Sebastian Vettel auf P11: "Zeigt, dass jeder Schuss sitzen muss"

Wie Aston-Martin-Fahrer Sebastian Vettel sein Formel-1-Qualifying in Baku bewertet und warum es um Haaresbreite nicht zu einem Q3-Platz gereicht hat

Sebastian Vettel auf P11: "Zeigt, dass jeder Schuss sitzen muss"

Sebastian Vettel hat nach P11 im Qualifying zum Aserbaidschan-Grand-Prix 2021 (hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!) in Baku seine Lektion gelernt. Denn er glaubt: Es hätte mehr für Aston Martin herausspringen müssen. Die Umstände aber ließen das nicht zu. "Das zeigt irgendwo, dass jeder Schuss sitzen muss", meint Vettel.

Im Gegensatz zu Max Verstappen, der das Qualifying aufgrund der vielen Zwischenfälle als "Scheiße" bezeichnet hat, nimmt Vettel die vielen Unterbrechungen auf die leichte Schulter - und kreidet sein Abschneiden in erster Linie sich selbst an.

Es sei "bitter", dass der zweite Versuch in Q2 einer Rotphase zum Opfer gefallen sei, "aber das gehört bei dieser Strecke natürlich dazu", meint Vettel bei 'Sky'. Außerdem habe er einen "sehr guten" ersten Versuch "nicht ganz ins Ziel gebracht", so erklärt der Deutsche.

Vettels verhängnisvoller Fehler in Kurve 15

Vettel spielt damit auf seine fliegende Runde in Q2 an, die ihm mit 1:42.224 Minuten gerade nicht zum Weiterkommen verholfen hat, weil 0,029 Sekunden fehlten. Er ärgere sich jedoch "nicht wegen der drei Hundertstel", sagt Vettel, "sondern aufgrund eines Fehlers".

Er erklärt: "Ich hatte mich eingangs Kurve 15 massiv verbremst. Ich hatte Glück, dass ich weitermachen konnte. Ich kam mit einem gewaltigen Bremsplatten über die Linie."

Und Vettel ist davon überzeugt, dass "ohne die Szene" deutlich mehr möglich gewesen wäre für Aston Martin. "Dann sind wir besser positioniert und in Q3 dabei", meint er. "An der Stelle habe ich wohl vier Zehntel verloren."

Warum Kurve 15 ein Unfallschwerpunkt ist

Zieht man diese vier Zehntel von seiner Rundenzeit ab, ergibt das Platz acht - Q3 scheint basierend auf dieser Aussage also in Reichweite gelegen zu haben. "Also: etwas schade", sagt Vettel, der den Verbremser aber als komplett "mein Fehler" bezeichnet und hinzufügt: "Da bin ich unzufrieden mit mir selbst."

Dass aber nicht nur er, sondern auch andere Fahrer in Kurve 15 Schwierigkeiten gehabt hatten, habe einen einfachen Grund: Wind. Denn in Baku, der "Stadt der Winde", pfeift die Luft nur so durch die Häuserschluchten, meist aus nördlicher Richtung und im Schnitt mit 25 km/h. Einzelne Windstöße erreichen aber auch 50 km/h.

Das mache Kurve 15 zu einer fahrerisch anspruchsvollen Stelle, sagt Vettel. "Du hast Rückenwind, es geht bergab, es gibt mehr Bodenwellen als früher. Das macht es sehr schwierig."

"Du weißt eigentlich nicht, wie es sein wird, bis du dort ankommst in der Bremszone. Es ist ein bisschen ein Ratespiel, wie viel Risiko man gehen kann."

Ihm sei an dieser Stelle ein Fehler unterlaufen, "also war ich wahrscheinlich etwas zu riskant unterwegs", sagt Vettel. "Aber es ist, wie es ist. Man sieht den Wind halt nicht."

Was bringt die freie Reifenwahl?

Und so geht er von P11 ins Rennen, und damit immerhin mit freier Reifenwahl, während die Top-10-Fahrer auf Soft losfahren müssen. Ein Vorteil für Vettel, der deshalb gleich von Anfang an die für die Renndistanz besseren Pneus verwenden kann?

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel geht mit dem Vorteil der freien Reifenwahl ins Rennen

Foto: Motorsport Images

"Jeder sagt das", meint Vettel und fügt grinsend hinzu: "Also wiederhole ich das gerne, wenn es hilft! Es kann hoffentlich nur ein Vorteil sein. Das sagt man natürlich immer, wenn man auf P11 steht. Der Rest zeigt sich dann."

Auf die Reifenstrategie setzen muss indes auch Vettels Aston-Martin-Teamkollege Lance Stroll, dem just Kurve 15 ebenfalls zum Verhängnis geworden ist: Stroll touchierte die äußere Bande in dieser Passage schon in Q1 und ohne Rundenzeit, weshalb er aus der letzten Startreihe losfahren muss. Denn mit gebrochener Aufhängung war er sofort außen vor.

"Mein Fehler", kommentiert Stroll den Unfall. "Ich habe mich schon beim Team entschuldigt."

Stroll: Von ganz hinten noch in die Punkte?

Der bisherige Wochenendverlauf mit vielen Zwischenfällen zeige, dass diese Passage äußerst schwierig zu fahren sei. "Die Kurve fällt nach außen ab, man bremst ganz rechts an. Das bedeutet, du blockierst leicht das rechte Vorderrad. Heute hatten wir noch Rückenwind. Das legt dich dann schnell mal rein", sagt Stroll.

Er sei unterm Strich "zu schnell in die Kurve reingefahren", erklärt er. "Dann habe ich mich verbremst und es ging dahin. Natürlich ärgere ich mich über mich selbst."

"Der Fokus liegt aber schon darauf, im Rennen morgen zurückzuschlagen. Denn in Baku kann man überholen. Wir werden also versuchen, im Rennen so weit wie möglich nach vorne zu gelangen."

Teamchef Otmar Szafnauer schließt sogar nicht aus, dass Stroll am Ende in die Top 10 vordringen könnte. "Das dürfte schwierig werden von so weit hinten, aber Lance wird sicher alles geben", sagt Szafnauer. "Mit einer cleveren Strategie und seiner starken Rennpace könnten Punkte vielleicht noch drin sein."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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