Trotz überzeugendem Test: Wie gut ist der Ferrari SF90 wirklich?

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Trotz überzeugendem Test: Wie gut ist der Ferrari SF90 wirklich?
Autor:
Co-Autor: Scott Mitchell
21.02.2019, 17:23

Lob von Fahrer und Experten: Der neue Ferrari SF90 scheint 2019 das Auto zu sein, das es zu schlagen gilt - Bei den Roten drückt man jedoch auf die Euphoriebremse

Ist Ferrari das Team, welches es 2019 zu schlagen gilt? Diese Frage drängt sich nach der ersten Testwoche der Formel 1 in Barcelona auf. Die Roten machten für viele Experten den besten Eindruck und sicherten sich an den ersten beiden Tagen auch die Bestzeit. Die Fahrer sind vom neuen SF90 zumindest sehr angetan.

"Es fühlt sich sehr gut an", meint Charles Leclerc, der in dieser Saison neu bei der Scuderia ist und Sebastian Vettel herausfordern möchte. "Die Balance ist ziemlich gut. Seb hat schon gesagt, dass es sich nicht wie ein neues Auto anfühlt, sondern eher wie ein etabliertes", so der Monegasse.

Das Ergebnis des 4. Testtages

Angesichts der Regeländerungen für 2019 dürften diese Aussagen Musik in den Ohren der Ferrari-Fans sein. Die neue Aerodynamik sollte den Teams eine Menge Abtrieb rauben, doch es klingt danach, als hätte Ferrari bei dem Thema keine Rückschritte gemacht.

Leclerc: Mercedes hat noch nicht alles gezeigt

Zudem scheint auch die Zuverlässigkeit bei der Scuderia zu stimmen: Der SF90 lief ohne Probleme und löste keine einzige Unterbrechung aus. Insgesamt fuhr Ferrari in der ersten Testwoche 598 Runden - ein starker Wert, der nur von Mercedes (610) geschlagen wurde. "Wir haben an jedem Tag unser komplettes Programm durchbekommen", freut sich Leclerc. "Das ist extrem wichtig."

Fraglich ist, zu was die direkte Konkurrenz in der Lage ist. Am vierten Tag lagen beide Mercedes knapp vor Leclerc, doch ansonsten hatten die Silberpfeile immer einen der letzten Plätze belegt. "Sie haben die Hosen nicht runtergelassen", sagt Leclerc. "Sandbagging" nennt sich das im Fachjargon. Doch das Spiel kann auch die Scuderia: "Sie haben nicht gepusht, aber wir haben das auch nicht", verkündet er.

Ein Vergleich zwischen den Topteams ist daher zeitentechnisch kaum möglich, doch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte am ersten Tag schon von einer "ultrastarken" Leistung Ferraris gesprochen. Ob das nur Ablenkung war oder ein ernst gemeintes Lob, wird nur der Österreicher selbst wissen.

Anderson: Das hebt Ferrari von allen ab

Motorsport.com-Experte Gary Anderson hat an der Strecke seine eigenen Beobachtungen angestellt. Sein Fazit: "Der Ferrari sieht auf der Strecke wirklich gut aus, wahrscheinlich das Beste, was wir gesehen haben." Zwar stehen hinter der Benzinmenge noch einige Fragezeichen, weil es keinen durchgängige Rennsimulation von 66 Runden am Stück gab, dennoch hält er den SF90 für ziemlich konstant.

"Die Fahrer können das Auto gut platzieren. Sie verbremsen sich nicht, das Heck ist nicht nervös - und darum glaube ich, dass es ein so gutes Paket ist." Anderson glaubt nicht, dass Vettel und Leclerc schon ans Limit gehen mussten - das könnte erst kommen, wenn auch Mercedes wirklich zulegt.

Ein guter Indikator ist in Barcelona die Kurve 9, die früher als schnelle Mutpassage galt und die Spreu vom Weizen trennt. "In Kurve 9 ist der Ferrari das einzige Auto, das ein Vorderrad innen über den Randstein bringt. Die anderen müssen da eine weitere Linie fahren", analysiert Anderson. Zudem sei die Bewegung des Autos dort ziemlich kontrolliert gewesen, nicht abrupt.

"Sind mit unserem Auto zufrieden"

Im letzten Sektor sind andere Qualitäten gefragt, doch auch in den langsamen Kurven weiß der Ferrari zu brillieren. "Das Auto liegt gut auf der Strecke. Wenn es über die Randsteine räubert, vibriert es nicht nach", so Anderson. "Die Beschleunigung aus Kurve 13 heraus ist beeindruckend. Sie können einfach aufs Gas steigen. Da ist alles da, was ein Auto schnell macht."

Charles Leclerc

Charles Leclerc kann bis jetzt nichts Negatives über seinen Ferrari berichten

Auch wenn noch kein klares Bild gezeigt werden kann, scheinen die Vorzeichen für die Roten aus Maranello schon einmal gut auszusehen. Doch auf irgendwelche Aussagen möchte man sich im Team noch nicht einlassen: "Die anderen Teams halten sich zurück. Wir müssen sehen, wie stark sie das tun", sagt Leclerc, "aber wir sind im Moment mit unserem Auto ziemlich zufrieden."

Ein klares Bild wird es erst in Australien geben, doch bis dahin stehen in der kommenden Woche noch einmal vier Testtage auf dem Programm. Um sich darauf gut vorzubereiten, wird Leclerc noch heute in die Fabrik reisen, um einige Arbeiten durchzuführen und das Team zu sehen. "Vor dem Test waren alle glücklich", sagt er. "Und ich bin ziemlich sicher, sie sind es immer noch!"

Mit Bildmaterial von LAT.

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