Steiner tobt nach Grosjean-Strafpunkt: "Wo leben die denn?"

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Steiner tobt nach Grosjean-Strafpunkt: "Wo leben die denn?"
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper, Jonathan Noble
31.03.2019, 07:14

Scharfe Kritik von Günther Steiner an den FIA-Rennkommissaren in Bahrain, dabei haben die sich nur an die übliche Linie der vergangenen Jahre gehalten

Romain Grosjean wurde in der Startaufstellung für den Grand Prix von Bahrain vom achten auf den elften Platz zurückversetzt, weil er am Ende von Q1 in der letzten Kurve Lando Norris aufgehalten hat. Neben der Grid-Strafe wurde ihm auch ein Strafpunkt aufgebrummt. Mit nunmehr acht Punkten in den letzten zwölf Monaten ist er Spitzenreiter in der Formel 1.

Wenn ein Fahrer zwölf Punkte erreicht, wird er für ein Rennen gesperrt. Für Grosjean wäre das nichts Neues: 2012 musste er nach der Startkollision in Spa schon einmal aussitzen. Der Haas-Fahrer gilt sozusagen als Verursacher dafür, dass das Strafpunktesystem in seiner heutigen Form eingeführt wurde. Immerhin: Am 13. Mai verfallen zwei seiner aktuell acht Punkte.

Sein Teamchef Günther Steiner kann die Entscheidung der FIA-Rennkommissare in Bahrain nicht nachvollziehen und übt scharfe Kritik: "Er hat nichts falsch gemacht. Es gab keinen Funkspruch von uns. Warum gibt man ihm dafür einen Strafpunkt?"

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"Das ist total unangemessen, eine totale Fehlentscheidung. Über die Grid-Strafe kann man diskutieren. Aber ihm einen Punkt zu geben ... Wo leben die denn?"

"Wenn du ein Auto mittendrin hast, das auf einer schnellen Runde ist, ist es sehr schwierig [für alle anderen]. Aber über die Grid-Strafe will ich gar nicht diskutieren. Den Punkt verstehe ich nicht", sagt Steiner.

Steiner tobt in bester Netflix-Manier

"Was soll er den tun? Sie sollten in den Rückspiegel schauen, ja. Aber dann sieht er ja vorne nichts mehr, wo sie sich alle zusammenschieben. Ich weiß nicht, wohin das mit den Kommissaren noch führt."

Bedarf, mit den Kommissaren zu reden, sieht er nicht: "Wozu? Wer es nicht kapieren will, kapiert es nicht. Es gab erst gestern ein Meeting mit den Fahrern. Da frage ich mich schon, worüber sie eigentlich geredet haben. Kommt mir vor wie reine Zeitverschwendung. Sie reden und reden - und dann tun sie einfach, was sie wollen, ohne die Umstände einzubeziehen. Aber was soll's."

Dabei haben die Kommissare streng genommen genau nach Vorschrift gehandelt. "Wenn du eine Strafe bekommst, bekommst du immer auch einen Strafpunkt", hat der verstorbene Charlie Whiting einmal erklärt.

 

Das kann man im FIA-Reglement nachschlagen. Dort steht unter Artikel 4.2 wörtlich: "With the exception of a reprimand or fine, when a penalty is applied under the International Sporting Code or Article 38.3 the stewards may impose penalty points on a driver's Super Licence."

Der Knackpunkt, über den man sich streiten könnte, ist die Formulierung "may impose penalty points", denn das "may" suggeriert, dass Strafpunkte nicht zwangsläufig aufs Konto des betroffenen Fahrers addiert werden müssen, sondern die Kommissare nur dazu berechtigt sind, das zu tun.

"Impeding" wird seit 2014 auch mit Punkten bestraft

Andererseits haben Recherchen von 'Motorsport-Total.com' ergeben, dass das Bestrafen von "Impeding", wie das Aufhalten eines Gegners in der Fachsprache heißt, bereits seit 2017 standardmäßig mit drei Startpositionen plus einem Strafpunkt geahndet wird. Zwischen 2014 und 2016 gab es dafür normalerweise drei Startpositionen plus zwei Strafpunkte.

Grosjean gibt übrigens zu, Norris völlig übersehen zu haben. Auslöser sei aber Sebastian Vettel gewesen: "Er hat das ungeschriebene Gesetz, vor der letzten Kurve niemanden mehr zu überholen, nicht eingehalten. Alonso hat vergangenes Jahr in Monza Magnussen klargemacht, dass das nicht geht. Er fuhr einfach an allen vorbei, die sich da gerade einsortiert haben." Dadurch habe er nochmal drei, vier Sekunden extra warten müssen - und stand plötzlich dem McLaren im Weg.

"Natürlich habe ich versucht, ihm noch auszuweichen, aber da war es schon ein bisschen spät", sagt Grosjean. "Ich hätte mich beinahe gedreht, denn als ich ihn im Spiegel sah, stieg ich aufs Gas. Dabei ging mir das Heck ziemlich massiv weg. Ich dachte schon, ich lande in der Mauer!"

"Ein Funkspruch wäre schon hilfreich gewesen. Aber wie dem auch sei: Er hat's in Q2 geschafft und es hatte keine Auswirkungen."

Langsame Out-Laps ein Risikofaktor

Das Problem sind seiner Meinung nach die in Bahrain besonders langsamen Out-Laps zum Aufwärmen der Reifen: "Im Freien Training lagen die etwa bei 2:20 Minuten. Das ist 50 Sekunden langsamer als eine schnelle Runde", rechnet Grosjean vor. "Wenn du so langsam bist und einer auf einer fliegenden Runde an dir vorbeizieht, machst du dir in die Hose!"

"Das ist ein Thema, das wir uns in Zukunft anschauen müssen, denn wir haben in der Vergangenheit schon drüber gesprochen. Die Spiegel sind besser geworden, aber bei der Geschwindigkeit macht eine Sekunde 80, 90 Meter Unterschied."

"Manchmal hörst du am Funk: 'Giovinazzi ist 15 Sekunden hinter dir.' Und drei Kurven später ist er schon da. Du siehst im Rückspiegel vielleicht 100 Meter weit. Das ist gerade mal eine Sekunde."

Bahrain sei in diesem Kontext eine "schreckliche Strecke. Genau wie Singapur", sagt Grosjean über das Delta zwischen Out-Lap und schneller Runde.

Die hohen Geschwindigkeitsunterschiede seien gefährlich, wie man im Qualifying gesehen habe. "Da bist du total vom Boxenfunk abhängig, zu 100 Prozent." Und wenn der nicht vorwarnt, wie am Samstag bei Haas, dann ist eine Strafe für "Impeding" fast unausweichlich. Mit Strafpunkt.

Mit Bildmaterial von LAT.

 

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Rennserie Formel 1
Event Sachir
Subevent Qualifying
Autor Christian Nimmervoll
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