Reflexion statt Gemüse-Modus: Warum Toto Wolff nicht bei Facebook ist

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Reflexion statt Gemüse-Modus: Warum Toto Wolff nicht bei Facebook ist
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28.03.2019, 14:09

Toto Wolff verzichtet auch bei langen Flügen auf Filme und Musik, sondern starrt lieber in die Luft: Darum lebt der Mercedes-Boss Social-Media-Abstinenz vor

5,45 Millionen Menschen folgen Lewis Hamilton auf Twitter, 463.000 sind es bei Teamkollege Valtteri Bottas. Die Zahl der Follower von Mercedes-Teamchef Toto Wolff: null. Denn der Österreicher besitzt keinen eigenen Account auf Twitter - auch auf Instagram oder Facebook sucht man Wolff vergeblich. Stattdessen hat er gelernt, sich komplett von den sozialen Medien abzuschotten.

"Es gibt keinen Moment mehr, an dem man mal für sich selbst dasitzt und aus dem Fenster schaut und einfach das Dasein genießt", erzählt er in Nico Rosbergs Podcast 'Beyond Victory'. "In jeder freien Minute hängen wir an unserem Smartphone, checken Mails, surfen im Internet oder schauen auf soziale Netzwerke. Für mich versetzt es das Gehirn in eine Art Standby-Modus."

Auch er selbst sei nicht immun dagegen, sagt er. "Ich ertappe mich auch selbst dabei, wie ich in einer freien Minute am Flughafen nach dem Telefon greife. Aber ich habe jetzt die Disziplin, es zurückzulegen."

Wolffs persönliche Entertainment-Askese

Früher besaß Wolff selbst einen eigenen Facebook-Account - das war allerdings noch vor seiner Zeit bei Williams. Wie zu hören ist, soll Wolff damals rund 80 Freunde in seiner Liste gehabt haben, bevor er seinen Account aus eigenem Antrieb zudrehte. Heute verzichtet er komplett darauf.

Selbst auf dem langen Flug von Australien zurück nach Europa ließ sich Wolff nicht ablenken: kein Film, keine Musik, kein Internet. Stattdessen ging er in sich und dachte über das vergangene Rennwochenende nach. "Flüge sind für mich die ruhigsten Momente, weil ich mich nicht in das W-Lan einklinke. Ich schaffe es, nicht zu lesen, keinen Film zu schauen, sondern einfach zu essen und für mich zu sein und die Ereignisse zu reflektieren", erzählt er.

Wenn er sich im Flugzeug umsieht, dann sieht er immer das gleiche Bild: "Die ganze Formel-1-Community starrt auf einen Bildschirm und schaut den dümmsten Film, den man sich anschauen kann. Und ich genieße es, in den Raum zu schauen. Ich schaue auf die Decke und kann das stundenlang tun."

Gutes Vorbild für seine drei Kinder

Das würde der Österreicher gerne öfter von anderen sehen und ermutigt andere im Arbeitsleben, auch einmal die Füße hochzulegen und in die Luft zu starren - anstatt auf einen Bildschirm. "Wir geben uns selbst keine Denkzeit mehr, aber ich glaube, dass wir sie brauchen", sagt er.

Seinen drei Kindern möchte er dabei ein gutes Vorbild sein. Wolff hat neben seinem zweijährigen Sohn mit Frau Susie auch noch zwei Kinder im Teenager-Alter aus erster Ehe und erzählt ihnen immer von den großartigen Anführern wie Winston Churchill, die auf Bildern auch immer in die Gegend schauen und nachdenken würden. "Wann tun wir das mal? Niemand macht das mehr. Meine Kinder haben von dieser Story schon die Nase voll", lacht er.

 

Am heimischen Esstisch ist das Handy daher für Wolff tabu - allein schon aus Vorbildgründen. "Mein Zweijähriger sieht mich und versteht es nicht, wenn ich ihn keinen Film schauen lasse."

Wolff ist überzeugt: Die kurzfristige Belohnung fällt zwar weg, aber die langfristige wird kommen. "Wir sind alle Opfer der Social-Media-Giganten, die uns wortwörtlich in ihr System saugen. Wenn wir dem widerstehen, werden wir stärker in einer Gesellschaft, in der alle zu Gemüse werden."

Mit Bildmaterial von LAT.

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Autor Norman Fischer
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