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Nikita Masepin: Das sagt er über den Krieg in der Ukraine

Nikita Masepin hat in einem Interview erstmals ausführlich zum Krieg in der Ukraine Stellung bezogen und sich zum Auftritt seines Vaters bei Netflix geäußert

Nikita Masepin hat sich erstmals seit seinem Rausschmiss beim Haas-Team zu Wort gemeldet und dabei nicht nur über den Krieg seines Heimatlandes Russland in der Ukraine gesprochen, sondern auch über die vierte Staffel der Netflix-Dokuserie "Drive To Survive", in der die vierte Folge eine bis dahin nicht im Detail dokumentierte Kontroverse zwischen Haas und der Masepin-Familie in der Formel-1-Saison 2021 offenbart.

Masepin hatte in den ersten Rennen seiner Debütsaison klar das Nachsehen gegen seinen Teamkollegen Mick Schumacher, weshalb seitens des Russen früh der Verdacht geäußert wurde, Schumacher habe ein besseres Chassis als er bekommen. Vorwürfe, die von Haas-Teamchef Günther Steiner stets bestritten wurden, hinter den Kulissen aber für Ärger sorgten.

"Drive To Survive" zeigt erstmals eine Unterhaltung zwischen Haas-Berater Jesper Carlsen und Dmitri Masepin, dem Vater von Nikita Masepin, der mit seinem Düngemittelkonzern Uralkali Titelsponsor des Haas-Teams war, bis die Zusammenarbeit seitens des amerikanischen Rennstalls am 5. März 2022 beendet wurde.

Masepin sen.: So hat er Günther Steiner gedroht

Wenn sich an der Lage nichts ändere und sein Sohn kein anderes Chassis erhalte, drohte Masepin sen. am Rennwochenende in Barcelona 2021, "werde ich ein offizielles Schreiben schicken, dass wir die Finanzierung beenden und mit dem Rennfahren hier aufhören". Das werde dann "ein Riesenproblem" sein. Masepin weiter: "Tauscht die Autos! Jeder weiß, dass ein Fahrer bevorteilt wird."

Tatsache ist: Masepin jun. sprach in Spielberg, also vier Rennen nach dem Vorfall in Barcelona, erstmals öffentlich darüber, dass sein Chassis schwerer sei als jenes von Schumacher. Das wurde von Steiner sogar bestätigt und habe mit Reparaturen zu tun gehabt. Steiner betonte jedoch immer, dass der Unterschied marginal sei. Ab Spa erhielt Masepin dann ein anderes Chassis.

Stephen Sackur von der 'BBC' hat Masepin jetzt auf die durch Netflix offenbarten Spannungen angesprochen und diese mit einer Erpressung verglichen. Doch der russische Rennfahrer relativiert in dem Interview: Es sei "eine schwierige Situation" gewesen, denn "wenn du in ein Formel-1-Team kommst, erwartest du, dass die beiden Autos gleich sind."

Das sei selbst dann so, "wenn es im Vergleich zu anderen ein kleines Team ist. [...] Du möchtest gleich behandelt werden. Dafür haben ich und mein Vater gekämpft", erklärt Masepin und relativiert damit dem Vorwurf der Erpressung.

Masepin: Putin-Foto nach wie vor auf Instagram

Vorwürfen sieht sich der 23-jährige Russe auch in Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg ausgesetzt. Auf seinem Instagram-Account befindet sich nach wie vor ein nicht gelöschtes Foto, das ihn und seinen Vater mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigt. Und anders als einige andere russische Sportler hat er sich bisher nicht von Putin distanziert und den Krieg verurteilt.

 

Sackur spricht das Thema in dem 'BBC'-Interview ohne überflüssige Nettigkeiten an und schließt aus dem nicht gelöschten Instagram-Posting, dass Masepin ein Putin-Fan sei. Was dieser so nicht stehen lässt: "Stephen, das ist nicht korrekt. Ich bin ein Bürger meines Landes. Ich bin in Russland geboren und aufgewachsen."

"Meine einzige Verbindung zum Präsidenten meines Landes ist durch den Sport, den ich betreibe. Als ich ihn getroffen habe, war das an der Rennstrecke, nachdem ich ein Rennen gewonnen hatte, soweit ich mich erinnere. Darüber haben wir uns unterhalten. Ich war der einzige russische Fahrer in der Formel 1. Das ist die Verbindung. Denn die Formel 1 ist die Königsklasse des Motorsports."

Was sagt Masepin zum Treffen seines Vaters mit Putin?

