Toto Wolff: Streits zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg „ermüdend“

Mercedes-Temachef Toto Wolff findet es zwar „ermüdend“ sich ständig mit den Streitereien zwischen Hamilton und Rosberg herumschlagen zu müssen, der Erfolg in der Formel 1 sei das aber wert, erklärt er.

„Ich sehe die erste Saisonhälfte rückblickend positiv, denn fast jedes Rennen zu gewinnen, ist definitiv das, was wir erreichen wollten“, sagte Wolff gegenüber Motorsport.com.

Das einzige Rennen, das in diesem Jahr ein Nicht-Mercedes-Fahrer für sich entscheiden konnte, war der Grand Prix von Spanien. Da holte Max Verstappen den Sieg, nachdem sich Hamilton und Rosberg kurz nach dem Start gegenseitig ins Aus befördert hatten.

Eine Berührung der beiden in der ersten Kurve in Montreal und ein Scharmützel in Österreich gingen zwar glimpflicher ab, die Stimmung verbesserten sie aber keinesfalls. Um künftig schlimmeres zu vermeiden, bekamen die Kampfhähne vom Team – unter Androhung empfindlicher Strafen bei Nichteinhaltung – strikte Verhaltensregeln mit auf den Weg.

„Die Kontroversen und Rivalitäten sind sicher nicht immer einfach zu bewältigen“, betonte Wolff. „Wir akzeptieren das und wissen, dass es daher kommt, dass wir zwei Nummer-1-Fahrer haben, die gleiches Material und die gleichen Chancen bekommen.“ 

Auf alle Fälle sei es besser, dieses Problem zu haben als das, nicht konkurrenzfähig zu sein.

„Es kostet eine Menge Zeit und das könnte langfristig Auswirkungen haben“, gab er zu. Slange es aber nicht an jedem Wochenende vorkäme, „hat es in diesem Jahr wenigstens für einige Schlagzeilen über die Meisterschaft gesorgt. Meine Meinung ist klar. Ich würde es lieber vermeiden, auch einige der Schlagzeilen und lieber die Rennen gewinnen – aber ich vermute, wir sind eben in der Unterhaltungsindustrie.“

Wenn Teamkollegen immer in derselben Startreihe stehen, könnten die Gefühle schon mal überkochen, sagte Wolf weiter. „Besonders, wenn das auch noch die erste Startreihe ist und es um Rennsiege und die Meisterschaft geht.“

„Nächstes Jahr kann das schon wieder total anders sein – es könnte ein Kampf zwischen vier, sechs oder noch mehr Fahrern sein und dann wären unsere Fahrer meistens weiter auseinander. Das ist also ein nettes Problem, aber manchmal auch sehr ermüdend.“

Gleichzeitig lobte Wolff sein Team, dass es die Rivalität der beide Fahrer so lange im Zaum halten konnte, auch wenn er über die beiden Crashs in diesem Jahr natürlich nicht begeistert war.

„Wir haben es in den vergangenen vier Jahren geschafft. In einem konkurrenzfähigen Auto um die Meisterschaft kämpfen – wenn man sich einige der anderen Beispiele in der Geschichte anschaut, e haben die es nicht länger als zwei Jahre geschafft“, sagte der Österreicher. „Daher bin ich ziemlich stolz auf das Team, wie es damit umgegangen ist.“

Das sei auf Dauer gar nicht so einfach, erklärte er.

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„Man muss ständig eine Balance finden zwischen dem positiven Effekt, den es auf das Team in puncto Leistung hat, großartigen Fahrern, die sich gegenseitig immer weiter auf neue Levels puschen und das Auto schneller machen. Auf der anderen Seite gibt es die Rivalität, die sich auf das Team übertragen und den Teamgeist beschädigen könnte. Diese Balance müssen wir ständig halten. Momentan ist es noch positiv.“

In diesem Jahr sieht Wolff drei „heftige“ Momente zwischen Hamilton und Rosberg. Neben den Crashs in Spanien und Österreich sei nämlich auch die Berührung in Montreal einer jener Momente gewesen.

„Spanien war eine kleine Überraschung, denn einen Doppelausfall mit einem Auto, mit dem man einen Doppelsieg einfahren könnte, habe ich noch nicht erlebt und die meisten Teammitglieder sicher auch nicht“, sagte er. 

„Gleichzeitig bot er aber auch die Chance für einen künftigen Champion, seinen ersten Sieg zu feiern. Es war zwar nicht das, was wir erwartet hatten, aber es war positiv für die Formel 1. Trotzdem ist es nicht unsere Hauptaufgabe, für Geschichten zu sorgen, wir würden diese Schlagzeilen lieber vermeiden.“

Bis Kanada hätte man es hingenommen, dass so etwas passieren könnte, fuhr Wolff fort. „Keiner hat das schließlich absichtlich gemacht. Montreal war aber etwas heftig. Es ging noch einmal gut und dann kam Österreich und etwas, von dem wir dachten, dass es nicht mehr passieren könnte, weil sie ihre Lektion gelernt hatten. Das hatten sie aber ganz klar nicht.“

Natürlich wolle man auch nicht, dass beide übervorsichtig seien, so Wolff. „Trotzdem erwarten wir, dass sie die Arbeit respektieren, die hinter allem steckt. Und das tun sie. Ich denke, für jeden der Vorfälle gibt es eine Erklärung, aber an einem gewissen Zeitpunkt – und das haben wir in Österreich getan – haben wir beschlossen, dass wir das nicht mehr analysieren wollen. Wir wollen einfach keine Berührungen mehr.“

Das Gespräch führte Jonathan Noble

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