Nach Istanbul: Mick Schumacher sieht positiven Trend - viel Lob vom Team

Mick Schumacher zieht trotz P19 im Rennen ein zufriedenes Fazit seines Türkei-Wochenendes und erhält von den Teamverantwortlichen reichlich Zuspruch

Nach Istanbul: Mick Schumacher sieht positiven Trend - viel Lob vom Team

Auch wenn Mick Schumacher wegen einer frühen Kollision mit Fernando Alonso (Alpine) beim Grand Prix der Türkei nicht mehr viel ausrichten konnte, resümiert der Haas-Pilot das Rennwochenende in Istanbul mit positiven Gefühlen.

"Ich bin sehr, sehr glücklich. Ich denke, wir können sehr viel Positives von hier mitnehmen und es hoffentlich in den Rest der Saison übertragen", sagt der Formel-1-Rookie. Von seinem bisher besten Wochenende in der Königsklasse will er aber nur eingeschränkt sprechen: "Bis zum Rennen, ja. Das Rennen selbst vielleicht nicht."

Nach einem missglückten Manöver von Alonso in Kurve 4, für das der Spanier mit einer Zeitstrafe belegt wurde, fiel Schumacher früh ans Ende des Feldes zurück. Es gelang ihm zwar noch, Teamkollege Nikita Masepin hinter sich zu lassen. Mehr als der 19. und damit vorletzte Platz war aber einmal mehr nicht möglich.

Wo wäre Schumacher ohne Kollision gelandet?

Was ohne den Zwischenfall drin gewesen wäre, sei schwer zu sagen. "Ich weiß nicht, inwieweit die Verfolgung meine Reifen beschädigt hat", sagt Schumacher. "Offensichtlich bin ich Nikita eine ganze Zeit lang gefolgt. Ich kann mir vorstellen, dass ich in der Lage gewesen wäre, den Stint zu verlängern und ein bisschen schneller zu sein."

"Ich weiß nicht, ob ich in der Lage gewesen wäre, Sebastian (Vettel; Anm. d. R.) ein wenig zu bekämpfen, aber ich sehe mich nicht auf den vorderen Plätzen." Vettel (Aston Martin) kam nach einem fehlgeschlagenen Wechsel auf Slicks als 18. ins Ziel.

"Aber insgesamt denke ich, dass wir mit dem, was wir getan haben, sehr zufrieden sein können. Wir waren von Anfang an sehr nah dran und es schien, als wäre der Abstand zu allen Autos kleiner als sonst", resümiert Schumacher, der bereits mit seinem Q2-Einzug am Samstag aufhorchen ließ und allenthalben Lob einheimste.

Haas-Renningenieur sieht positive Entwicklung

"Im Qualifying hat er bei wechselhaften Bedingungen einen sehr, sehr guten Job gemacht", sagt etwa sein Renningenieur Ayao Komatsu. "Schaut man sich die Pace unseres Autos in diesem Jahr an, waren das die Bedingungen, unter denen wir einige unserer Rivalen ausstechen konnten. Er hat wirklich gute Arbeit geleistet."

"Aber es ist nicht so, dass ich wirklich überrascht war", ergänzt Komatsu, "denn er hat das Potenzial. Es geht nur darum, es zu maximieren und dann, sagen wir mal, die Runde im richtigen Moment zu drehen. Es ist ein großartiges, großartiges Ergebnis."

Insgesamt sieht er bei Schumacher kontinuierliche Fortschritte: "Mick arbeitet wirklich hart, egal ob er ein gutes oder ein schlechtes Wochenende hat. Er ist sehr selbstkritisch, auf eine gute Art und Weise. Er sucht immer nach Bereichen, in denen er sich verbessern kann", lobt der Haas-Ingenieur die Arbeitsweise des Rookies.