Doch Sackur lässt nicht locker. Er spricht auch ein Treffen von Masepins Vater mit Putin an, als der Krieg in der Ukraine bereits begonnen hatte. Masepin jun. verteidigt das: "Uralkali liefert den Dünger an die Welt. Nicht nur an Russland, sondern Uralkali ist verantwortlich für die weltweite Lebensmittelsicherheit und den Hunger."

"Das Unternehmen kontrolliert etwa 35 Prozent des Weltmarkts und stellt sicher, dass die Menschen was zu essen haben und gesund sind und überleben. Darum gab es dieses Meeting. Es ist eine Schlüsselbranche für das Land, aber auch für die ganze Welt."

Masepin fällt es in dem sehenswerten Interview unter dem Titel "HARDtalk" schwer, sich für den Interviewer zufriedenstellend zu distanzieren. Immerhin räumt er ein, dass es "auf vielen Ebenen sehr schmerzhaft" sei, zu sehen, was gerade passiere. Gleichzeitig verurteilt er aber die westlichen Sanktionen gegen die russische Regierung und russische Oligarchen scharf.

Masepin und sein Vater stehen auf der EU-Sanktionsliste - und der russische Rennfahrer ist damit nicht einverstanden: "Ich stimme den Sanktionen nicht zu und habe vor, diese zu bekämpfen. Vielleicht ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Wenn wir die ganze Situation betrachten, wie mit Sportlern umgegangen wird, dann ist das Cancel-Culture gegen mein Land."

Warum Masepin lieber nichts über den Krieg sagt

Die Bemerkung, dass er die Situation in der Ukraine per russischer Regierung nicht als "Krieg" oder "Invasion" bezeichnen darf, weil ihm sonst Ärger mit den Behörden droht, kommentiert Masepin so: "Es gibt Risiken auf allen Seiten, Stephen. Ganz egal, was du sagst oder tust, es gibt immer eine Armee von Kritikern, die nur darauf wartet, jedes einzelne meiner Worte zu zerlegen."

Er bittet um Verständnis für seine Situation: "Ich bin 23 Jahre alt, und es ist ehrlich gesagt sehr schwierig, durch solche Dinge zu manövrieren." Und er ergänzt: "Ich will ehrlich sein: Ich sehe enorme Risiken darin, mich zu äußern. Ich werde nie alle zufriedenstellen. Daher sage ich dazu nichts in der Öffentlichkeit."

Auch wenn Masepin keine Formel-1-Rennen mehr fahren darf, so ist er dennoch nicht untätig. Inzwischen hat er eigenen Angaben nach eine Stiftung gegründet, die sich um die Anliegen vorwiegend russischer und belarussischer Sportler kümmert, die aufgrund des Ukrainekriegs verbannt wurden und ihren Sport nicht mehr ausüben können. So, wie ihm das selbst passiert ist.

"Der Zweck, warum ich diese Stiftung aufgesetzt habe, ist, dass die Menschen eine Meinung haben sollten. Ich unterstütze diejenigen, die ihre Meinung zum Ausdruck bringen wollen. Ich gehöre aber zu den Sportlern, die ihre Meinung für sich behalten wollen. Und ich finde, das ist ein sehr wichtiges Recht, das jeder hat. Daher werde ich mich dazu in der Öffentlichkeit nicht äußern", sagt er.

Masepin: Vertrag mit Haas lief bis Ende 2024

Masepin hatte mit Haas eigenen Angaben nach einen Vierjahresvertrag bis Ende 2024. Das Titelsponsoring durch Uralkali sei "eine getrennte Vereinbarung" gewesen, hält er fest. Auch wenn jedem Branchenkenner klar ist: Natürlich war das Sponsoring in Wahrheit daran gekoppelt, dass Masepin jun. in dem amerikanischen Team fährt.

Seine in den Augen mancher Beobachter unglückliche Art und Weise, mit dem Ukrainekrieg umzugehen, war übrigens nicht die erste Kontroverse um Masepin. 2016, er fuhr damals noch in der Formel 3, hat er seinem Konkurrenten Callum Ilott mehrfach ins Gesicht geschlagen, weil dieser ihn auf einer schnellen Runde behindert hatte. Und die "Grapschaffäre" Anfang 2021 ist den meisten Formel-1-Fans ohnehin noch in Erinnerung.

Masepin, in dem 'BBC'-Interview darauf angesprochen, erklärt sich dazu so: "Es ist nie leicht aufzuwachsen. Du wächst auf und lernst aus deinen Fehlern. In meinem Fall habe ich volle Verantwortung übernommen. Ehrlich gesagt bin ich nicht stolz drauf. Aber das waren die Fehler eines jungen Mannes."

Mit Bildmaterial von circuitpics.de.

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