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Russell nach Desaster-Wochenende: Erleichtert, dass es vorbei ist

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Russell nach Desaster-Wochenende: Erleichtert, dass es vorbei ist
Autor:
Co-Autor: Valentin Chorgungi
29.04.2019, 12:02

Williams-Pilot George Russell erklärt nach dem Baku-Wochenende, warum er die Herausforderung "genießt" - Ratschläge bekommt er von Toto Wolff

Geschwächt ging Williams-Pilot George Russell in den Grand Prix von Aserbaidschan, ernüchtert verlässt er Baku wieder. Der Brite erlebte ein weiteres Wochenende zum Vergessen. Zunächst war er gesundheitlich angeschlagen, dann ereignete sich der skurrile Gullydeckel-Vorfall am Freitag. Er spricht von einer "Erleichterung", dass das Wochenende endlich vorbei ist.

"Es war so gut, wie es eben sein konnte", lautet Russells Fazit nach den 51 Rennrunden, von denen er nur 49 absolvierte, da er zweimal überrundet wurde. Auf dem 15 Rang kam er schließlich ins Ziel. "Wir wussten schon vor dem Rennen, dass das womöglich das schwierigste Wochenende werden könnte."

Der Williams FW42 war nicht für die engen Kurven und langen Geraden gebaut worden, hinzukamen weitere unglückliche Faktoren. Russell reiste geschwächt nach Baku, sodass seine Interviews am Donnerstag abgesagt werden mussten.

1,5 Sekunden langsamer als 2018

Am Freitag saß er zwar wieder im Auto, kam jedoch nicht weit: 15 Minuten nachdem das erste Freie Training gestartet wurde, ereignete sich ein kurioser Zwischenfall mit einem Gullydeckel zwischen den Kurven 2 und 3. Russell erwischte den losen Deckel bei voller Fahrt, sein Bolide wurde schwer beschädigt.

"Das hat unseren Tag ruiniert." Denn aufgrund des Chassiswechsels konnte er erst am Samstagvormittag wieder trainieren. Die wenige Vorbereitungszeit war ebenso wenig dienlich, Williams lag im Qualifying erneut abgeschlagen am Ende des Feldes zurück.

Besonders beunruhigend sind die Rundenzeiten der Williams-Piloten gewesen: Im Vergleich zum Vorjahr war Russells Zeit um rund 1,5 Sekunden langsamer. Überhaupt lässt sich ein trauriger Trend in den ersten vier Rennen erkennen: Williams' Abstand im Qualifying gegenüber ihrer jeweiligen Vorjahreszeit wuchs von 0,130 Sekunden (Melbourne) auf 1,477 Sekunden (Baku) an. 

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Fuhr das Team 2017 noch eine 1:42er-Zeit im Qualifying, so war das Team zwei Jahre später an selber Stelle um satte 2,7 Sekunden langsamer. Das britische Traditionsteam hatte als einzige Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr ein langsameres Auto in Baku. Besonders bitter ist dieser Umstand, da die Rundenzeiten insgesamt deutlich schneller wurden im Vergleich zu 2018.

"Dass das Wochenende jetzt vorbei ist, ist eine Erleichterung", gibt Russell offen zu. Er versucht, seine Mannschaft in dieser schwierigen Phase motiviert zu halten: "Es wir nun definitiv einfacher. Ich bin zuversichtlich, dass wir gute Fortschritte machen."

Schließlich arbeite das Team "extrem hart". Russell geht sogar noch weiter und erklärt, warum er mit der aktuellen Situation gut umgehen könne. "Ehrlich gesagt genieße ich die Herausforderung. Das ist für mich nun eine andere Rolle, die darin besteht, das Team anzuleiten."

Updates in Barcelona "zeigen, ob noch Hoffnung besteht"

Er habe große Verantwortung, denn er möchte versuchen, das Team wieder konkurrenzfähig zu machen. "Ich möchte sie dorthin bringen, wo Williams hingehört. Diesen Aspekt genieße ich sehr. Es ist nur schade, dass dieser Prozess nicht schnell vonstattengeht. Das braucht Zeit."

Seit dem verspäteten Testauftakt in Barcelona war Russell klar, dass er eine sehr schwierige erste Formel-1-Saison vor sich haben wird. "Wir wussten, dass wir dieses Auto nun für die nächste vier Rennen haben werden."

Für den kommenden Europaauftakt hat das Team aus Grove erste Updates angekündigt. "Wir haben ein paar aufregende Dinge in der Pipeline. Diese Wochenenden machen uns stärker und ich glaube, wir können den Spieß noch umdrehen." Diese Updates sollen Vorboten für die restliche Saison sein.

George Russell

Russell war froh, dass das Baku-Wochenende endlich vorbei war

Foto: LAT

"Kleinere" Änderungen an der Aerodynamik aber auch an den Bremsen sind zu erwarten. "Das ist kein ganzes Upgrade-Paket, aber es wird uns eine klare Richtung weisen, worauf wir uns fokussieren müssen. Basierend auf diesen Ergebnissen werden wir verstehen, ob es noch Hoffnung gibt für die restliche Saison oder nicht."