Steiner: Kleine Erfolge fürs Team sehr wichtig

"Wenn er sagt: 'Okay, ich habe diese Leistung erbracht, das muss ich verbessern', dann deprimiert ihn das nicht, sondern motiviert ihn nur noch mehr. Er schaut also immer auf sich selbst, aber auch auf andere Dinge, die er beeinflussen kann. Das ist also sehr gut. Und er arbeitet auch sehr hart mit seinen Ingenieuren zusammen."

Sie würden wiederum durch Schumachers Einstellung motiviert. "Es funktioniert also in beide Richtungen", betont Komatsu. Genau diesen Zusammenhalt lobt auch Teamchef Günther Steiner, wenn er sagt: "Die größte Genugtuung für mich war, am Samstag zu sehen, wie gut das Team zusammengearbeitet hat."

"Sie arbeiten die ganze Zeit hart, um alles herauszuholen. Und am Ende gibt es oft kein Ergebnis. Ich fühle mich fast schlecht deswegen", gesteht Steiner, weshalb ihn der Q2-Einzug von Schumacher in Istanbul für das Team umso mehr gefreut habe.

Schumacher will starke Formkurve beibehalten

"Vor drei Jahren waren wir vielleicht unglücklich, dass wir nicht in Q3 kamen. Jetzt sind wir froh, wenn wir Q1 hinter uns lassen können. Es ist eine andere Sache, aber schon kleine Erfolge bringen die Jungs weiter und darüber war ich am meisten froh."

Auch mit der allgemeinen Formkurve von Schumacher zeigt sich der Haas-Teamchef zufrieden: "Wenn man sich das ganze Jahr über ansieht, war er immer ziemlich gut drauf. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was er leistet, und ich denke, dass sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist." Und der Rookie selbst.

"Ich habe das Gefühl, dass der Trend immer noch sehr gut ist und immer noch nach oben geht", sagt der 22-Jährige. "Ich fühle mich mit jedem Mal, wenn ich rausfahre, mehr und mehr wohl. (...) Die Fortschritte, die wir gemacht haben, waren immer da, und jetzt gilt es, das bis zum Ende der Saison weiter beizubehalten."

Norris: "Auch mental schwierig für Schumacher"

Formel-1-Experte Christian Danner weiß, wie wichtig dabei Mini-Erfolge wie der jüngste Q2-Einzug sind, und betont: "Das hat er sehr gut hinbekommen. Für ihn ist das Entscheidende, dass er da einen psychologischen Boost mitnimmt. Das sind so Kleinigkeiten, die für einen Rennfahrer enorm wichtig sind."

In dem Zusammenhang mutmaßt auch Lando Norris, dass es für Schumacher "mental ziemlich schwierig" ist. "Er kam von seinen Siegen in der Formel 3, der Formel 2 und so weiter zu den hinteren Plätzen in der Startaufstellung, von Platz 15 bis 20, und das fast das ganze Wochenende über", sagt der McLaren-Pilot.

"Für ihn ist es nicht einfach, weil er im langsamsten Auto sitzt. Außerdem hat er einen unerfahrenen Teamkollegen. Es ist also sehr schwierig für ihn, allen zu zeigen, wozu er fähig ist. Es ist eine sehr schwierige Position, in der ich mich nicht befunden habe."

"Aber er ist ein sehr guter Fahrer, sehr stark", lobt Norris den Rookie. "Ich denke, er ist auch mental sehr gut vorbereitet. Und ich weiß, dass er sehr, sehr gut arbeite. (...) Ich hoffe einfach, dass er die Erfahrung genießt, auch wenn er nicht mehr gewinnt."

"Die Formel 1 ist die erste Kategorie, in die man mit dem Wissen einsteigt, dass man vielleicht nie ein Rennen gewinnen wird. Man braucht also eine etwas andere Mentalität und es dauert eine Weile, bis man sich daran gewöhnt hat. Aber ich denke, er hat sich gut darauf vorbereitet und weiß, das Beste aus seinen Chancen zu machen."

Weitere Co-Autoren: Alex Kalinauckas. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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