Renault beschuldigt Red Bull: Sie manipulieren die Daten!

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Renault beschuldigt Red Bull: Sie manipulieren die Daten!
Autor: Christian Nimmervoll
27.12.2018, 06:58

"Red Bull verschleiert die Fakten und manipuliert die Daten", kritisiert Cyril Abiteboul - Helmut Marko kontert: "Honda liegt derzeit schon etwas über Renault"

Dieser Tage geht, nach zwölf Jahren, die erfolgreiche, aber nicht immer einfache Partnerschaft zwischen Red Bull und Renault zu Ende. Zuletzt hatten das österreichisch-britische Team und der französische Motorenhersteller kein besonders gutes Verhältnis. Und das bleibt offenbar bis zum formellen Auslaufen des Vertrags so.

Auf der einen Seite klagt Motorsportkonsulent Helmut Marko, wie groß das Leistungsdefizit zuletzt war: "Wir waren von vornherein in der B-Kategorie. Uns haben im Qualifying gut und gern 70 PS gefehlt. Je nach Rennstrecke ist es weniger geworden. Aber im Schnitt waren wir immer 40 PS hinten", sagt er im Interview mit 'Motorsport.com'.

"Wir sind teilweise als die großen Jammerer hingestellt worden", ärgert er sich. "Aber anhand unserer GPS-Daten ist ganz klar ersichtlich, wie viel wir auf den Geraden verlieren und wie viel wir in den Kurven gewinnen. So kommen wir auf die Zahlen, die ich genannt habe. Wobei: Als die Ferrari-Power am Höhepunkt war, war das Ganze noch extremer."

Jetzt, mit dem neuen Partner Honda, sei alles anders: "Die Zahlen, die da gekommen sind, machen uns echt optimistisch. Auch im Hinsicht auf die Leistungssteigerung. Erstmals können wir auch mit einem 'Party-Mode' feiern! Der Honda-Motor liegt derzeit schon etwas über dem Renault-Motor. Wenn man unsere GPS-Daten mit den Werten, die Honda angibt, kombiniert, kommen wir in die Region von Mercedes und Ferrari."

 

Aussagen, die Renault-Sportchef Cyril Abiteboul offenbar für Geflunker hält - um Renault schlecht dastehen zu lassen und den neuen Partner Honda mit Lob zu motivieren. Ganz ähnlich (aber nicht ganz so extrem), wie das McLaren mit Honda und Renault gemacht hat. Abiteboul gießt über die spanische 'Marca' zum Abschied Öl ins Feuer.

"Honda liegt immer noch 20 kW hinter uns", meint der Franzose. "Ich weiß, was Red Bull behauptet." Aber: "Sie verschleiern die Fakten und manipulieren die Daten. Ich verstehe, was sie mit dieser Kommunikationsstrategie bezwecken wollen. Aber es gibt keine Fakten, die das belegen. Ganz im Gegenteil: Honda liegt 20 kW hinter uns."

Unabhängig davon, was die Daten nun belegen oder auch nicht, herrscht bei Red Bull so etwas wie Aufbruchstimmung. Die aerodynamischen Eckpunkte des 2019er-Chassis, das federführend von Adrian Newey designt wird, sind ermutigend, und die Zusammenarbeit mit Honda motiviert das komplette Team. Die Renault-Kooperation war eingeschlafen. Mit Honda weht ein frischer Wind.

"Wir haben in Milton Keynes eine richtige Euphorie. Es herrscht Aufbruchstimmung", berichtet Marko und begründet: "Bevor der Toro-Rosso-Vertrag unterschrieben wurde, haben wir einen Power-Sheet bekommen. Darauf stand, wie die einzelnen Stufen in der Weiterentwicklung ausschauen. All diese Stufen - und vor allem die Leistungssteigerungen - wurden eingehalten."

"Vor ein paar Wochen", sagt er, "hatten wir das erste Strategiemeeting mit Honda in Milton Keynes. Da ging es darum, die Detailarbeit zusammenzuführen. Bis jetzt war da Toro Rosso federführend, aber das verschiebt sich jetzt in Richtung Milton Keynes und Red Bull Racing. Glücklicherweise gibt es keine zehn Minuten von uns entfernt Hondas Motoren-Headquarter in Europa. Dadurch geht das alles noch schneller und enger."

 

Selbst wenn Honda weitere Fortschritte findet, ist Marko skeptisch, ob es den Japanern schon 2019 gelingen wird, zu Mercedes und Ferrari aufzuschließen: "Natürlich schlafen die auch nicht. Aber die sind schon auf so einem hohen Level, dass sie solche Sprünge nicht mehr vollziehen können. Selbst wenn wir zehn oder 15 kW hinten sein sollten - das war in unserer Renault-Zeit mit dem Achtzylinder nicht anders -, können wir das wettmachen."

"Uns ist auch klar, dass es mit der Standfestigkeit wahrscheinlich schwierig wird. Höchstwahrscheinlich kommen wir nicht mit drei Motoren aus", räumt der Österreicher ein. "Aber wenn man die richtigen Strecken aussucht, kann man in ein paar Runden wieder bei der Spitze dabei sein. Das hat Verstappen bewiesen. Das wird das Konzept sein, dass wir bewusst Motorenstrafen in Kauf nehmen, wenn es notwendig ist."

Immerhin in einem Punkt nimmt Marko Renault in Schutz: Die Verschwörungstheorie, dass Renault absichtlich "B-Ware" an Red Bull geliefert haben könnte, glaubt er nicht: "Da muss ich widersprechen. Bei Hülkenberg und Sainz und auch bei McLaren gab es auch eine ziemlich große Anzahl an technischen Defekten", sagt Marko.

"Bei Ricciardo", ergänzt er, "war es eine Anhäufung von Pech. Wir hatten in der Vergangenheit mit Webber genau das Gleiche, mit ich weiß nicht wie vielen Ausfällen. Oder auch in neuerer Zeit, als Sebastian und Ricciardo 2014 zusammen bei uns waren. Da haben alle Defekte Vettel betroffen und nicht Ricciardo. Ich glaube nicht, dass wir bewusst benachteiligt wurden."

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