Russells Powerpoint-Präsentation: Was er von Toto Wolff wissen wollte

Mercedes-Sportchef Toto Wolff schildert, wie ihn der jetzige Formel-1-Fahrer George Russell einst mit Powerpoint von seinen Qualitäten überzeugte

Russells Powerpoint-Präsentation: Was er von Toto Wolff wissen wollte

"Er sah eher aus wie ein Buchhalter als ein Rennfahrer", sagt Toto Wolff, wenn er an den Moment zurückdenkt, in dem er die Bekanntschaft von George Russell gemacht hat. Denn Russell hatte sich vor Jahren selbst zu Wolff eingeladen, um Werbung in eigener Sache zu machen. Mit Erfolg: Wolff holte Russell in den Mercedes-Nachwuchskader und in die Formel 1.

Was sich bei dem ersten Treffen der beiden genau zugetragen und wie Russell Wolff überzeugt hat, das hat der Mercedes-Sportchef nun bei einem von TV-Sender 'Sky' gehosteten Medienevent erklärt.

Demnach hatte sich Russell schlicht "mit einem E-Mail angekündigt", so Wolff. "Er hat geschrieben, dass er die britische Kart-Staatsmeisterschaft gewonnen und jetzt gerade die britische Formel 4 gewonnen hat." Russell habe noch ergänzt: "'Ich bräuchte Ihren Rat.'"

Der erste Eindruck von George Russell

Also ließ Wolff den damals 16 Jahre jungen Engländer zu sich kommen und der Teenager nutzte seine Chance. "Ich finde das immer ganz cool, wenn die jungen Leute bei mir hereinmarschieren", sagt Wolff und fügt hinzu: "Er kam ganz alleine, in einem schwarzen Anzug, mit einer schwarzen Krawatte. Muss sein Kommunionsanzug gewesen sein, denn der war ziemlich eng!"

Mit dabei hatte Russell eine Powerpoint-Präsentation, die er Wolff zeigte. Der Nachwuchsfahrer sei "einigermaßen nervös" gewesen, meint Wolff.

Russell aber hatte sich gewissenhaft auf den Termin vorbereitet. "In dieser Powerpoint-Präsentation standen alle Gründe, warum er eines Tages ein erfolgreicher Mercedes-Pilot sein kann", erklärt Wolff. "Das war wirklich tipptopp gemacht."

Russell kannte schon damals nur ein Ziel

"Da stand zuerst sein Lebenslauf, seine verschiedenen Erfahrungen. Dann war eine Seite 'Meine Stärken', eine andere Seite 'Meine Schwächen', und dann war eine Seite, wie er weiter an seinen Schwächen arbeiten will und wie er seine Stärken ausbauen will."

"Und dann kam ein Karriereplan, mit dem Ziel Formel 1, und mit dem Ziel, bei Mercedes zu fahren. Das hat er alles in seinem Kopf geplant", sagt Wolff.

Dieser Plan ist inzwischen aufgegangen, zumindest teilweise: Als Ersatz für Lewis Hamilton fuhr Russell beim Sachir-Grand-Prix in Bahrain bereits ein Rennen für das Mercedes-Team in der Formel 1 - und hätte dieses Rennen vielleicht sogar gewonnen, wenn es nicht zu einer Boxenpanne gekommen wäre. So erzielte Russell "nur" seine ersten Formel-1-Punkte.

Was Russell von Wolff wissen wollte

Davon war er bei seinem Termin mit Wolff vor einigen Jahren noch weit entfernt. "Seine Frage [damals] war eigentlich: Er würde gern bei einem englischen Formel-3-Team, bei Carlin, fahren, und die haben Volkswagen-Motoren. Ob das für mich ein No-Go wäre für eine spätere Mercedes-Karriere", sagt Wolff.

"Ich habe gesagt: 'Nein, wenn du bei Carlin fahren willst, fahr bei Carlin.' Dann ist er hinausmarschiert. Seitdem ist er bei Mercedes unter Vertrag."

Im Januar 2017 wurde die Aufnahme ins Nachwuchsprogramm offiziell. Im gleichen Jahr gewann Russell im ersten Anlauf die GP3-Serie und 2018 ebenfalls im ersten Jahr die Formel 2. Seit 2019 fährt er für Williams in der Formel 1 und startet auch 2021 für das britische Traditionsteam.

Wer plant die Zukunft von George Russell?

Was danach kommt? Das ist noch offen. Russell selbst verweist auf Mercedes und meint: "2016 habe ich einen Vertrag bei Mercedes unterschrieben. Mercedes kümmert sich um mein Management."

"[Die Marke] hat in mich investiert und mir ihr Vertrauen geschenkt. Das bedeutet mir sehr viel. Ich stehe zu Mercedes. Daher bin ich zufrieden und zuversichtlich, was meine Position unter Mercedes' Führung betrifft."

Was er hier nicht sagt, sich wohl aber erhofft: die Beförderung ins Mercedes-Werksteam in der Formel 1 in naher Zukunft.

Mit Bildmaterial von LAT.

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