Erschwerend kommt für die bereits gebeutelte Mannschaft hinzu, dass der Posten des Technikchefs derzeit nicht besetzt ist, da Paddy Lowe seinen Platz vorzeitig geräumt hat. "Ich habe natürlich keine allzu große Formel-1-Erfahrung. Daher kenne ich den Unterschied auch nicht. Ich habe nicht jeden Tag mit der Technikabteilung zu tun. Da muss man wohl die Designer fragen", weicht der 21-Jährige der Frage nach dem vakanten Chefposten aus.

Zwar konnte er in seiner Rolle als Entwicklungsfahrer bei Mercedes sehen, wie das Weltmeisterteam im Gegensatz zu Williams operiert, aber auch dort habe er nicht direkt mit Technikchef James Allison gearbeitet. Er verrät nur so viel: "Im Hintergrund passieren gerade sehr viele Dinge."

Russell: "Nicht mein erstes schwieriges Jahr"

Der Rookie macht deutlich, dass seine Rolle darin besteht, seinen Job bestmöglich auszuführen und das Team gleichzeitig zu motivieren. Bereits in der Vergangenheit erlebte er einige Herausforderungen, die ihn auf solche Situationen vorbereitet haben.

"Das ist nicht mein erstes schwieriges Jahr, auch mein vergangenes Jahr im Kart war hart", erinnert er sich. "Ich bin zu einem Team gegangen, das damals nicht konkurrenzfähig war." Russell absolvierte 2013 die Weltmeisterschaft (Platz 19) und die Europameisterschaft (Platz zwölf).

"Das kann man eine charakterbildende Saison nennen", ähnlich wie auch sein aktuelles Formel-1-Jahr. Auch in der Formel-3-Europameisterschaft erlebte Russell 2015 und 2016 keinen Durchmarsch: "Meine beiden Jahre in der F3 waren weit weg von perfekt."

Doch das bereut er heute nicht, denn: "Das hat mich zu dem Fahrer gemacht, der ich heute bin. Aus diesen Momenten habe ich sehr viel gelernt. Ich glaube, wenn du einen so perfekten Weg machst, dann weißt du nicht, wie du mit einer Schwierigkeit umgehen sollst. Wohingegen ich schon einige schwierige Momente erlebt habe und darin schon Erfahrung habe."

Zwar sei auch er nach einer Session oft "enttäuscht" oder "stinksauer", aber er erkennt, dass ihn das langfristig nicht weiterbringt. "Niemand hier will in dieser Situation sein. Jeder gibt sein Bestes, um uns eine Chance zu ermöglichen. Es ist daher sehr wichtig, dass ich alle motiviert halte."

Sich selbst hält Russell motiviert, indem er sich die Leistungen der anderen Rookies, allen voran Lando Norris (McLaren) und Alexander Albon (Toro Rosso) ansieht. Die beiden konnten bereits mehrfach aufzeigen, was keine Überraschung sei, meint der Brite.

Wie die anderen Rookies Russell helfen

"Ich glaube, das Niveau der Rookies in diesem Jahr ist extrem hoch. In diesen schwierigen Zeiten hilft mir auch ihre Leistung. Da ich im Vorjahr im gleichen Auto gesessen habe, sieht das natürlich auch für mich gut aus, wenn sie einen tollen Job machen", so seine Überlegung.

Denn Russell konnte sich im Vorjahr vor Albon und Norris den Titel in der Formel 2 sichern. Sein hartes erstes Lernjahr werde ihn nur stärker machen, ist er überzeugt. Unterstützung erhält er weiterhin von Mercedes, nachdem er nach wie vor dem Nachwuchskader der Silberpfeile angehört.

"Toto ist immer gewillt, mir Ratschläge zu geben und ich bin noch immer sehr eng mit allen bei Mercedes. Sie bieten ihre Unterstützung an und persönlich versuchen sie mich dazu zu bringen, das meiste aus der Gesamtsituation zu machen."

 

Ausgerechnet Russell war gegen Rennende in Aserbaidschan das Zünglein an der Waage. Denn er stand zur Überrundung an, als sich Valtteri Bottas und Lewis Hamilton um den Sieg bekämpften. Durch den Williams bekam der führende Finne einen Windschatten.

"Mir war bewusst, dass sie gegeneinander fahren. Wir haben den weichen Reifen am Ende aufgezogen, den brachte ich aber nicht zum Laufen. Es fühlte sich an, als würde ich auf Eis fahren. Ich dachte schon, hoffentlich komme ich ihnen nicht in die Quere, immerhin waren es die Mercedes-Fahrer", schmunzelt der Brite.

"Aber sie sind dann an mir vorbeigeflogen und ich konnte sie bald nicht mehr sehen. Zumindest war ich im Fernsehen", freut er sich. Einen Vorteil wollte er Bottas "nicht absichtlich" verschaffen. "Lewis ist jetzt womöglich nicht mein bester Freund, aber so läuft das eben."

Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Autor Maria Reyer