Rätselraten bei Red Bull in Bahrain: Vom Winde verweht?

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Rätselraten bei Red Bull in Bahrain: Vom Winde verweht?
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble
31.03.2019, 22:57

Max Verstappen wird in Bahrain Vierter und klagt über zu viel Übersteuern - Teamchef Christian Horner sieht Verbesserungspotenzial beim Chassis

"Wir hätten das Podium heute nicht verdient", muss Red-Bull-Pilot Max Verstappen nach dem Grand Prix von Bahrain enttäuscht feststellen. Der Niederländer kam aufgrund der Safety-Car-Phase zu Rennende nicht mehr an Ferrari-Pilot Charles Leclerc vorbei. Das sei aus seiner Sicht auch gerechtfertigt. Red Bull sucht nach den Rängen vier und acht nun eine Erklärung für das mittelmäßige Ergebnis.

"Es ging nur darum, das [Rennen] irgendwie zu überstehen und das Auto ins Ziel zu bringen", schildert Verstappen die 57 Runden aus seiner Sicht. Der Holländer war von Position fünf in das Rennen gestartet und hatte sich bereits am Samstag kaum Chancen auf ein Podium ausgerechnet - zu schwierig war der RB15 in der Wüste zu fahren.    

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Am Rennsonntag war er schließlich mit den gleichen Schwierigkeiten erneut konfrontiert. Sowohl auf dem weichen Reifen, auf dem er gestartet war, als auch auf dem mittleren Pneu konnte er nicht genügend Grip aufbauen. "Ich bin sehr viel gerutscht. Ich musste die Reifen bis zum Ende gut managen." Am Samstag hatte er noch gehofft, dass er die Pace vom Longrun am Freitag auf dem Medium auch am Sonntag zeigen kann. Doch das gelang ihm nicht.

Verstappen fordert: "Wir müssen besser werden"

Das Grundproblem dahinter war zum einen das Set-up, das Red Bull für das Qualifying umgebaut hatte. Die Änderung sei laut Verstappen jedoch in die falsche Richtung gegangen. Aufgrund der Parc-ferme-Regelung konnte das Team schließlich für das Rennen nichts mehr umändern. "Das war also weniger gut." Daher hat sich sein Auto gegenüber dem Zeittraining auch nicht wesentlich verbessert: "Nein, absolut nicht. Ich hatte sehr viel Übersteuern. Auf keiner einzigen Runde fühlte ich mich wohl."

Ein nervöses Heck führt zu höherem Reifenverschleiß und wenig Grip, weshalb Verstappen im Rennen seine Position zwar halten, aber nicht auf die Top 4 aufschließen konnte. Der erste Boxenstopp in Runde 11 katapultierte ihn bis auf Position neun zurück. Wenig später duellierte er sich kurz mit Valtteri Bottas, musste den Mercedes allerdings ziehen lassen - und riss in nur 15 Runden einen Rückstand von knapp zehn Sekunden auf. Das bedeutet 0,6 Sekunden Zeitverlust pro Runde.

Nach seinem zweiten Stopp in Runde 32 (erneut auf einen frischen Satz Medium) konnte er sich ebenfalls wieder hinter Bottas einsortieren - bis Charles Leclercs Motorprobleme akut wurden. Drei Runden vor Rennende hatte Verstappen noch fünf Sekunden Rückstand, bis ins Ziel verringerte er den Abstand auf wenige Zehntelsekunden. Aufgrund der Safety-Car-Phase bis zum Rennende (ausgelöst durch das Doppelaus von Renault durfte der Niederländer den Monegassen nicht mehr überholen.

Max Verstappen, Valtteri Bottas

Keine Chance: Verstappen kann sich nicht gegen Bottas wehren

"Wir haben das Podium heute sowieso nicht verdient, daher bin ich vom Ergebnis nicht allzu enttäuscht. Wir haben gute Punkte und damit unser Maximum herausgeholt", kommentiert er den unglücklichen Umstand. Das Ergebnis bezeichnet er als "besser als erwartet", immerhin sei er noch vor dem ebenso strauchelnden Sebastian Vettel ins Ziel gekommen.

Zwar wäre er ohne dem Safety-Car am Ende erneut auf dem Podium gestanden, das wäre der "puren Pace" von Red Bull am Sonntag aber nicht gerecht geworden, so Verstappen bescheiden, denn die verortet der 21-Jährige nicht in den Top 3. Er fordert von seinem Team konkret: "Wir müssen einfach besser werden. Die Meisterschaft ist noch lange, derzeit haben wir eine harte Zeit. Wir müssen sichergehen, dass wir nicht zu viele Punkte liegenlassen. Es ist noch nichts passiert, aber wir müssen uns verbessern."

Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat nach dem Rennen bereits eine Erklärung parat. Der Brite ist der Ansicht, dass sein Team derzeit stark unter dem Chassis leidet - vor allem bei starkem Wind. "Es ist wirklich schwierig zu verstehen. Ich denke, dass uns der Wind heute negativ beeinflusst hat. Es scheint, als hätte uns das stark getroffen."

Sorgte der Wind für die schwache Pace?

Die Aerodynamik des Red Bull scheint demnach besonders sensibel zu sein. Während am Freitagnachmittag der Wind in den Longruns kaum eine Rolle gespielt hatte - Red Bull war sehr zuversichtlich -, frischte die Brise am Sonntag spürbar auf. Auch Sebastian Vettel und Lewis Hamilton merkten nach dem Rennen an, dass sie den stärkeren Wind unter anderem in Kurve 4 gespürt haben.

Verstappen hingegen ist von dieser Theorie nicht restlos überzeugt: "Ich bin nicht sicher, ob es der Wind schlimmer gemacht hat, aber natürlich hat er nicht geholfen." Die Verirrungen beim der Abstimmung haben Red Bull schließlich davon abgehalten, das Beste aus den Reifen herauszuholen - sowohl im Qualifying wie auch im Rennen. "Die Fahrer haben einen guten Job gemacht und das Maximum aus dem Auto herausgeholt, aber wenn man ihren Kommentaren zuhört, dann sind sie nicht glücklich mit dem Arbeitsfenster aktuell."

Denn der "sweet spot", also das optimale Arbeitsfenster eines Boliden, hat Red Bull das gesamte Wochenende über nicht gefunden. Aufgrund falscher Annahmen hat man in der Abstimmungsarbeit die falschen Schlüsse gezogen. Schon in Melbourne habe man sich in beim Set-up "vergaloppiert", ließ Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko vor dem Bahrain-Rennwochenende im exklusiven Interview wissen. Nun scheint sich die Geschichte wiederholt zu haben.

In Bahrain kam erschwerend hinzu, dass nur das zweite Freie Training am Freitagnachmittag unter repräsentativen Bedingungen gefahren wurde und Erkenntnisse aus den wärmeren Vormittagssessions dadurch mager waren. Hat Red Bull bereits seit den Testfahrten gewusst, dass der RB15 schwierig abzustimmen ist? "Man bekommt trügerische Anzeichen", antwortet Horner. 

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Seit Barcelona konnte das Team viele Erkenntnisse gewinnen. Nun gehe es darum, die kommenden Monate dafür zu nutzen, die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen und in die Entwicklung miteinzubeziehen. "Wir haben viele gute Daten von diesem Wochenende gesammelt und beginnen nun zu verstehen, auf welche Bereiche wir uns konzentrieren müssen." Details erwähnt er allerdings nicht.

Laut dem Briten muss sich Red Bull nun dezidiert auf die Verbesserung des Chassis konzentrieren. Motorpartner Honda nimmt er in Schutz: "Der Motor macht weiterhin guten Fortschritt." Bei der Topspeed-Wertung war das Team im Gegensatz zu Australien diesmal nicht an der Spitze zu finden, sondern mit 329,9 km/h (Gasly) und 316,2 km/h (Verstappen) nur auf den Rängen 12 und 19.

Horner ist dennoch wichtiger, das Chassis im Zusammenspiel mit den Reifen besser zu verstehen, damit die Abstimmungsarbeit an den kommenden Wochenenden nicht wieder zur Irrfahrt mutiert und Red Bull in das richtige Arbeitsfenster findet. Allerdings scheint nicht nur das Set-up allein für den Rückstand zu sorgen, da der Teamchef auch betont: "Wir müssen mehr Performance finden." Auch die schnellsten Rennrunden von Verstappen und Gasly waren wenig ermutigend: 1,9 Sekunden Rückstand auf die Spitze.

"Es ist sehr wichtig, dass wir verstehen, wo unsere Stärken und Schwächen im Vergleich zu Ferrari hier liegen." Das Beispiel Ferrari gibt Horner Mut, schließlich konnte das italienische Team die schwächelnde Performance von Australien in Bahrain in eine dominante Doppelspitze umwandeln. Ferrari habe "wie ein anderes Team" ausgesehen, weil sie in das Arbeitsfenster gefunden haben. Es gehe darum, den magischen Code zu entschlüsseln.

Die Testfahrten am Dienstag und Mittwoch sollen Red Bull dabei helfen, die Probleme besser zu verstehen. Die "Baustelle" Chassis soll dabei unter die Lupe genommen werden. Laut Teamchef Horner "perfektes Timing" nach dem schwierigen zweiten Saisonrennen für die Österreicher.

Mit Bildmaterial von LAT.

 
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