Neues Reglement: 2019 drohen noch längere Boliden

geteilte inhalte
kommentare
Neues Reglement: 2019 drohen noch längere Boliden
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble
21.01.2019, 12:48

Wieso die neuen Regeln dafür sorgen könnten, dass die Boliden noch länger werden, was das für die Topteams bedeutet und wann das Ende dieses Trends erwartet wird

Hat sich die Formel 1 mit dem neuen Reglement ein Eigentor geschossen? Das ist nicht auszuschließen, denn nachdem bereits der neue, vereinfachte Frontflügel von vielen als sinnlose Geldverschwendung bezeichnet wurde, könnten die Länge der Autos nun auch noch weiter zunehmen. Und das, obwohl die Boliden seit dem Verbot der Tankstopps im Jahr 2010 ohnehin bereits deutlich länger geworden sind und bereits als "Autobusse" verschmäht wurden.

Doch warum könnten die Autos 2019 länger werden? Das hat damit zu tun, dass das Spritlimit ab 2019 nicht mehr wie bisher 105 Kilogramm, sondern 110 Kilogramm betragen wird - eine Änderung, die das leidige Thema Spritsparen aus der Formel 1 verbannen soll. Denn seit der bislang letzten Aerodynamikrevolution im Jahr 2017, die für breitere Autos, mehr Abtrieb und schnellere Rundenzeiten sorgte, ist auch der Spritverbrauch wieder angestiegen.

Bei gewissen Rennen war es daher nur möglich, mit "Lift and Coast" - also dem vorzeitigen Vom-Gas-Gehen und dem Nutzen der Motorbremse - das Ziel zu erreichen, was bei Fans und Fahrern auf wenig Begeisterung stieß. Doch die Anhebung der maximal erlaubten Spritmenge hat auch Konsequenzen auf das Design des Autos: Der Benzintank wird dadurch größer.

Die Auswirkungen auf die Topteams

Warum man den Tank nicht höher bauen kann, um einen längeren Radstand zu verhindern? Das liegt ebenfalls am Reglement, das in Artikel 6.1.3 vorschreibt, dass das Benzin nicht mehr als 400 Millimeter von der Längsachse entfernt gelagert werden darf. Da die FIA auch den Ort für den Benzintank in der Mitte des Autos vorschreibt, können die Designer nur in die Länge bauen, wenn sie Motor und Getriebe nicht auf engerem Raum als bisher unterbringen.

 

Man darf nun gespannt sein, wie die Teams auf die geänderten Rahmenbedingungen reagieren. Bereits im Vorjahr verfügte der Mercedes mit 3,726 Metern über einen deutlich längeren Radstand als der Ferrari (3,621 Meter) und der Red Bull (3,550 Meter). Das bedeutet einerseits, dass das Weltmeisterteam, das schon in den vergangenen Jahren auf einen längeren Radstand setzte, diesbezüglich im Vorteil sein könnte, andererseits haben die Silberpfeil-Rivalen noch mehr Spielraum, um den Radstand zu vergrößern.

Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass Mercedes zwar die Länge des Autos vergrößert, aber dem gleichen Radstand treu bleibt. Laut unseren Schätzungen bedeutet ein Kilogramm Sprit zusätzliche sieben Millimeter, was einer Verlängerung von 35 Millimetern entsprechen würde.

Gerüchte: Plant Ferrari längeren Radstand?

Der Vorteil eines langen Radstands ist, dass man über die gewonnene Fläche mehr Abtrieb generieren kann. Nachteile sind das zusätzliche Gewicht und Schwierigkeiten auf winkeligen Kursen, um die Kurven zu kommen.

Gerüchten zufolge setzt Ferrari dieses Jahr auf einen längeren Radstand als bisher: Wenn man aber den Abstand zwischen Motor und Hinterachse vergrößern will, um ein radikaleres Design zu ermöglichen, müsste man vermutlich auch die Vorderräder weiter nach vorne bringen, um die von der FIA vorgeschriebene Gewichtsverteilung des Autos zu erfüllen.

Dadurch könnte Platz zwischen den Vorderrädern und den Seitenkästen entstehen, was durchaus gewünscht ist: Denn durch die Reglementänderungen beim Frontflügel und bei den Bargeboards geht Abtrieb verloren, den man durch zusätzlichen Platz zumindest teilweise zurückgewinnen könnte. Dazu kommt, dass Ferrari bereits in den vergangenen Jahren beim Konzept der Seitenkästen das innovativste Team im Feld war. Man darf also gespannt sein, was der Truppe des neuen Teamchefs Mattia Binotto eingefallen ist.

Warum die Autos ab 2021 kürzer werden sollten

Auch nicht auszuschließen ist allerdings, dass manche Teams die neue Regel ignorieren und den Benzintank absichtlich nicht größer bauen als bisher, um die Vorteile eines leichteren Autos zu nutzen. Denn auf manchen Strecken war es auch im Vorjahr nicht notwendig, Sprit zu sparen, zudem reicht oft eine Safety-Car-Phase, damit das Thema bedeutungslos wird.

Zehn Kilogramm Sprit machen einen Unterschied von drei Zehntelsekunden pro Runde aus. Daher haben manche Teams bereits diese Saison den Tank nicht randvoll gemacht, solange man dadurch kein entscheidendes Leistungsdefizit befürchtete. Dagegen spricht allerdings, dass die Reglementänderung den Luftwiderstand zusätzlich vergrößern werden, wodurch auch der Verbrauch ansteigt. Pokert man, könnte der Schluss also komplett nach hinten losgehen.

 

Ab 2021 sollte es übrigens eine Lösung für das Problem der langen Boliden geben: Liberty-Sportchef Ross Brawn plant im Zuge der großen Regelnovelle, den Radstand der Autos per Reglement vorzugeben, damit die Autos wieder aggressiver aussehen.

 

Nächster Artikel
TV-Einschaltquoten: Formel 1 legte 2018 weltweit deutlich zu

Vorheriger Artikel

TV-Einschaltquoten: Formel 1 legte 2018 weltweit deutlich zu

Nächster Artikel

Neuer Manager: Mick Schumacher vor Zusammenarbeit mit Nicolas Todt

Neuer Manager: Mick Schumacher vor Zusammenarbeit mit Nicolas Todt
Kommentare laden

Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Autor Sven Haidinger