Sergio Perez: Was den Red Bull so schwer zu fahren macht

Die erste Saisonhälfte im Formel-1-Team von Red Bull war für Sergio Perez ein Auf und Ab - Warum ihm der Umstieg so schwerfiel

Sergio Perez: Was den Red Bull so schwer zu fahren macht

Im Alter von 31 Jahren erhielt Sergio Perez noch einmal die Chance, in der Formel 1 dauerhaft um Spitzenplätze fahren zu dürfen. Der Mexikaner wechselte zu Saisonbeginn zu Red Bull und bekam nach der verlorenen Saison bei McLaren 2013 eine weitere Gelegenheit, in einem Top-Auto unterwegs sein zu dürfen.

Doch die schwierige Vorbereitung mit nur anderthalb Testtagen pro Fahrer hinterließ auch beim erfahrenen Perez ihre Spuren. Denn auch wenn er im Formel-1-Zirkus inzwischen sehr angesehen ist und über den Status eines Bezahlfahrers längst hinausgekommen ist, so verlief die Umstellung auf den Red Bull alles andere als leicht.

"Der Weg, um die optimale Rundenzeit aus dem Auto herauszuholen, die Fahrweise im Zweikampf in der 'dirty air', das alles ist ganz anders als das, was ich vorher gewohnt war", erklärt Perez im Interview mit der englischsprachigen Globalausgabe von 'Motorsport.com'.

Perez: Der Red Bull hat besondere Eigenschaften

Einer der wichtigsten Schlüssel, um in der modernen Formel 1 gute Rundenzeiten zu erzielen, ist der richtige Umfang mit den Reifen. Und auch hier fordert der Red Bull eine andere Herangehensweise. "Jedes Auto hat andere Anforderungen bezüglich der Erwärmung und Abkühlung der Felgen. Das sind sehr besondere Details, wie auch alles andere, das mit den Reifen zu tun hat", erklärt Perez.

Sein Fazit: "Um ehrlich zu sein, es ist eine andere Welt. Es ist so, als hätte ich die Rennserie gewechselt." Entsprechend durchwachsen verlief seine bisherige Saison. Der Sieg in Baku sticht natürlich heraus, doch es gab auch einige Enttäuschungen wie das Rennen in Imola.

Noch viel erdrückender als das eine oder andere Rennen ist jedoch seine Unterlegenheit im Qualifying gegen Max Verstappen. Nach elf Rennen steht es 10:1 für den Niederländer, teilweise war Perez sogar fast eine Sekunde langsamer. An den vergangenen beiden Wochenenden bewegte sich der Rückstand am Samstag bei mehr als einer halben Sekunde.

Wechsel zu Titelaspirant eine spezielle Herausforderung

Der Umstieg von Racing Point zu Red Bull war für Perez auch nicht irgendein Wechsel. "Es ist eine riesige Gelegenheit, aber ich bin mir auch bewusst, dass sich damit die Philosophie geändert hat", sagt er.

Perez ergänzt: "Ich bin von einem Team zu einem völlig anderen Team gewechselt, wenn es darum geht, wie das Auto die Rundenzeit erreicht. Das Team zu wechseln war dabei schwieriger als gedacht, besonders, wenn man zu einem Team kommt, das um den Titel kämpft", schildert er.

Diese Chance, an der Spitze des Feldes zu fahren, sei zwar "großartig", jedoch seien die Fahrer, die um den Titel kämpfen, meist an ihr Auto gewöhnt. "Diese Chance hatte ich nicht", erklärt er. Noch immer gehe es für Perez darum, zu lernen.

Perez: Qualifying ist oft eine Qual

"Ich bin zu einer völlig anderen Teamphilosophie gekommen, beim Motor und Auto, damit muss ich erst zurechtkommen. Aber mit der Zeit wird es besser", so Perez über den noch immer anhaltenden Prozess. "Wenn man in eine neue Struktur wie die von Red Bull kommt, die ist ziemlich groß. Es ist nicht leicht, sich zurechtzufinden. Aber es wird", sagt er.

An den Rennwochenenden zeige sich der Anpassungsprozess deutlich. So erklärt Perez, dass er im Laufe eines Wochenendes so große Fortschritte erziele, dass er nach dem Rennen gerne noch einmal starten würde. "Ich brauche einfach Zeit, wenn wir zu einer neuen Strecke kommen", sagt er.

So benötige er den gesamten Freitag, um sich auf das Qualifying einzustellen. "Und dann muss ich mich durch das Qualifying quälen. Wenn man am Freitag schon Rückstand hat, ist es einfach zu spät", sagt er.

Perez sicher: Zweite Saisonhälfte wird stärker

Vor Perez hatten auch andere Teamkollegen mit der Übermacht eines Max Verstappen bereits zu kämpfen. Ob Daniil Kwjat, Pierre Gasly oder Alex Albon - sie alle konnten nicht mit dem Niederländer mithalten. Wohl auch deshalb, weil der Red Bull den besonderen Fahreigenschaften des aktuellen WM-Zweiten entgegenkommt.

"Ich würde sagen, es ist ein schnelles Auto, aber es ist ganz anders, wenn es darum geht, das Maximum herauszuholen", so Perez. "Am Ende des Tages sind alle Formel-1-Autos recht ähnlich, es ist nur die Art und Weise, wie man die beste Rundenzeit herausholt, die anders ist. Und ich habe jetzt ein Auto, das ganz anders ist", erklärt er.

So habe der Red Bull ein "sehr enges Arbeitsfenster", in dem er funktioniert. "Es ist sehr wichtig, in diesem Fenster zu bleiben, denn wenn man es verlässt, dann fühlt es sich zwar besser an, aber das Auto ist nicht schneller. Daher muss ich mich einfach noch mehr an das Auto anpassen", sagt er.

Doch Perez ist überzeugt, das sehr bald komplett hinzukriegen. "Es wird natürlicher werden. Im Moment ist es noch nicht natürlich, aber das wird es. Ich denke, dass ich noch in dieser Saison in der zweiten Saisonhälfte da sein werde und dass wir stark sein werden. Ich werde stärker und wir als Team werden stärker", kündigt er an.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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