Picci: "Wir wollen, dass Sauber ein echtes Schweizer Kulturgut wird“

Der Verwaltungsratspräsident der Sauber Holding AG will in Zukunft nicht nur im technischen Bereich Fortschritte erzielen, sondern auch die Wirkung auf die Fans verbessern.

Pascal Picci, der Generaldirektor der Gruppe, die Sauber vor dem finanziellen Zusammenbruch gerettet hat, traf sich mit Motorsport.com Schweiz im Hauptquartier in Hinwil, um über die Pläne und die Ziele für die kommende Formel-1-Saison zu sprechen. 

 

Der Manager aus Ecublens im Kanton Waadt ist neue Kooperationen eingegangen und hat Initiativen ins Leben gerufen, um neue Fans anzuziehen und dem Team so mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Im vergangenen Juli holten Sie Frédéric Vasseur als Ersatz für Monisha Kaltenborn ins Teams. Warum fiel die Wahl auf ihn?
"Im Wesentlichen aufgrund seiner fachlichen Kompetenz. Von den Kandidaten, die wir ins Auge gefasst hatten, war er sicherlich der beste. Unserer Ansicht nach ist er für die nächsten Jahre die richtige Person.“ 

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft, nachdem man 2017 das 25-Jahr-Jubiläum feiern konnte?
"Um weiterhin eine gewisse Glaubwürdigkeit zu haben, müssen wir einen verlässlichen (Industrie-) Partner finden. Sobald wir konkurrenzfähig sind, wird es einfacher werden, Sponsoren im In- und Ausland zu finden, was sehr wichtig wäre. Mit Liberty Media an der Spitze der Formel 1 erwarten wir uns für die Zukunft eine gerechtere Verteilung der Ressourcen. Das wäre natürlich eine enorme Hilfe für uns, denn nur so ist es uns möglich, unser volles Potenzial abzurufen.“

Ist es Ihnen auch ein Anliegen, den Schweizer Charakter des Unternehmens zu stärken?
"Wir würden gerne einen Schweizer Piloten einsetzen, aber nicht um jeden Preis. Der Pass alleine reicht nicht aus; du musst auch beweisen, dass du das Cockpit wirklich verdient hast. Nur wenn wir zwei Kandidaten mit gleichem Potential haben, entscheidet die Herkunft. Wir möchten auch das Bewusstsein für das Team innerhalb der Schweiz schärfen. Heute ist Sauber für viele Menschen nur noch irgendein Unternehmen mit Sitz in Hinwil oder im Kanton Zürich. Aber das ist nicht so, und deshalb führe ich im ganzen Land Interviews mit Zeitungen und dem Fernsehen.“

Wie sieht die weitere Zusammenarbeit mit Ferrari aus?
"In der kommenden Saison wird Ferrari unser Titelsponsor sein (mit der Marke Alfa Romeo; Hrsg.) und natürlich wollen wir eng mit ihnen zusammenarbeiten. Aber trotzdem werden wir versuchen, uns eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren.“ 

Vor einigen Wochen wurde die Partnerschaft mit Alfa Romeo bekanntgegeben. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
"Im Wesentlichen natürlich finanziell, aber auch auf technischer Ebene - wir hoffen, dass der Informationsfluss in beide Richtungen verlaufen wird. Unser Fokus liegt im Moment natürlich darauf, den Rückstand auf die Spitze zu verringern, aber Alfa Romeo hat auch die Absicht zum Ausdruck gebracht, in Zukunft einen eigenen Motor zu entwickeln.“

Wie werden Sie angesichts dieser Ankündigungen die Spitzentechnologie in Hinwil und im Speziellen den Windkanal nutzen?
"Der Windkanal wird hauptsächlich für die Formel 1 verwendet. Wir können es nicht riskieren, dass Kunden ihn beschädigen und dadurch die Entwicklungspläne, die wir für die nächsten beiden Saisons festgelegt haben, zu gefährden.“

Nach zehn Jahren Abwesenheit kehrte Sauber im vergangenen November an die Auto Zürich Car Show zurück. Wie hat Ihnen der Auftritt gefallen? Gibt es bereits Pläne für den kommenden Genfer Automobilsalon?
"Leider konnte ich nicht nach Zürich kommen, aber wir arbeiten daran, etwas für den Salon im März auf die Beine zu stellen. Wie erwähnt, gehört die Förderung des Teams in der Schweiz zu unseren Ambitionen.“ 

 

 Zurück zu den Wettbewerben: Was ist in diesem Bereich geplant? 
"Im Moment versuchen wir, unseren Auftritt in den sozialen Netzwerken zu intensivieren und unsere Internetseite zu verbessern. Später möchten wir eigene Veranstaltungen und Ausstellungen auf die Beine stellen und dabei die Medien und das Fernsehen miteinbeziehen. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, dass die Kommentatoren bei den Live-Übertragungen Fragen stellen, bei denen die Zuschauer Fahrerlagertickets für ein anderes Rennen gewinnen können.“

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung Werksbesuch: Sauber
Unterveranstaltung Besuch
Fahrer Marcus Ericsson , Antonio Giovinazzi , Charles Leclerc
Teams Sauber
Artikelsorte Interview
Tags pascal picci