Formel 1 2017: Deshalb kann Sebastian Vettel noch Weltmeister werden

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Formel 1 2017: Deshalb kann Sebastian Vettel noch Weltmeister werden
Stefan Ehlen
Autor: Stefan Ehlen
Co-Autor: Dieter Rencken
05.10.2017, 05:48

Fünf Rennen vor dem Ende der Formel-1-Saison 2017 braucht es einen Kraftakt von Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, aber unmöglich ist der WM-Titelgewinn nicht.

Sebastian Vettel, Ferrari SF70H and Sergio Perez, Sahara Force India VJM10
Sebastian Vettel, Ferrari
Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W08, Sebastian Vettel, Ferrari SF70H
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H passes the Ferrari pit wall gantry
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H pit stop
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H
Sebastian Vettel, Ferrari after Q1
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H
Toto Wolff, Mercedes-Motorsportchef
Lewis Hamilton, Mercedes-Benz F1 W08 leads at the start of the race
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 celebrates on the podium
Lewis Hamilton, Mercedes-Benz F1 W08 and Max Verstappen, Red Bull Racing RB13 battle for position
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 in the Press Conference
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H
Sebastian Vettel, Ferrari
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H
Sebastian Vettel, Ferrari SF70H

Sebastian Vettel steht unter Zugzwang. Denn fünf Rennen vor dem Ende der Formel-1-Saison 2017 droht der Ferrari-Fahrer den Anschluss an WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton zu verlieren. Vor dem Grand Prix von Japan in Suzuka hat Vettel einen Rückstand von 34 Punkten in der Fahrerwertung – und schon seit Juli nicht mehr besser gepunktet als sein großer Rivale im Titelkampf. Es ist also allerhöchste Zeit für eine Trendwende, wenngleich Vettel nach wie vor intakte Chancen auf den WM-Triumph hat.

Denn schon die Statistik zeigt: Vettel abzuschreiben wäre ein Fehler. 2010, im Jahr seines ersten WM-Titelgewinns, lag Vettel für Red Bull noch zwei Rennen vor Schluss um 25 Punkte zurück, fuhr im spannenden Finale aber dennoch zum Gesamtsieg. 2012 drehte er gar ein Defizit von 44 Punkten noch zu seinen Gunsten, weil er im letzten Saisondrittel von Sieg zu Sieg eilte. Das Aufholen ist Vettel also nicht fremd. Er hat es schon mal geschafft und könnte es wieder tun.

Die technische Grundlage für ein Vettel-Comeback im Titelkampf scheint ebenfalls vorhanden zu sein: Der Ferrari SF70H erwies sich zuletzt als schlagkräftige Waffe, einzig das Glück stand nicht auf Seiten Vettels. In Singapur verhinderte ein Startcrash die Zielankunft, in Malaysia ein Defekt den möglichen Sieg. Vettel verlor alleine bei diesen beiden Rennen insgesamt 31 Punkte auf Hamilton. Formel-1-Experte Martin Brundle fasst es treffend zusammen: "Sebastian hätte in beiden Rennen auf der Pole-Position stehen und sie auch gewinnen können. Das tut sicher weh."

Vorteil Ferrari im WM-Titelkampf?

Vettel wiederum betrachtet die Situation aus einer anderen Perspektive und meint: "Das Ergebnis war zwar nicht besonders gut, aber die Geschwindigkeit ist vielversprechend. Ich bin zufrieden mit dem Speed des Autos. Wir hatten das schnellste Fahrzeug auf der Strecke." Es mangelte einzig an der Umsetzung.

Das ist auch den großen Gegnern nicht entgangen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff etwa blickt argwöhnisch auf die Leistung von Ferrari, sieht in Vettel einen mindestens ebenbürtigen Gegner und bezeichnet die jüngsten Ergebnisse als einen "Weckruf" für sein Team. "Wir haben vom Pech Ferraris profitiert. Das macht mir keine Freude, aber in diesem Sport machst du keine Gefangenen", sagt Wolff. "Wir nehmen diese Punkte mit." Wohl wissend, dass schon Suzuka eine erneute Trendwende im Titelkampf bedeuten könnte.

