Nach Indianapolis: Alonso liebäugelte mit Formel-1-Rücktritt

Warum der Spanier doch nicht das Handtuch warf und wieder an McLaren glaubte – Alonso will mit mehreren 2017 siegreichen Teams gesprochen haben

Obwohl er am Donnerstag voller Eifer seine Vertragsverlängerung bei McLaren verkündete, stand Starpilot Fernando Alonso nach eigener Aussage vor vier Monaten davor, bei der Krisentruppe das Handtuch zu werfen. "Als ich aus Indianapolis zurückgekehrt bin, hatte ich Zweifel, ob ich in der Formel 1 bleiben oder mich in anderen Rennserien umschauen sollte", blickt der Spanier auf den vergangenen Sommer zurück. Seine Gedanken an einen Abschied waren jedoch wenig konkret.

Schließlich hätte ihm ein Rückzug aus der Königsklasse das ersehnte Comeback an der Weltspitze verbaut, ehe es hätte anfangen können: "Sie waren nicht besonders ernst, aber es gab sie", meint Alonso über seine Rücktrittsgedanken, denen eine Phase folgte, in der er Alternativen zu McLaren auslotete. "Ich habe im Sommer mit verschiedenen Teams gesprochen", räumt der 36-Jährige ein.

 

 

Fernando Alonso, McLaren
Fernando Alonso, McLaren

Foto Steven Tee / LAT Images

 

Überraschend ist, dass Alonso behauptet, unter den Interessenten hätten sich Mercedes, Ferrari oder Red Bull befunden, wenn er hinzufügt: "Einige von ihnen waren Teams, die ihn diesem Jahr gewonnen haben." Da er bei Daimler nach den Skandalen der Vergangenheit Persona non grata ist und den Österreichern genug Piloten aus ihrem eigenen Juniorprogramm zur Verfügung stehen, bleibt nur Ex-Arbeitgeber Ferrari als möglicher Flirtpartner – weniger als realistische Option für 2018.

Dass Alonso mit Renault gesprochen hat, ist hingegen ein offenes Geheimnis. "Aber für mein Dafürhalten ist McLaren eher darauf vorbereitet, um WM-Titel zu kämpfen", erklärt Alonso seine Entscheidung pro Woking, ohne die Franzosen zu nennen, lobt aber faktisch das Chassis des MCL32 und stellt es über das des Werkswagens: "Es wurde klar, dass der McLaren-Renault im kommenden Jahr ein Siegerauto sein könnte." Exakt diese Forderung stellte Alonso jüngst ohne Unterlass.

 

Die nötigen Indizien will er erkannt haben, unterfüttert mit Datenmaterial: "In der Formel 1 ist alles unter Kontrolle. Wir wissen, wie viele Millisekunden wir in welcher Kurve verlieren, wie viele Millisekunden beim Bremsen flöten gehen und wie viele Zehntelsekunden auf den Geraden … Bei uns liegt alles auf dem Tisch", sagt Alonso, der aber nicht nur auf nackte Zahlen, sondern auch auf sein Bauchgefühl hörte: "Eine innere Stimme hat mir gesagt, dass ich bei McLaren bleiben sollte."

 

 

Fernando Alonso, McLaren MCL32
Fernando Alonso, McLaren MCL32

Foto Sam Bloxham / LAT Images

 

Interessant ist, dass die Entscheidung offenbar vor McLarens Renault-Deal fiel, der in den Augen vieler Beobachter der wichtigste Schritt dorthin war. "Was im Kopf passiert, ist eine Sache. Wenn man durch die Zeitzonen reist und verschiedene Rennsituationen erlebt, braucht es vielleicht länger, bis sie zu Papier kommt", weicht Alonso der Frage aus, warum er schon Anfang September gewusst haben will, was das Richtige für seine Zukunft ist, aber keine Nägel mit Köpfen machte. Die jüngsten Red-Bull-Ergebnisse seien nur eine zusätzliche Motivation gewesen, den Füller zu zücken.

McLaren-Boss Zak Brown ist froh, dass das bange Warten ein Ende hat: "Es war unser Wunsch, ihn im Team zu haben und es wäre ein Rückschlag gewesen, wenn es nicht so gekommen wäre." Die sarkastischen Funksprüche seines Starpiloten bezüglich seines lahmenden Autos seien kein Grund gewesen, ihn loszuwerden. Im Gegenteil: McLaren reagierte mit einem launigen Videoclip auf die kultigen Flüche: "Es ging Fernando immer darum, konkurrenzfähig sein", nimmt Brown Alonso in Schutz. "Er hatte nie irgendwelche Forderungen außer einem Rennauto, das gut genug ist, um an der Spitze mitzumischen. Das ist auch unser Ziel."

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