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Nach Reifen-Diskussion: Binotto kritisiert Entscheidungsprozess

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto ist nicht glücklich darüber, dass die Saison mit den aktuellen Reifen beendet wird - Er wünscht sich einen neuen Entscheidungsprozess

Nach Reifen-Diskussion: Binotto kritisiert Entscheidungsprozess

Ferrari kassierte am Formel-1-Wochenende in Spielberg gleich zwei Pleiten. Die eine auf der Strecke, wo Charles Leclerc den Sieg spät an Max Verstappen verlor. Die andere abseits der Piste, wo sich die Roten für eine Rückkehr zu den 2018er-Reifen starkgemacht hatten. Die nötige Mehrheit dafür wurde bei einem Meeting allerdings verpasst. Sieben der zehn Teams hätten zustimmen müssen.

"Der aktuelle Prozess wirkt falsch", erklärt Teamchef Mattia Binotto rückblickend. So hätten die Teams vor der Saison kein Mitspracherecht gehabt, "was die beste Reifenwahl für die Saison wäre", erklärt er. Da konnte Pirelli alleine entscheiden, welche Pneus man 2019 einsetzt. "Und dann brauchen wir 70 Prozent, um es zu ändern", wundert sich Binotto. Das passt für ihn nicht zusammen.

Hintergrund: Pirelli führte für die Saison 2019 Reifen mit einer dünneren Lauffläche ein. Von allen Topteams kommt Mercedes mit diesen am besten zurecht, weshalb Ferrari und Red Bull sich für eine Rückkehr zu den 2018er-Pneus aussprachen, letztendlich aber an der angesprochenen 70-Prozent-Hürde scheiterten. "Das hat nichts mit Pirelli zu tun. Ich denke, sie geben ihr bestes", stellt Binotto klar.

Er sieht das Problem in den Regeln. So haben die Teams zwar die Möglichkeit, Pirelli ihre Wünsche für neue Pneus in einem "Target Letter" mitzuteilen. "Aber der 'Target Letter' betrifft nur den Abbau der Reifen und das Delta zwischen den Mischungen", erklärt Binotto und ergänzt: "Das Arbeitsfenster und solche Dinge sind aber nicht spezifiziert. Daher können wir Pirelli keinen Vorwurf machen."

In der Debatte um die 2019er-Reifen geht es genau um dieses Fenster. "Die Reifen sind sehr schwer aufzuwärmen, das Fenster ist sehr klein. Sie überhitzen, wenn man rutscht oder hinter einem anderen Auto steckt", erklärt Binotto. Für die Zukunft müsse man das ändern, um die Formel 1 wieder spannender zu machen. "Pirelli sollte nicht versuchen, einem Team zu helfen", stellt er klar.

"Sie sollten versuchen, das beste Produkt für die Formel 1 zu liefern", so Binotto. Gleichzeitig müsse man einen neuen Prozess finden, "damit wir nicht wieder in eine Situation wie in dieser Saison geraten." Mercedes konnte zehn der ersten zwölf Saisonrennen 2019 gewinnen und feierte zu Beginn des Jahres acht Siege und sogar fünf Doppelsiege in Serie.

Bei Pirelli wehrt man sich allerdings gegen die Behauptung, dass nur die Reifen dafür verantwortlich seien. "Es gab kein negatives Feedback bis zum fünften oder sechsten Rennen", hat Pirelli-Manager Mario Isola zuletzt verraten und erklärt: "Dann war es etwas zu spät. Da konnten wir nicht mehr reagieren." Für eine Änderung wäre dann die besagte 70-Prozent-Mehrheit nötig gewesen.

Weitere Co-Autoren: Roberto Chinchero. Mit Bildmaterial von LAT.

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Rennserie Formel 1
Autor Ruben Zimmermann