Ferrari, so die Meinung von Formel-1-Experte Brundle, könnte im WM-Duell sogar bereits die Oberhand gewonnen haben. Der frühere Grand-Prix-Fahrer sieht das italienische Traditionsteam jedenfalls "leicht im Vorteil". Mercedes wiederum sei zuletzt merklich gestrauchelt, wie auch Valtteri Bottas einräumen muss. Malaysia sei "schwieriger als erwartet" gewesen, so der Finne. Mercedes hatte dort mit unterschiedlichen Aerodynamik-Paketen experimentiert, aber keine ideale Lösung gefunden. Prompt waren die Silberpfeile in Sepang nur dritte Kraft hinter Red Bull und Ferrari.

Wie groß sind die Probleme bei Mercedes?

In Brackley und Stuttgart schrillen deshalb die Alarmglocken. Mercedes steht "ein bisschen auf verlorenem Posten", wie es Brundle ausdrückt. Doch das Team hat den Ernst der Lage erkannt. "Noch ist nichts entschieden, aber die nächsten Rennen werden wichtig", sagt Bottas. "Wir müssen unsere Schwierigkeiten rasch verstehen, denn sonst könnte es zu spät sein."

Hamilton spricht gar von "fundamentalen Problemen", die sein Team plagen würden. "Ich kann nicht näher darauf eingehen, aber wenn wir gegen Red Bull und Ferrari eine Chance haben wollen, müssen wir uns steigern", meint der WM-Spitzenreiter und fügt hinzu: "Die Leute sagen schon das ganze Jahr, dass wir das beste Auto haben. Bei manchen Rennen stimmt das auch. Aber insgesamt glaube ich nicht, dass wir das beste Auto haben. Wir leisten nur hervorragende Arbeit mit dem Material, das uns zur Verfügung steht."

Eben dies ist Ferrari zuletzt nicht gelungen. Vor allem die technischen Defekte in Malaysia bedeuteten einen Rückschlag für die Scuderia. Laut Vettel ist die Situation aber "unter Kontrolle". Er meint: "Es ist sicher nicht ideal, wenn du an einem Tag ein Auto und tags darauf das andere Auto [aus technischen Gründen] verlierst. Das müssen wir uns anschauen. Wir haben eine ziemlich gute Bilanz, was die Zuverlässigkeit angeht, aber du gehst natürlich immer ans Limit."

Die große Chance für Vettel

Das ist in der aktuellen Situation aus Vettels Sicht auch unbedingt erforderlich – und vielleicht Vettels größte Trumpfkarte im WM-Titelkampf, wie sein ehemaliger Teamchef bei Red Bull, Christian Horner, erklärt. "Sebastian", sagt er, "hat nichts zu verlieren. Das macht es ein bisschen einfacher für ihn. Denn er kann mehr riskieren und aggressiver vorgehen." Hamilton hingegen ist nun auf das sichere Punkten angewiesen und muss im Zweifelsfall Vorsicht walten lassen. Was Vettel in die Karten spielen könnte.

Und Mercedes ist gewarnt: "Wir denken immer an unsere eigene Leistung", sagt Wolff. "Und in Malaysia hatten wir nicht die Pace, um Red Bull oder Ferrari herauszufordern. Das ist die Grundstimmung im Team. Dabei hätten wir in Malaysia eigentlich schneller sein sollen."

Für Suzuka erhofft sich Hamilton einen Aufschwung. "Dort sollten wir, mit einem anderen Paket, schon besser aussehen. Aber für Mexiko, wo viel Abtrieb gefordert ist, mache ich mir Sorgen. Dort könnten wir Schwierigkeiten kriegen. Andererseits gibt es dort nicht zu viele Kurven, also ist es vielleicht doch in Ordnung. Ich hoffe, die anderen Strecken sind für uns eher wie Spa oder Silverstone. Dann wäre aber Ferrari auch wieder näher dran. Es ist einfach schwer zu sagen", meint der Brite.

Und so bleibt nur der Blick auf die Formel-1-Fahrerwertung und die Gewissheit: In den restlichen fünf Rennen werden noch maximal 125 Punkte vergeben. Genug für Vettel, um Hamilton den Spitzenplatz wieder abzujagen. Theoretisch auch genug für Bottas, um als Außenseiter zum WM-Titel zu fahren. Selbst Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo könnte noch triumphieren. Und vielleicht entpuppt sich just Vettels Ex-Team als Zünglein an der Waage im Endspurt der Formel 1 2017. Sicher ist nur: Vettel braucht Punkte – schnell und viele.

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Autor Stefan Ehlen
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