"Sehe das anders": Sergei Sirotkin verteidigt sich gegen Lewis Hamilton

geteilte inhalte
kommentare
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Oleg Karpov
10.11.2018, 22:43

Der Brite wirft dem Russen nach dem Brasilien-Qualifying Respektlosigkeit vor, Williams-Pilot Sergei Sirotkin kontert nun - Verwarnung für anderes Vergehen

Sergei Sirotkin hat auf die Anschuldigungen von Lewis Hamilton reagiert. Der Brite warf dem Russen "respektloses" Verhalten im Qualifying in Brasilien vor, doch der Williams-Pilot will das nicht auf sich sitzen lassen. "Es gibt nicht viele Leute, die ihn so respektieren wie ich", antwortet er dem Weltmeister. Sirotkin kam mit dem Schrecken davon, als er auf seiner Outlap in Kurve 12 am Briten vorbeigehen wollte, dieser aber ebenfalls nach links zog. Beide verhinderten eine Kollision, Hamilton konnte danach noch die Pole-Position in Interlagos einfahren. Sirotkin wird von Startplatz 14 ins Rennen gehen.

"Es ist ganz einfach. Wir waren beide auf unseren Outlaps", schildert Sirotkin die Szene aus seiner Sicht. Er sei unplanmäßig etwas zu früh auf die Strecke gegangen. Die Reifen waren zu jenem Zeitpunkt noch nicht vollständig aufgeheizt worden, wodurch er 27 Grad unter seiner Vorgabe lag. "Ich musste daher hart pushen. Ich war sehr schnell unterwegs und dann sah ich ihn sehr langsam vor mir herfahren."  

Weiterlesen:

Sirotkin kam mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss im dritten Sektor an, in dem sich Hamilton gerade auf seine schnelle Runde vorbereitete. Er zog nach Kurve 12 nach links, um dem auf der Ideallinie fahrenden Mercedes auszuweichen. Doch Hamilton zog ebenso nach links, knapp konnten beide eine Kollision verhindern. "Ich habe nicht erwartet, dass er mir die Ideallinie überlässt, weil wir ja beide auf Outlaps gefahren sind. Ich habe mich links positioniert, um vorbeizufahren. Er hat mich in allerletzter Sekunde gesehen und ist ausgewichen. Ich war aber 200 km/h schneller. Es war daher sehr schwierig, eine Berührung zu verhindern."

Hamilton "hat nichts falsch gemacht"

Sirotkin betont mehrfach, dass er die Schuld nicht bei Hamilton sucht. "Er hat nichts falsch gemacht. Ich musste einfach auf der Outlap pushen, was sehr ungewöhnlich ist. Aber solche Dinge können eben passieren." Hamilton hat sich ebenso gewundert, dass der Rookie so schnell angeflogen kam. Er war überrascht, da er sich soeben auf die schnelle Runde vorbereitete und den Abstand zu Teamkollegen Valtteri Bottas einhalten versuchte. Der Brite betonte nach dem Zeittraining, dass es ein Zeichen des Respekts sei, wenn man den Abstand zum vorderen Piloten einhalte.

"Ich widerspreche. Wenn man sich ansieht, wie ich mich auf der Strecke generell verhalte, dann gibt es nur wenige andere Piloten, sie so viel Respekt zeigen", verteidigt sich Sirotkin. "Besonders bei führenden Autos, die um den Titel kämpfen. Ich widerspreche entschieden." Es gäbe schließlich nicht viele andere Fahrer, die Hamilton so sehr respektieren würden wie er.

Sirotkin konnte seine Outlap schließlich nicht wie gewollt zu Ende bringen, er musste langsamer machen. "Ich war mit zwei Rädern auf dem Gras und ging daher vom Gas. Ich fuhr dann zurück auf die Ideallinie, ging vom Gas und musste am Lenkrad etwas umstellen. Danach ging ich auf die schnelle Runde. Er war gleich hinter mir und hat mich auf der Geraden wieder überholt."

Ein "Non-Thema" für Mercedes

Der Russe möchte das Thema nicht zu sehr aufblasen. "Ich werde vielleicht mit ihm sprechen, aber ich möchte nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen." Er sei auch nicht überrascht, dass der Vorfall nicht von den Rennkommissaren untersucht wurde. "Das ist total normal. Das war eine einmalige Situation, die so nicht oft passiert. Wir reden jetzt breit darüber und es wird eine große Story draus gemacht, aber es ist eigentlich nicht viel passiert."

Auch für Mercedes ist das Thema bereits ad acta gelegt. "Ein Non-Thema für mich", kommentiert Mercedes-Teamchef Toto Wolff darauf angesprochen. "Das war eine Aufwärmrunde, ein Missverständnis zwischen zwei Fahrern. Sergei hat bereits gesagt, dass er keine Zeit verloren hat und es ein Missverständnis war. Aus Lewis' Sicht war es auch ein Missverständnis, denn er wollte aus dem Weg gehen, weil er dachte, Sergei sei auf einer schnellen Runde, ohne dass er am Funk gewarnt wurde. Es hätte zu einem Unfall führen können. Hat es aber nicht."

Dennoch musste Sirotkin bei den Kommissaren vorsprechen. Ihm wurde angekreidet, dass er in einer anderen Situation im Qualifying zu langsam gefahren sei. In Q1 sei er auf seiner Runde in die Box zu langsam gewesen. Die FIA hat daraufhin eine Verwarnung ausgesprochen. Der Russe erklärt, dass er einige Piloten passieren lassen musste und die Daten auf seinem Display nicht mit jenen der FIA zusammengepasst haben. Die FIA hat in ihrer Begründung angemerkt, das ein Set-up-Fehler zu der Diskrepanz geführt habe. Dies ist Sirotkins erste Verwarnung in dieser Saison.

Mit zusätzlichen Informationen von Adam Cooper

Nächster Artikel
Ricciardos Masterplan für Brasilien: "Einfach alle abschießen"

Vorheriger Artikel

Ricciardos Masterplan für Brasilien: "Einfach alle abschießen"

Nächster Artikel

Bestes Karriere-Qualifying: Ericsson mit Knaller-Runde auf P7

Bestes Karriere-Qualifying: Ericsson mit Knaller-Runde auf P7
Kommentare laden