Trauriger Weltmeister: Lewis Hamiltons Großvater verstorben

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Trauriger Weltmeister: Lewis Hamiltons Großvater verstorben
Autor: Christian Nimmervoll
29.10.2018, 06:23

Lewis Hamilton öffnet sein Herz über seinen verstorbenen Großvater und erinnert sich, wie ihn Papa Anthony auf der Kartbahn in Hoddesdon zum Spätbremser erzogen hat

Es war ein trauriger Triumph für Lewis Hamilton, mit dem vierten Platz beim Grand Prix von Mexiko seinen fünften WM-Titel fixiert zu haben. Nicht so sehr wegen der eher durchwachsenen Leistung des Mercedes-Teams am Rennsonntag. Sondern vielmehr aus einem sehr persönlichen Grund. Denn erst am Donnerstagmorgen war sein Großvater väterlicherseits, Davidson Augustine Hamilton, in seiner Heimat Grenada verstorben.

"Heute ist ein merkwürdiger Tag. Ich schaue zum Himmel und denke an meinen Opa", so Hamilton in einem emotionalen Twitter-Video, in dem er kurz nach Zieldurchfahrt, Siegerehrung und Weltmeister-Pressekonferenz über seinen Triumph spricht. Und er sagt: "Ich wollte ihn und meinen Dad stolz machen, denn es ist eine schwierige Zeit für meine Familie."

"Ich habe meinen Dad gerade angerufen. Ich weiß, dass er stolz auf das ist, was wir erreicht haben. Und er ist stolz auf mich, was letztendlich immer mein Ziel war. Aber Opa wäre heute auch stolz auf uns", sagt Hamilton und ergänzt kopfschüttelnd: "Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich jetzt fünf Weltmeistertitel habe."

 

Das sei "einfach verrückt", findet der 33-Jährige, der sich vor der Saison 2018 verschiedene Ziele vorgenommen hatte. Eines davon war: "Ich habe versucht, ein besserer Sohn und ein besserer Freund zu werden." Und das ist ihm der eigenen Einschätzung nach gelungen.

Lewis und Anthony Hamilton, das war nicht immer ein einfaches Verhältnis. Alles begann vor mehr als 25 Jahren auf der Rye-House-Kartbahn in Hoddesdon, wo vor Hamilton schon Jenson Button seine ersten Schritte in Richtung Weltkarriere gemacht hatte. "Mein Dad", erinnert sich der heutige Mercedes-Megastar, "war der einzige Vater, der raus auf die Strecke ging und sich hinstellte, um das schnellste Kind zu beobachten."   

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"Ich war erst acht Jahre alt, und das schnellste Kind war damals ein Junge namens Nicky Richardson. Als ich acht war, habe ich zu Nicky aufgeschaut. Er war so schnell und ich wollte unbedingt besser sein als er. Irgendwie. Also stellte sich mein Dad hin und spionierte seine Bremspunkte aus. Dann ging er ein paar Meter weiter in Richtung Kurve und sagte zu mir: 'Hier musst du bremsen!'"

"Das hat kein anderer Vater getan", zeigt sich Hamilton dankbar. Aber es dauerte, bis die Methode Wirkung zeigte, denn: "Ich fuhr also raus und versuchte, an dem Punkt zu bremsen. Aber ich flog reihenweise ab und crashte, immer und immer wieder. Bis ich es irgendwann auf die Reihe bekam." Mit folgenschweren Auswirkungen bis hinein in seine Formel-1-Karriere: "Ich war immer als Spätbremser bekannt."

 

"Mein Vater hat immer daran geglaubt, dass wir es einmal schaffen", philosophiert Hamilton. Doch das Vater-Sohn-Verhältnis war nicht immer so ungetrübt wie damals auf der Kartbahn. Bis zum Gewinn des ersten WM-Titels auf McLaren im Jahr 2008 waren die Hamiltons ein unzertrennliches Duo. Doch mit dem Erfolg kam das Geld, und mit dem Geld kam die Politik. Jahrelang redeten sie kein Wort miteinander.

Das ist jetzt anders. Nicht erst seit dem fünften Titel in Mexiko. Aber "wenn jemand stirbt, schweißt das immer die ganze Familie zusammen", sagt Hamilton. "Mein Opa war das Familienoberhaupt. Mein Dad und ich, wir standen uns davor schon wieder sehr nahe. Aber das jetzt hat uns noch ein bisschen näher zusammengebracht. Ich werde ihm nie vergessen, was er alles getan hat, damit ich heute hier sein kann."

"Und nicht nur für mich, sondern für die ganze Familie. Ich möchte sein wie er: ein starker, schwarzer Mann, der als Mensch so viel erreicht hat, obwohl er selbst so wenig hatte. Ich glaube, das sagt alles darüber aus, wer wir sind. Mein Opa wäre stolz auf ihn, er wäre stolz auf uns alle. Und ich bin unendlich dankbar, dass der Name Hamilton jetzt in den Geschichtsbüchern der Formel 1 fest verankert ist. Verrückt, wenn ich darüber nachdenke!"

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