Niki Lauda: Zu viel Sicherheit ein Risiko für Formel 1

Die maximale Sicherheit in der Formel 1 könnte für die Szene zum Bumerang werden, meint Niki Lauda: "Manchmal wollen die Leute auch Unfälle sehen."

Mit dem neuen Cockpitschutz "Halo" wird die Formel 1 in der kommenden Saison 2018 einen weiteren Schritt bei der Verbesserung der Sicherheit gehen. In den zurückliegenden Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen an Fahrzeugen und Strecken sowie im Sportlichen Reglement umgesetzt, um das Risiko beim Fahren im Grand-Prix-Fahrzeug zu minimieren. Nun droht in der Formel 1 die Gefahr, dass man in diesem Bereich zu weit geht, meint Niki Lauda.

"Hört auf mit dem Versuch, die Formel 1 komplett sicher zu machen", so Laudas Appell im Interview mit grahambensinger.com. Die Szene müsse sich eine gewisse Form der Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit bewahren. "Die Leute werden das Interesse verlieren, wenn die Fahrer nicht mehr etwas Besonderes tun müssen. Es muss einfach klar sein, dass es nur die besten Fahrer der Welt können", sagt der dreimalige Formel-1-Champion und heutige Mercedes-Formel-1-Aufsichtsrat.

"Manchmal wollen die Zuschauer auch Unfälle sehen, einfach um zu erkennen, dass es Grenzen gibt. Solange jeder heil aussteigen kann, ist es gut. Das müssen wir gewährleisten. Aber wenn wir alles zu sicher machen, dann zerstört sich die Formel 1 dadurch von selbst", meint Lauda, der 1976 bei einem Feuerunfall auf der Nürburgring-Nordschleife schwerste Verletzungen erlitten hatte. "Für die heutigen Fahrer ist alles viel einfacher."

Formel-1-Fahrer von heute: Viel Geld, wenig Risiko

"Ich wäre gern in der heutigen Zeit gefahren. Mein Ohr wäre noch heil und ich hätte überhaupt keine Schäden davongetragen. Außerdem hätte ich das fünfzehnfache an Geld verdient", erklärt Lauda. Heutzutage sei die Gefahr in der Formel 1 derart überschaubar, dass ein Grand Prix längst nicht mehr das "Horrorprogramm" von früher sei, sondern eine leichte Unterhaltungssendung für die gesamte Familie.

"Die Fahrer bringen ihre Frauen, Kinder und ihre Hunde mit. Die schauen sich gemütlich das Rennen an, weil nichts mehr passieren kann", so der 68-Jährige. "Wir sind damals immer allein zu den Rennen gegangen. Wir wollten nicht, dass die Frau dabei ist, die einen dann vielleicht dann in einem Sarg wieder mit nach Hause nehmen muss. Das war eine andere Ära. Gott sei Dank ist heute alles viel sicherer."

"Das Problem ist aber, dass die Gefahr nahezu gleich null ist", meint er. Der Nervenkitzel sei beim Zuschauen nicht mehr gegeben, beim Fahren allerdings schon. "Wenn man den Faktor Gefahr mal weglässt, dann ist das Fahren heutzutage genauso wie früher. Die besten Fahrer bewegen die schnellsten Autos am Limit - und darum geht es schließlich."

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