Technikanalyse: Die Neuerungen bei Mercedes unter der Lupe

Mercedes hat bei den Testfahrten in Barcelona die meisten Kilometer abgespult. Doch das Weltmeister-Team der vergangenen Jahr wusste auch mit diversen Neuentwicklungen zu beeindrucken.

Einige der Neuheiten am Mercedes W07 waren sogar sehr radikal, zum Beispiel die Windabweiser vor den Seitenkästen oder auch die Frontpartie. Selbst die Fahrer sind erstaunt darüber, wie sehr sich Mercedes für die Formel-1-Saison 2016 ins Zeug gelegt hat.

„Man sieht dem Auto einfach an, dass wir da sehr innovativ waren. Wir versuchen einfach, einen Schritt vor der Konkurrenz zu sein“, sagt Nico Rosberg.

„Aber wenn du Trendsetter bist, werden dich die anderen immer kopieren und so Stück für Stück aufholen. Daher ist es erforderlich, ständig Neues zu entwickeln, das bis dato noch nicht dagewesen ist.“

„Ich denke“, so Rosberg weiter, „dass wir in diesem Jahr wieder einige Elemente am Auto haben, die man so noch nicht in der Formel 1 gesehen hat. Das zeigt, auf welch hohem Niveau das Team operiert.“

Und hier erklärt Matt Somerfield, um welche Entwicklungen es im Einzelnen geht!

Frontflügel

Mercedes AMG F1 W07 front wing detail
Mercedes AMG F1 W07, Frontflügel-Detail

Foto: Giorgio Piola

Der Frontflügel selbst unterscheidet sich nicht sehr vom Modell, das 2015 am W06 eingesetzt wurde. Allerdings hat Mercedes die Frontpartie des Autos und vor allem die Nase wesentlich verändert. Auch die Aufhängung des Frontflügels ist neu.

Dadurch hat sich die Art und Weise, wie der sogenannte Y250-Vortex unter der Frontpartie angeströmt wird, verändert – mit Auswirkungen auf die Luftführung um das gesamte Auto herum.

Außerdem setzt Mercedes in diesem Jahr wieder auf einen Frontflügel, dessen Flaps teilweise mit gezackten Kanten versehen sind. Dadurch soll die aerodynamische Gesamtleistung des Frontflügels verbessert werden.

Fotostrecke: Die neue Mercedes-Frontpartie

In der Frontpartie verbirgt sich wiederum ein sogenannter S-Schacht. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Modifizierung des Systems, das auch schon Force India, McLaren und Red Bull eingesetzt haben, denn die Lufteinlässe liegen bei Mercedes deutlich weiter vorn.

Die Regeln besagen: Nur eine Öffnung zur Kühlung des Fahrers darf im Bereich von 50 Millimeter vor der Vorderachse angebracht sein. Deshalb waren bei bisherigen Lösungen die Luftführungskanäle recht kurz.

Die S-Schacht-Variante von Mercedes befindet sich jedoch in einem Bereich der Frontpartie, der mehr Leistung generieren sollte. Deshalb wurden die Regeln hier so ausgelegt, dass die Mercedes-Öffnung eben keine Öffnung im Sinne der Regeln darstellt und so völlig legal ist.

Verwendet wird der S-Schacht, um den Luftstrom von unterhalb der Nase durch die Frontpartie und auf deren Oberseite zu lenken. Man macht sich hierbei den Coanda-Effekt zunutze, um den Luftstrom über dem Fahrzeug zu glätten und so die Aerodynamik zu optimieren.

Luftleitbleche (Frontpartie)

Im Zuge der Umgestaltung der Frontpartie hat Mercedes auch die Luftleitbleche seitlich der Autonase verändert. In der W07-Version weisen die Luftleitbleche insgesamt sechs Einschnitte auf. Auch dies dient der verbesserten Luftführung.

Windabweiser

Mercedes bargeboards
Mercedes-Windabweiser

Foto: Giorgio Piola

Die Windabweiser am W07 weisen eine gezackte Form auf und knüpfen am Unterboden an neun kleine Ausbuchtungen an. Damit stehen die Windabweiser in direktem Kontakt zum Unterboden und helfen, den Luftstrom in diesem Bereich besser zu lenken und die Luftverwirbelungen nach den Vorderrädern zu minimieren – unabhängig vom Anstellwinkel der Vorderräder.

Luftleitbleche (Seitenkasten)

Mercedes W07 barge boards comparison
Mercedes W07, Windabweiser und Luftleitbleche

Foto: Giorgio Piola

Auch hier unterscheidet sich der neue Mercedes von der Konkurrenz: Denn üblicherweise sind die senkrechten Luftleitbleche an den äußeren Ecken der Seitenkästen auf dem Unterboden angebracht. Doch bei Mercedes setzt man 2016 auf eine zweigeteilte Lösung.

Fotostrecke: Die Formel-1-Autos 2016 im Vergleich

Am Ansetzpunkt auf dem Unterboden ist nun ein R-förmiges, kleines Element zu sehen, das keine Verbindung zum großen Luftleitblech hat, das seinerseits, der Form des Seitenkastens folgend, am Cockpitrand mit dem Chassis verbunden ist.

Diese Elemente sind als Kombination mit den Windabweisern und Luftleitblechen weiter vorn zu verstehen und helfen ebenfalls, den Luftstrom um die Seitenkästen herum zu verbessern.

Mercedes AMG F1 W07 detail
Mercedes AMG F1 W07, Detail

Foto: Giorgio Piola

Heckflügel

Am ersten Tag der zweiten Testwoche hat Mercedes einen komplett neuen Heckflügel am W07 montiert. Dort waren zwei deutlich größere Einschnitte in den Endplatten zu sehen, die dazu dienen, die Luftverwirbelungen von den Hinterrädern zu glätten.

Weitere drei, allerdings kleinere Einschnitte haben die Aufgabe, den Luftstrom am Heckflügel zu optimieren.

Auch der Heckflügel-Flap mit dem Sponsoren-Schriftzug ist neu: An den Außenkanten ist der Flap gerade, in der Mitte gibt es eine nun deutlich kleinere Einkerbung (gelb).

Mercedes AMG F1 W07 rear wing detail
Mercedes AMG F1 W07 rear wing detail

Photo by: Giorgio Piola

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