Ich glaube, dass er eine gute Zukunft vor sich hat und den Weg in die Formel 1 schaffen wird."

Aber eben noch nicht 2019, sondern eher 2020. Die Schumacher-Familie, tatkräftig unterstützt und geführt von Managerin Sabine Kehm, war bisher stets darauf bedacht, Mick behutsam an die Formel 1 heranzuführen. Einen Schritt nach dem anderen, mit den richtigen Teams, den richtigen Beratern. Jetzt die Stufe Formel 2 auszulassen, nur weil sich die Chance Formel 1 ein Jahr früher bietet als gedacht, würde nicht zu diesem Kurs passen.

Und würde auch das Risiko mit sich bringen, dass Schumacher in der Formel 1 verheizt wird. Wie schwierig die Umstellung ist, musste gerade Stoffel Vandoorne erfahren, dessen Karriere schon wieder fast vorbei ist, obwohl er einst in der GP2 überlegen Champion wurde. Oder Charles Leclerc, der - das haben viele schon wieder vergessen - nach seinen ersten zwei, drei Formel-1-Rennen scharf kritisiert wurde, ehe der Schalter fiel.

Rein formell wäre ein Formel-1-Einstieg 2019 möglich. Schumacher hat derzeit 22 Superlizenz-Punkte (zweimal zehn als Vizemeister der Deutschen und Italienischen Formel 4 sowie zwei als Kart-Vizeweltmeister in der KF-Junior-Kategorie). 40 sind für die Formel-1-Lizenz nötig. Für die Top 3 in der Formel-3-EM gibt's 30, 25 und 20 Punkte. Und dass Schumacher noch auf Platz vier zurückfällt, ist fast ausgeschlossen.

Aber: "Der Schritt aus der Formel 3 in die Formel 1 ist riesig", warnt Sauber-Teamchef Frederic Vasseur, der neben Kimi Räikkönen noch ein Cockpit für 2019 zu vergeben hat. "Und dann haben wir auch nur noch wenige Testtage im Winter. Ich würde nicht sagen, dass es unmöglich ist, aber es ist sehr schwierig." Sinnvoller wäre in den Augen des Talenteförderers, ein Jahr Formel 2 zu fahren und parallel einige Freitagstests in der Formel 1 zu bestreiten.

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Da wird in der Fantastie deutscher Fans schnell ein Schuh draus: Freitagstester bei Sauber, und dann früher oder später, genau wie Papa Michael, Werksfahrer in der Scuderia Ferrari. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene will das nicht ausschließen: "Mit so einem Namen, der die Geschichte von Ferrari mitgeschrieben hat, steht ihm die Tür in Maranello immer offen. Wie könnten wir zu so einem Namen nein sagen?"

Aber auch Arrivabene möchte die Kirche erstmal im Dorf lassen: "Das Wichtigste ist, dass er ohne Druck lernen kann. Seine letzten Ergebnisse waren sehr gut, und ich wünsche ihm eine großartige Karriere. Die Entscheidung liegt letztendlich bei der Schumacher-Familie. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass man ihn in Ruhe erwachsen werden lässt und dass er kontinuierlich dazulernt. Dann sehen wir weiter."

Mit der Ruhe ist es nach dem Formel-3-Hattrick aber nicht weit her. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Schumacher nicht von irgendeiner Zeitung mit der Formel 1 in Verbindung gebracht wird. "Jetzt kommt er natürlich als ganz starker Meisterschaftsanwärter hervor und ist sehr beeindruckend unterwegs in den letzten Rennen", benennt Gerhard Berger das "Problem".

Berger findet beeindruckend, wie Mutter Corinna und Managerin Kehm Schumachers Karriere bislang gemanagt haben: "Er hat Erfahrung gesammelt, hat sich weitergebildet und sich schön langsam aufgestellt für die große Zukunft. Mir hat besonders gut gefallen, wie es die Familie geschafft hat, das Ganze relativ 'low profile' anzulegen." Zumindest bisher.

Daniil Kvyat, Ferrari

Daniil Kvyat, Ferrari

Foto: Manuel Goria / Sutton Images

Das "low profile" ging sogar so weit, dass gnadenlos juristisch gegen Medien vorgegangen wurde, die über Schumachers erste Renneinsätze im Kart berichtet haben. Damals trat Schumacher noch als Mick Betsch an, also unter dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna. Alles, um mediale Aufmerksamkeit zu vermeiden.

Jetzt, wo mediale Aufmerksamkeit hilfreich ist, um Sponsoren anzulocken und das nötige Geld für den nächsten Karriereschritt einzusammeln, nimmt das Schumacher-Camp die Sache mit den Unterlassungserklärungen nicht mehr so genau. Spätestens ab der Formel 3 ist die Medienlandschaft mit so einem Namen ohnehin nicht mehr kontrollierbar.

Bei Toro Rosso geht die Suche nach einem Fahrer für 2019 indes weiter. Schumacher ist, das versichert Helmut Marko im Gespräch mit 'Motorsport.com', kein Thema. Brendon Hartley hat sich mit seinen Leistungen nicht gerade aufgedrängt, könnte aber mangels Alternativen bleiben.

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Die Rückkehr von Daniil Kwjat (Ferrari-Testfahrer) ist schon halb angerichtet. Und selbst Sebastien Buemi, der Ende 2011 von Toro Rosso rausgeschmissen wurde, soll wieder ein Thema sein. Er war kürzlich sogar zu einer Sitzanpassung in Faenza.

Alles nur in seiner offiziellen Funktion als Red-Bull-Ersatzfahrer, heißt es. "Wenn etwas passiert, muss alles bereit sein", winkt Buemi ab. "Meine Programme in der WEC und der Formel E stehen schon fest." Red-Bull-Teamchef Christian Horner schüttelt den Kopf: "Er hat die Formel E, er hat die WEC. Er müsste wahrscheinlich starke Gehaltseinbußen hinnehmen, um wieder Formel 1 zu fahren."

Auch Jean-Eric Vergne hat eine Rückkehr zu Toro Rosso ausgeschlossen. Bleiben noch Stoffel Vandoorne, der sich bei McLaren aber nicht mit Ruhm bekleckert hat. Schwer vorstellbar, dass Marko ihn unbedingt haben möchte. Und Esteban Ocon, der aber solange kein Thema ist, wie er den Stempel des Mercedes-Juniors auf der Stirn hat. Und Mercedes hat nicht vor, ihn ziehen zu lassen.

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Dafür ist ein anderer Fahrer, der solange kein Thema war, wie er einen Mercedes-Vertrag hatte, plötzlich frei: Pascal Wehrlein. Von allen Kandidaten, die momentan verfügbar sind, erscheint er noch als einer der attraktivsten.

Toro Rosso könnte dann 2019 mit Kwjat/Wehrlein fahren. Und 2020, wenn einer der beiden seine zweite Chance nicht genutzt hat, Mick Schumacher in die Formel 1 befördern ...

 
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